Neulich lästerte Reinhard Weigelt, dass auf der roten Bank am Mantelhafen eh nie jemand sitzt. Ich weiß nicht mehr, worauf der FDP-Mann hinaus wollte. Es muss etwas mit dem Autoverkehr zu tun gehabt haben, weg mit der Bank, her mit den Autos, freie Fahrt für Motorräder. Oder so ähnlich. Egal. Jedenfalls hat Weigelt Recht: Auf der Bank sitzt nie ein Mensch. Also dachte ich mir: Setz‘ Dich selbst mal hin.

Das könnte Sie auch interessieren

Erinnern Sie sich an das „Rote Sofa“, das die Stadt im so genannten „Bürgerbeteiligung“sprozess des Jahres 2010 auf die Straße stellte? Es sollte dazu ermuntern, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dem Sofa, das in Wahrheit nur störrisch und unbequem war, ward kein Erfolg beschieden. Doch wie erfolgreich könnte meine Aktion hier werden? Kommen wir ins Gespräch miteinander? Egal zu was. Was Ihnen auf dem Herzen liegt. Was mal in die Zeitung sollte. Was einfach gesagt gehört.

Beobachtungen

Mit einem Rest an Tempotaschentuch wische ich mir einen einzelnen Sitzplatz trocken, den Platz am Rand. Wäre die Bank eine Waage, würde sie jetzt kippen. Der Platz vor der Kunstakademie ist schön, die alte Schulturnhalle, sie hält mir den Rücken frei. Vor mir zieht ein Touristen-Pärchen vorbei, oder das, was ich für Touristen-Pärchen halte. Sie telefoniert. Bei ihm baumelt der Fotoapparat über dem Bauch.

Beide tragen kurze Hosen. Gegenüber, auf dem Betonmäuerchen, den Mantelhafen im Rücken, sitzt ein Mann mit der Stimme des schwäbischen Kabarettisten Christoph Sonntag. „Alles im grünen Bereich“, flötet er ins Telefon. Bereich klingt bei ihm wie „Teich“, wenn man den Unterkiefer beim Sprechen nach vorne drückt. Ein älteres Paar schlurft zur Baresel-Insel. Er hakt ihr unter. Sie hakt ihm unter. Sie sind sich eine Stütze.

Platz für Viele

Ich schreite die Bank ab. Sie dürfte gut 15 Meter lang sein, Platz also für etwa 30 Leute. Noch immer schimmern Regentropfen auf dem roten Lack.

Am Dienstag, 9. Juli, um 15 Uhr, bin ich wieder da, auch am Mittwoch, am Donnerstag und von mir aus auch am Freitag. Wenn es zu viele Leute werden, dann machen wir einfach ein Foto gemeinsam und zeigen, wie schön die Bank aussieht, wenn auf ihr jemand sitzt.