Die Bäuerin Gerlinde Hahn bewundert den Mut der jungen Leute, die immer wieder auf ihren Hof kommen. Derzeit macht die 18-jährige Rebecca Schmid aus dem Schwarzwald bei ihr auf dem landwirtschaftlichen Betrieb am Reuteweg Station: Zwei Wochen lang hilft sie auf dem Bauernhof mit, mistet den Stall aus, füttert Kühe und striegelt die Pferde, kocht für die Bauersfamilie, hilft beim Herstellen von Nudeln und lenkt den Traktor über den Hof. "Etwas Neues kennen lernen, mich auf eine fremde Familie einlassen", nennt Rebecca Schmid Gründe für ihre Reise an den Bodensee.

Pferde sind ihr dabei die liebsten Tiere. Die Hahns haben einen Milchviehbetrieb, einen Melkroboter und eine automatische Milchverkauf-Station.
Pferde sind ihr dabei die liebsten Tiere. Die Hahns haben einen Milchviehbetrieb, einen Melkroboter und eine automatische Milchverkauf-Station. | Bild: Hilser, Stefan

Verständnis für die Arbeit auf dem Bauernhof wecken, Unterstützung für die Bauersfamilien organsieren, Persönlichkeitsbildung für junge Leute ermöglichen – das sind die <%LINK auto="true" text="Hintergründe des Projekts "Land-Leben", das von der katholischen Landfrauenbewegung der Erzdiözese Freiburg seit 1999 organisiert wird." href="https://www.kath-landfrauen.de/html/content/landleben.html" target="" title="" %> Mehr als 600 junge Menschen zwischen 14 und 35 Jahren hätten an dem Projekt bereits teilgenommen, teilt die Landfrauenbewegung mit. Auf dem Hof von Gerlinde Hahn, die in der Landfrauenbewegung engagiert ist, machen immer wieder auch sehr junge Leute Station, 14- oder 15-Jährige, die durchaus mit Heimweh zu kämpfen haben. "Finde ich mutig – nicht zwei Wochen auf den Liegestuhl liegen, sondern sich neuen unbekannten Aufgaben stellen, einen anderen Blickwinkel einnehmen."

Die Hans betreiben eine Pferdepension und bieten Ferien auf dem Lande. Doch zum Urlaub machen, dafür ist Rebecca Schmid nicht gekommen.
Die Hans betreiben eine Pferdepension und bieten Ferien auf dem Lande. Doch zum Urlaub machen, dafür ist Rebecca Schmid nicht gekommen. | Bild: Hilser, Stefan

Rebecca Schmid nimmt für ihren Arbeitseinsatz auf dem Bauernhof zwei Wochen lang Urlaub. Sie absolviert eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin und möchte später eine Ausbildung zur Familienpflegerin anschließen. Doch interessiert es sie, wie das Leben auf einem Bauernhof funktioniert.

Gerlinde Hahn im Stall in ihrem Milchviehbetrieb in Überlingen-Andelshofen. Bild: Stefan Hilser
Gerlinde Hahn im Stall in ihrem Milchviehbetrieb in Überlingen-Andelshofen. Bild: Stefan Hilser | Bild: Hilser, Stefan

Sie ist nicht in der Landwirtschaft aufgewachsen, aber in einem abgelegenen Tal bei Bad Rippoldsau im Landkreis Freudenstadt, wo man den Rhythmus der Natur noch zu spüren bekommt. "Ich bin immer gerne auf Bauernhöfen, und ich arbeite gerne mit Tieren." Nun staunt sie, wie vielfältig die Arbeit auf dem Bauernhof der Familie Hahn ist. "Ich hätte nicht gedacht, dass hier so viel maschinell erledigt wird." Ein Melkroboter nimmt der Bauersfamilie einen Teil der Arbeit ab, "trotzdem gibt es noch sehr viel zu tun". Und zwar an sieben Tagen der Woche.

Die 18-jährige Rebecca Schmid aus dem Schwarzwald nimmt teil am Projekt "Land-Leben" der katholischen Landfrauenbewegung und arbeitet für 14 Tage auf dem Bauernhof der Familie Hahn in Bambergen, Reuteweg, mit.
Die 18-jährige Rebecca Schmid aus dem Schwarzwald nimmt teil am Projekt "Land-Leben" der katholischen Landfrauenbewegung und arbeitet für 14 Tage auf dem Bauernhof der Familie Hahn in Bambergen, Reuteweg, mit. | Bild: Hilser, Stefan

Verständnis für die Arbeit auf dem Bauernhof: Nach Beobachtung von Gerlinde Hahn wächst es in der Bevölkerung wieder, wie auch das Interesse am "grünen Beruf" wieder zunehme. Das Projekt Land-Leben sei nicht dafür gedacht, den eigenen Berufsstand zu sichern, sondern Öffentlichkeitsarbeit im weiteren Sinne zu betreiben.

Einen Steinwurf von Hahns entfernt liegt das Hofgut Rengoldshausen, ein Demeter-Betrieb, in dem Nachwuchskräfte in großer Zahl ausgebildet werden. Die mit vom Hofgut gegründete Freie Landbauschule Bodensee feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen.

Hofleiter Walter Sorms freut sich darüber, dass es für das Hofgut mehr Bewerber als Ausbildungsplätze gibt, darunter viele junge Leute, die selbst gar nicht in der Landwirtschaft aufgewachsen sind. Das liege am "Klang", den Rengoldshausen genießt, aber auch "am starken Glauben an die biologisch dynamische Landwirtschaft", der bei ihnen herrsche. Dieser innere Glaube an den eigenen Berufsstand, so seine Analyse, sei im konventionellen Landbau vielleicht nicht ganz so hoch. Gerlinde Hahn, die mit ihrer Familie im konventionellen Landbau tätig ist, trennt nicht zwischen bio und konventionell, sondern sieht vor allem die Betriebe gut für die Zukunft gerüstet, die "Zukunftsfähigkeit" auszustrahlen und sich Neuem öffnen.

Bekannt als oberschwäbischer Barde und Kaberettist, der auf alten Instrumenten spielt, die eigentlich längst den letzten Hauch ausgestoßen Haben: Barny Bitterwolf, Dozent bei der Schwäbischen Bauernschule in Bad Waldsee. Bild: Ravensbuch
Bekannt als oberschwäbischer Barde und Kaberettist, der auf alten Instrumenten spielt, die eigentlich längst den letzten Hauch ausgestoßen Haben: Barny Bitterwolf, Dozent bei der Schwäbischen Bauernschule in Bad Waldsee. Bild: Ravensbuch | Bild: Ravensbuch

Barny Bitterwolfs Plädoyer für den Bauernstand

Wir haben Barny Bitterwolf, Musiker und Macher in der Schwäbischen Bauernschule in Bad Waldsee, um seine Meinung im Werben um Nachwuchskräfte in der Landwirtschaft gebeten: "Bei uns im deutschen Südwesten herrscht Vollbeschäftigung. Fachkräfte sind in allen Branchen gesucht, auch in der Landwirtschaft. Traditionell erlernen häufig junge Menschen, die selber in einer landwirtschaftlichen Familie großgeworden sind, diesen tollen Beruf. Toll deswegen, weil er zukunftgerichtet ist, Platz lässt für kreative Ideen, unternehmerisches Denken erfordert und nicht zuletzt Raum für Innovationen bietet." Wie der Barde Bitterwolf erwähnt, sei es "ein nicht zu unterschätzender Vorteil, dass hier ein besonderes Familienleben gestaltet werden kann. Die eigenen Kinder haben Einblick in den beruflichen Alltag ihrer Eltern und nehmen Anteil am Wachsen und Gedeihen des Betriebs".

"Verlockend für viele ist die Selbständigkeit in der Landwirtschaft. Deswegen gibt es immer wieder Ausbildungsbewerbungen von Quereinsteigern, also Menschen, die einen anderen Beruf erlernt haben und dann auf die Landwirtschaft umschwenken." Bitterwolf: Motivation dafür sind sicher die Beschäftigung mit der Natur, die Liebe zur Kulturlandschaft und die Möglichkeit, sich nach einer grundständigen Ausbildung zu spezialisieren. Was kann es befriedigenderes geben, als sich mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen? Es hat sich auch rumgesprochen, dass ausgebildete Landwirte, zumal mit qualifiziertem Abschluss als Techniker oder Meister, auch Vorteile bei der Einstellung in der Industrie genießen."