Etwa ein Jahr ist es her, als Thomas Lailach für seine beiden Kinos in Überlingen die Dezemberhilfe beantragte. Das Geld sollte Selbstständigen, wie den Kinobetreibern, über die Monate des Lockdowns helfen – so versprachen es Bund und Länder. Bis heute hat Lailach keinen Cent der Dezemberhilfe gesehen. „Wir warten immer noch auf das Geld. Es gibt keinerlei Informationen, wann die Hilfen ausbezahlt werden“, berichtet der Kinobetreiber.

2G Plus in Kinos gilt seit etwa zwei Wochen

Und auch die Situation in seinen Kinos hat sich seit dem vergangenen Winter nicht verbessert, sondern erheblich verschlechtert. „Es ist aktuell eine Katastrophe“, sagt Lailach deutlich. Seit etwa zwei Wochen gilt für den Besuch im Kino die 2G-Plus-Regel. Davon ausgenommen sind mittlerweile, wie auch in der Gastronomie, Geboosterte sowie Geimpfte und Genesene. Letztere beiden Gruppen müssen nachweisen, dass die Impfung beziehungsweise Infektion nicht länger als sechs Monate vergangen ist.

Lavinia und Thomas Lailach betreiben gemeinsam die beiden Überlinger Kinos „Cinegreth“ und „Kammer Tivoli“. Außerdem haben sie während der Corona-Pandemie das Rathauscafé übernommen.
Lavinia und Thomas Lailach betreiben gemeinsam die beiden Überlinger Kinos „Cinegreth“ und „Kammer Tivoli“. Außerdem haben sie während der Corona-Pandemie das Rathauscafé übernommen. | Bild: Mona Lippisch

Doch auch mit dieser Lockerung bleiben dem Überlinger Kinobetreiber die Gäste weg. „Mit der Regel setzt die Politik einen Lockdown durch die Hintertüre um. Nur dass der Staat dafür eben nichts zahlen muss“, so die Meinung von Thomas Lailach. Ohne finanzielle Rücklagen hätte er die Kinos „schon lange“ schließen müssen. Und der Überlinger weiß: Auch diese Ersparnisse sind irgendwann aufgebraucht.

„Wenn die Situation im nächsten Winter dieselbe ist, dann werden wir darüber nachdenken, die Kinos dauerhaft zu schließen“, sagt Lailach. Diese Entscheidung würde dem Kinobetreiber im Zweifel nicht leicht fallen. „Ich bin mit dem Kino aufgewachsen, es war immer in der Familie. Und da hängt mein Herz natürlich dran“, sagt er.

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Kino Kammer Tivoli aktuell geschlossen

Doch das Kinogeschäft laufe momentan einfach nicht. Schon seit einiger Zeit ist das Kino „Kammer Tivoli“ coronabedingt außer Betrieb, die „Cinegreth“ ist seit dieser Woche nur noch freitags bis sonntags geöffnet. „Aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet ist es keine rote Nummer, sondern eine Nullnummer, die da gerade läuft“, macht Lailach deutlich.

Blick auf das Gebäude, in dem sich das Kino „Cinegreth“ befindet. Im Sommer war Betreiber Thomas Lailach noch halbwegs zufrieden mit den Besucherzahlen. Doch seit Einführung der 2G+-Regel kommen nur noch wenige Gäste ins Kino.
Blick auf das Gebäude, in dem sich das Kino „Cinegreth“ befindet. Im Sommer war Betreiber Thomas Lailach noch halbwegs zufrieden mit den Besucherzahlen. Doch seit Einführung der 2G+-Regel kommen nur noch wenige Gäste ins Kino. | Bild: Mona Lippisch

Normalerweise sei der Dezember der umsatzstärkste Monat in den Kinos. Schon das zweite Jahr in Folge ist im letzten Monat des Jahres nun Flaute angesagt: „Wir machen etwa 90 Prozent weniger Umsatz als vor Corona.“ Vergangenen Freitag seien nur insgesamt 16 Besucher ins Kino gekommen. „Theoretisch wäre es für uns natürlich eine Option, komplett zu schließen“, sagt Lailach ehrlich. „Aber wir wollen das einfach nicht. Sonst findet das Kino als solches überhaupt nicht mehr in den Köpfen der Menschen statt.“

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Neuer James Bond bringt nur kurzfristig Einnahmen

Noch im Sommer hatte Thomas Lailach darauf gehofft, dass der neue James Bond „Keine Zeit zu sterben“ die Kinosäle wieder füllen würde. „Wenn es nicht Bond schafft, wer schafft es dann?“, fragte er im August. Heute kann Lailach sagen, dass der Film zwar wie erwartet Menschen ins Kino lockte, das aber nicht gereicht hat, um die finanzielle Reserve zu füllen. „Es lief ganz okay, aber auch nicht so gut, wie es sonst bei einem James Bond der Fall ist“, berichtet er.

Auch von dem jüngst angelaufenen Film „House of Gucci“ würde sich Lailach in normalen Zeiten ein gutes Geschäft erhoffen. Doch die Gäste bleiben bislang fern. „Vereinzelt kommen Jugendliche oder auch Menschen, die uns unterstützen möchten, ins Kino. Mehr sind das momentan nicht“, sagt er.

Auf Dauer sei das kein Zustand. Umso mehr wünscht sich Thomas Lailach, dass die Politik in der Corona-Zeit Maßnahmen ergreift, um Selbstständige zu unterstützen. Er betont: „Ich möchte mit einem Lockdown durch die Hintertüre nicht verarscht werden.“