Professor Bochert ist kein Politiker. „Ich will es auch nicht sein.“ Der Mann von der Hochschule in Heilbronn ist aber gerne Impulsgeber für die Politik – bevor er ihr den Rest überlässt. Auf Ralf Bochert geht die Diskussion um die Wiedereinführung der Altkennzeichen für Kraftfahrzeuge zurück. Was die Politik daraus machte, ist ihm relativ gleichgültig. Er kommentiert deshalb auch nicht, dass Überlingen es nicht schaffte, innerhalb des Bodenseekreises zurück zum Altkennzeichen ÜB zu kommen. Er analysiert den Fall nur – und stellt fest: „Es fehlte an Beispielen in der Nachbarschaft.“ Hätte es diese gegeben, so lautet seine Überzeugung, hätte auch Überlingen in einem Dominoeffekt sein ÜB zurück erhalten.

Dieses Kennzeichen mit der Ortskennung ÜB bleibt ein rares Sammlerstück. (Archivbild)
Dieses Kennzeichen mit der Ortskennung ÜB bleibt ein rares Sammlerstück. (Archivbild) | Bild: sk

Bundesweit wurden in den letzten drei Jahren rund 300 Retroschilder zugelassen. Das gab das Bundesverkehrsministerium bekannt. Doch gibt es drei weiße Flecken auf der Deutschlandkarte: Eine Region in Ostwestfalen, eine Region in Niederbayern (hier haben die Landräte laut Bochert ohne Rücksprache mit den Kreistagen entschieden) – und in Überlingen, beziehungsweise hier auf der ganzen Südschiene von TT über ÜB, STO (Stockach) nach DS (Donaueschingen). Hätte sich eines dieser Kennzeichen durchgesetzt, schätzt Bochert, hätte es als gutes Beispiel in die Nachbarschaft gewirkt und hätte auch dort Nachahmung gefunden.

Bochert war kürzlich in Überlingen unterwegs – mit dem Fahrrad. Sein Ziel ist es, alle Landkreise in der Bundesrepublik innerhalb von sieben Jahren mit dem Fahrrad zu erradeln. Als Professor für Tourismusmanagement ist ihm der Bodenseekreis natürlich ein Begriff – und er ist überzeugt, dass speziell den Überlingern das ÜB einen Werbeeffekt bei potenziellen Feriengästen gebracht hätte. „Den größeren Effekt“, sagt er, „gibt es aber nach innen.“ Die Altkennzeichen schafften in den Städten, die sie wieder einführten, eine neue Identität. Genau das war ja auch die Sorge im Kreistag, der ÜB und TT (für Tettnang) ablehnte: Die Sorge, dass alte Gräben aus den Zeiten vor der Kreisreform wieder aufgerissen werden könnten, dass Separationsbewegungen entstünden. Diesen Effekt gebe es in Wirklichkeit aber gar nicht, widerspricht Bochert. Vielmehr würde es als „nette Geste“ des real existierenden Neu-Kreises aufgefasst. Bochert: „Die Landkreise werden nicht gesprengt.“ Der Landkreistag habe das Thema zunächst gar nicht ernst genommen. Irgendwann sei die Stimmung aber gekippt. Mittlerweile seien die Altkennzeichen praktisch in der ganzen Republik wieder eingeführt worden. Das Potenzial liege bei fünf bis zehn Prozent, sagte Bochert bei seinem Besuch in der SÜDKURIER-Redaktion. Innerhalb von fünf Jahren gebe es etwa vier Millionen Autos bundesweit.

Ein interessanter Effekt, den er gar nicht auf dem Schirm gehabt habe, sei die Möglichkeit, sich jetzt leichter sein persönliches Wunschkennzeichen zu beschaffen. Denn mit den Schildern gibt es neue Zahlen- und Buchstabenkombinationen. ÜB-OB-2016 wäre noch frei.


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Der Kreistag sagte Nein

Im Dezember 2013 sagte der Kreistag des Bodenseekreises Nein zur Wiedereinführung von ÜB und TT. Die Mehrheit im Gremium war der Meinung, die Altkennzeichen könnten Probleme im badisch-württembergischen Kreis produzieren.

Überstimmte Befürworter aus Überlingen waren die FDP und die Linke. Auch Oberbürgermeisterin Sabine Becker hatte sich stark für ÜB gemacht.

Trotz der bundesweit fast flächendeckenden Einführung wurde das Thema im Landratsamt/Kreistag nicht wieder aufgegriffen. Pressesprecher Robert Schwarz: „Mit der Stadt Tettnang gab es nochmal einen Schriftwechsel dazu. Wir haben auf das Votum des Kreistags verwiesen.“ Es gebe keine Hinweise auf einen Sinneswandel. „Für uns ist der Beschluss des Kreistags maßgebend.“