Überlingen – "Wie kommt sich Kuhscheiss aufs Dach? Hat sich Kuh auf Schwanz geschissen, hat sich Scheiss aufs Dach geschmissen." Rudolf Stöcklin kann zwar über diesen Kinderreim noch lachen, über den Hundekot auf seinem Garagendach lacht er dagegen nicht. Die so verstopfte Regenrinne sei ein echtes Ärgernis und eine Riesensauererei, sagt Stöcklin. Besonders dreiste Hundebesitzer schrecken offenbar nicht davor zurück, die Beutel mit dem Hundekot auf sein Dach zu werfen.

Der pensionierte Gärtner bewohnt mit seiner Lebensgefährtin das letzte Haus der Schreibersbildstraße an der gleichnamigen Kapelle. Immer wieder findet das Paar die nicht verrottbaren Hundekottüten in ihrem wunderschön angelegtem Garten, in oder auf der Ligusterhecke oder auf dem Komposthaufen. "Sie können sich vorstellen, wie eklig das Grasmähen an der Hecke für mich ist", erklärt Stöcklin.

Auf die Hundebesitzer habe er es aber eigentlich gar nicht abgesehen und schon gar nicht auf die Hunde, erklärt Rudolf Stöcklin, der sich selbst als sehr tierlieb bezeichnet. Ortskundige nutzten das Auslaufgebiet am Eglisbohl gern. Zu bestimmten Zeiten, gerade am Vormittag, sei hier richtig viel los, beobachtet Stöcklin. "Wenn man vom Stadtgarten her kommt, gibt es den ganzen Weg zu uns rauf keine Möglichkeit, den Kot zu entsorgen. Vermutlich ist der Frust darüber dann der Grund, die Hinterlassenschaft des Vierbeiners bei uns zu entsorgen. Auch in der Schreibersbildstraße Richtung stadteinwärts kommt kein Abfallbehälter", erklärt Stöcklin.

Vor ein paar Tagen, direkt nach Ostern, hat die Stadt nun am Eglisbohl eine Hundetoilette aufgestellt. Sie befindet sich an der Durchfahrtverbotstafel am Aufgang zum Eglisbohl, von der Schreibersbildkapelle aus kommend. Laut Angaben der Stadtverwaltung sei diese Station bereits 2016 geplant gewesen, musste aber erst beschafft werden. Rudolf Stöcklin: "Da habe ich mir verwundert die Augen gerieben, die stand vor Ostern noch nicht da. Endlich hat man entsprechend reagiert. Nun hoffe ich doch sehr, dass die angenommen wird." Die Stadt könne seiner Meinung nach auch im Bereich des Stadtgartens noch mehr tun.

Für Rudolf Stöcklin ist klar: Das Fehlen von entsprechenden Hundetoiletten, also Kottüten plus Entsorgungsbehälter, führe dazu, dass Hundebesitzer nicht lange mit den Tütchen in der Hand herumlaufen wollen und sich dieser dann zum Beispiel in Privatgärten entledigten. "Wer möchte das denn im eigenen Garten vorfinden?", fragt Stöcklin verärgert.

Die Ausweitung von Hundetoiletten habe eindeutig Grenzen, die im finanziellen und personellen Aufwand begründet werden. Es könnten damit auch nicht alle Einzelinteressen befriedigt werden, erklärt dazu die Stadtverwaltung, Abteilung Grünflächen, Umwelt und Forst, auf Anfrage. Es müsse hier vielmehr auch an die Eigenverantwortung der Hundebesitzer appelliert werden.

Hundetoiletten

Das Aufstellen der Hundetoiletten im Stadtgebiet Überlingens basiert nach Informationen der Stadtverwaltung auf einer freiwilligen Leistung. Es gibt kein Konzept oder konkrete Vorgaben irgendwelcher Art, vielmehr eine über die Jahre gewachsene Struktur. Aktuell gibt es etwa 70 Hundetoiletten. Die erste Station wurde seinerzeit zwischen Rengoldshausen und der Siechenkapelle aufgestellt, um dort die Verunreinigung der Felder zu reduzieren. Danach wurden an der Promenade Tütchenbehälter aufgestellt, anfänglich ohne Abfallbehälter. Mittlerweile werden nur noch komplette Stationen verwendet. Pro Jahr kommen etwa zehn Stationen dazu. Die Stadt Überlingen nimmt nach eigenen Angaben knapp 90 000 Euro jährlich an Hundesteuer ein.