Von der Terrasse des Hotels Stadtgarten in der Bahnhofstraße aus lässt sich gut beobachten, wie zahlreiche Fußgänger an der Baustelle für das neue Kakteenhauses vorbeigehen und in Richtung Ufer laufen. Einige von ihnen tragen Badetaschen über den Schultern. Eigentlich ist der Zugang zur Uferpromenade gar nicht erlaubt – ein großes rundes Schild weist darauf hin. Aber der Zaun, an dem es angebracht ist, wurde unerlaubterweise beiseite gestellt, die Absperrung damit also zumindest in den Augen der Passanten aufgehoben.

„Ich muss jedem Recht geben, der dort durchläuft“, sagt Armin Hilzinger, Inhaber des Hotels Stadtgarten, während er zusieht, wie ein Pärchen den Bauzaun umrundet. Er verfolgt nun seit einer Weile das Geschehen, das sich auf der anderen Straßenseite vor seinem Grundstück abspielt. Am Pfingstdienstag sei der Bauplatz abgesperrt worden, anschließend wurde drei Tage lang gegraben. „Seither ward aber niemand mehr gesehen“, erzählt Hilzinger. Stattdessen stehe die Baustelle still.

Weil der Bauzaun zur Seite gestellt wurde, gehen die Gäste an der Baustelle vorbei
Weil der Bauzaun zur Seite gestellt wurde, gehen die Gäste an der Baustelle vorbei | Bild: Marinovic, Laura

Armin Hilzinger ärgert sich, dass seine Gäste und die Anwohner durch die Absperrung nicht mehr über den schmalen Weg neben dem Standort des neuen Kakteenhauses zum Ufer gelangen können. Er versteht nicht, warum neben dem eigentlichen Bauplatz auch der Zugangsweg zum See von einem Bauzaun umgrenzt wurde. Seine Gäste stören sich daran, dass sie nun einen Umweg über den Rosengarten nehmen müssen, um baden oder an der Promenade Spazieren gehen zu können, sagt er. „Wenn jetzt wenigstens gebaut werden würde, dann würde das ja auch jeder einsehen.“ Solange die Bauarbeiten ruhen, habe er allerdings kein Verständnis: „Ich finde das Ganze eine Frechheit. Es ist den Gästen gegenüber unfähr.“

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Doch auch über eine Wiederaufnahme der Bauarbeiten kann Armin Hilzinger sich nicht wirklich freuen. Dann kommt zum versperrten Uferzugang nämlich auch noch Lärm hinzu – ausgerechnet in der Hauptsaison, wenn die meisten Gäste in seinem Hotel unterkommen. „Beim Spatenstich Anfang März hatte ich mich noch gefreut, dass es jetzt losgeht“, erzählt Hilzinger. Damals hatte er die Hoffnung, die Bauarbeiten könnten abgeschlossen sein, bis der größte Zulauf an Gästen kommt: „Denn Spatenstich heißt für mich, es ist Baubeginn.“ Doch nichts da – „Die fangen immer pünktlich zu Saisonbeginn an“, ärgert sich der Hotelier. Das sei mit dem Therme-Parkhaus, das derzeit nur wenige Meter neben seinem Hotel entsteht, schon ähnlich gewesen. Durch den Bau des Kakteenhauses droht jetzt also eine Beschallung aus mehreren Richtungen.

Kein schöner Anblick: Gegenüber des Hotels Stadtgarten befindet sich die Baustelle für das neue Kakteenhaus
Kein schöner Anblick: Gegenüber des Hotels Stadtgarten befindet sich die Baustelle für das neue Kakteenhaus | Bild: Marinovic, Laura

Die Stadt Überlingen hält die Bauarbeiten in den Sommermonaten jedoch für notwendig – auch, wenn sie für den Hotelier eine Nervenprobe darstellen. „Der vertraglich vereinbarte Übergabetermin des Pflanzenhauses ist der 20. Dezember 2019“, teilt sie über ihre Pressestelle mit. „Es bleibt hier leider keinerlei Spielraum um auf Wünsche Dritter einzugehen.“ Da sowohl das Kakteenhaus als auch das Parkhaus rechtzeitig zur Landesgartenschau fertig werden müssen, sei es nötig, dass beide Baustellen zeitgleich laufen.

Dass die Baustelle vor Hilzingers Hotel derzeit ruhe, liege daran, dass „die beabsichtigten Fundamentierungsarbeiten nicht wie geplant ausgeführt werden konnten.“ Damit gebaut werden könne, seien aufgrund der vorgefundenen Bodengegebenheiten vorerst noch weitere Maßnahmen nötig. Die Baustelle sei jedoch erst seit etwa zwei Wochen nicht mehr in Betrieb, die Arbeiten sollen in Kürze wieder aufgenommen werden.

Auch für die Tatsache, dass überhaupt erst so spät mit den Bauarbeiten begonnen wurde, hat die Stadt eine Erklärung: „Der Auftragnehmer für das Pflanzenhaus konnte keinen regionalen Bauunternehmer für die Fundamente und die Nebenräumlichkeiten gewinnen.“ Eigentlich sei der Baubeginn auf März angesetzt gewesen.

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Zumindest ein Trostpflaster gibt es für Armin Hilzinger. Wie die Stadt mitteilt, dürfen Fußgänger auf dem Weg neben der Baustelle zum Ufer laufen, während dort nicht gearbeitet wird – und das völlig legal, nicht nur, weil die Absperrung aus Protest entfernt wurde. Sobald die Bauarbeiten wieder beginnen, müssen Anwohner und Gäste jedoch einen Umweg nehmen: „Der Platz wird dann für die Baustelleneinrichtung und Baustellenlogistik benötigt, da das verbleibende Grundstück hierfür zu klein ist und die Behinderungen auf der Bahnhofstraße ohnehin schon erheblich sind“, so die Stadt.