Frikadelle, Bulette, Bratklops, Fleischpflanzerl oder Fleischküchle: Für den flachen, gebratenen Kloß aus Hackfleisch gibt es nicht nur die verschiedensten Namen, sondern auch die unterschiedlichsten Zubereitungsarten. Zunutze gemacht hat sich das Michael Reutlinger vom Anusch’s Pub. In der Musikkneipe zeichnete er vor kurzem den ersten Frikadellen-König aus.

„Es hat richtig Spaß gemacht, ich war erstaunt über die Anzahl von 16 Teilnehmern“, sagte er nach der Gaudi-Veranstaltung, die auch einen guten Zweck hatte: 320 Euro kamen an diesem Abend für die Aktion „Narr mit Herz“ zusammen. Reutlinger hatte sie im Jahr 2000 ins Leben gerufen. Bei der Aktion werden insbesondere zu Beginn und während der Fastnacht Bändel verkauft, deren Erlös hilfsbedürftigen Menschen, vor allem Kindern, zugutekommt.

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Geschmack, Aussehen und Konsistenz

Um was ging es beim Frikadellenwettbewerb? Jeder der 16 Teilnehmer – keinesfalls nur Stammgäste – musste mindestens acht selbst gemachte Fleischküchle mitbringen. Diese sollten einen Durchmesser von etwa sieben Zentimetern und eine Dicke von circa zwei Zentimetern haben. Ein qualifiziertes Juroren-Team aus Christian Fischer (Hotel-Restaurant Zur Rose) und Karl-Heinz Saum (Wirtshaus Zum Gundele) sowie Martin Kieninger (Altwieberich) bewertete die Frikadellen in drei Runden nach diversen Kriterien wie Geschmack, Konsistenz und Aussehen. Um Manipulationen auszuschließen, waren die Fleischküchle mit Länderfahnen versehen: Keiner der Teilnehmer wusste, welche Frikadellen seine eigenen Kreationen waren.

Um Manipulationen auszuschließen, waren die Fleischküchle mit Länderfahnen versehen.
Um Manipulationen auszuschließen, waren die Fleischküchle mit Länderfahnen versehen. | Bild: Kleinstück, Holger

Drei Bewertungsrunden

In der ersten Runde durften die Jurymitglieder die Fleischküchle nach Aussehen und Konsistenz mit vier bis 20 Punkten bewerten: Spanien, der spätere Zweite, setzte sich mit 18 Punkten an die Spitze, der spätere Sieger (Deutschland) tummelte sich zu diesem Zeitpunkt mit acht Punkten noch im Mittelfeld. Vier Teilnehmer schieden aus. Im zweiten Durchgang wurde der Geschmack der kalten Hackbällchen mit zwei bis zehn Punkten bewertet. Spanien blieb an die Spitze, Deutschland schob sich hinter die USA auf Platz drei. Vier weitere Länder schieden aus.

Dann folgte die finale Bewertungsrunde, bei der der Geschmack der warmen Frikadellen und die Konsistenz beurteilt wurden. Hier siegte Deutschland klar mit 20 Punkten und kam somit auf insgesamt 38 Punkte. Die gleiche Punktzahl erreichte zwar auch Spanien. Doch Reutlinger hatte im Regelwerk eine Klausel eingebaut, nach der bei einem Gleichstand die Runde davor zur Wertung herangezogen werden durfte.

Michael Reutlinger beim Eintragen der Ergebnisse.
Michael Reutlinger beim Eintragen der Ergebnisse. | Bild: Kleinstück, Holger

Deutschland gewinnt

Groß waren die Jubelschreie dann, als Reutlinger ab Platz acht aufwärts die Namen der Frikadellen-Köche verriet: Für Deutschland war Achim Friesenhagen angetreten, der mit Freude und zu seiner Überraschung den Pokal „Die Goldene Frikadelle 2018" entgegennahm. „Ich habe einfach drauf los gebraten. Wichtig ist, die Frikadellen in Butter und Butterschmalz zu braten“, sagte er und verriet, dass seine Frikadellen neben Hackfleisch auch Zwiebeln, eingeweichte alte Brötchen, Petersilie und Maggi enthalten.

Achim Friesenhagen erhielt für seinen Sieg den Pokal „Die Goldene Frikadelle 2018".
Achim Friesenhagen erhielt für seinen Sieg den Pokal „Die Goldene Frikadelle 2018". | Bild: Kleinstück, Holger

Der Zweitplatzierte, der nur knapp geschlagene Martin Lang (Spanien), durfte sich wie die anderen Nachplatzierten über einen Gutschein freuen.

Neuauflage könnte bald folgen

Wie kam Michael Reutlinger überhaupt darauf, so eine Veranstaltung zu organisieren? „Einige meiner Gäste haben immer mal wieder Frikadellen mitgebracht und jeder war der Meinung, dass er die besten macht“, erzählte er. Eine Neuauflage des Frikadellen-Wettbewerbs könnte es schon bald geben. Denn bereits einen Tag nach der Veranstaltung seien mehrere Teilnehmer auf Reutlinger zugekommen und hätten gesagt, dass ihr Ehrgeiz nun geweckt sei und sie sich verbessern wollen: "Bis auf den Sieger findet sich keiner mit seiner Platzierung ab“, erzählte Michael Reutlinger.

Übrigens: Mit im Rennen war auch eine vegane Frikadelle. Diese landete aber auf dem 16. und damit letzten Platz. Nicht unbedingt aufgrund ihres Geschmacks, sondern vielmehr wegen ihrer Konsistenz.