Mit dem geplanten Uferpark sollen vor allem neue Zugänge zum See geschaffen werden, wo bislang eine Straße verläuft. Die Landesgartenschau in Überlingen startet am 23. April 2020. Die Bürgerinitiative BÜB für den Erhalt der Bäume war zuvor mit ihrem Anliegen vor Gericht als auch vor dem Petitionsausschuss des Landtags gescheitert und stellt ihre rechtlichen Bemühungen auch aus finanziellen Gründen ein, wie sie am Freitag auf ihrer Homepage mitteilte.

Kristin Müller-Hausser, Sprecherin der BÜB, sagte, dass sie "mit Tränen in den Augen" die Baumfällung verfolge. Sie tat dies aus sicherem Abstand, vom Aussichtsplatz am Ende der Goldbacher Straße. "Dieser Rosenmontag ist ein Schwarzer Montag für Überlingen", sagte sie. Es gebe "viele viele Bürger, die sehr traurig darüber sind, dass sich die Stadt nicht einsichtig zeigte, dass sie nicht mit uns sprach, und dass nicht doch noch etwas stehen geblieben ist".


Bei der Fällung der Bäume zeigte sich bei mehreren Exemplaren, dass sie im Inneren verfault waren. Viele wiesen einen kerngesunden Stumpf auf. Die Vitalität war in den Augen der BÜB kein Grund, die Bäume "abzuhacken", wie Müller-Hauser sagte. Eine von der BÜB in Auftrag gegebene Expertise habe dies bestätigt. Sie sei auch dafür, Neues zu schaffen. "Das kann aber nicht so rigoros stattfinden, das muss man behutsam machen, alt und neu integrieren". Den Stadteingang West mit seiner Platanenallee bezeichnete sie als "historisch" und zur "Garten- und Kurstadt gehörend". Müller-Hauser: "Ich finde es schade, dass alle, die das jetzt bestimmen konnten, nicht aus Überlingen sind und mit der Geschichte dieser Stadt in keinster Weise verbunden sind." Gleichwohl akzeptiere die BÜB die Entscheidungen, "nun liegt die Verantwortung bei der Stadt".

Rolf Briddigkeit, ein weiterer Sprecher der BÜB, sagte: "Ich bin Fastnachter, heute habe ich das Gefühl von einem vorgezogenen Aschermitttwoch. Die Hänsele schwingen in Überlingen am Rosenmontag die Karbatsche, andere schwingen heute ihre Kettensäge. Das ist so eine Diskrepanz, die tut mir weh."

Was die Kommunikation mit den Bürgern betrifft, sagte Martin Richter, Geschäftsführer der LGS GmbH, dass er es für schwierig halte, über so einen lange Zeitraum hinweg, von der Bewerbung bis zur Realisierung einer Landesgartenschau, immer "die Spannung hochzuhalten und immer zu jeder Zeit das richtige zu sagen". Er erinnere sich daran, dass Überlingen für die Art der Bürgerbeteiligung auch schon gelobt wurde. Bereits 2009 sei bei einer Besichtigung des Geländes, an dem Planer, Stadt, Wettbewerbskommission (mit Landschaftsarchitekt Johann Senner) und Ministeriumsvertreter teilgenommen hätten, "klar gewesen, dass hier eine Veränderung stattfindet, so wie sie heute auch realisiert wird, mit Entfernung der Mauer und Fällung der Bäume".

 


So geht es weiter: Nach den Fällarbeiten wird im Laufe des Jahres das Gelände endgültig auf Weltkriegsmunition untersucht und wird die Bahnhofstraße an die Bahngleise verlegt. Zu den Schritten "für die nächsten ein bis zwei Jahre", so Martin Richter, falle dann auch die Abgrabung des Geländes, sprich, Beseitigung der Ufermauer. Die gefällten Platanen gingen in das Eigentum der beauftragten Baumfällfirma über, sechs Stämme behalte die Stadt. "Was damit geschieht, ist noch unklar."