Auf dem Überlinger Wochen- und Bauernmarkt bekam am Samstag jeder Über-18-Jährige die Möglichkeit, sich spontan gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Am Ende der Aktion waren es 31 Erwachsene, die sich mit dem Impfstoff Janssen der Pharmafirma Johnson & Johnson impfen ließen. Organisiert wurde die Aktion durch den Bodenseekreis im Rahmen der landesweiten Impfkampagne „#dranbleibenBW“.

Von 8 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags konnten sich die Bürger über die Impfmöglichkeit informieren. Bei einer Entscheidung, sich spontan impfen zu lassen, wurden sie zusätzlich über die Impfung und ihre möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt.

Nicht mehr täglich im Landkreis unterwegs

Am Infostand in der Münsterstraße auf Höhe der Hofstatt standen Marc Bittel von der Johanniter Unfallhilfe und Reinhardt Weinmann, Arzt im Ruhestand, für erste Fragen bereit. Seit Februar läuft die mobile Impfkampagne. Bis Ende Juni war der Bus der Johanniter mit den nötigen Utensilien für die Impfkampagne täglich im Einsatz. „An allen sieben Tagen der Woche waren wir unterwegs“, sagte Bittel, der diesmal als Fahrer fungierte. Seit Anfang Juli seien die beiden mobilen Impfteams nicht mehr täglich im Kreis unterwegs.

Marc Bittel (links) und Reinhardt Weinmann (Arzt im Ruhestand) stehen für die erste Beratung auf der Straße bereit. Die eigentliche Impfung fand im Büro des Bürgerservice im Rathaus statt.
Marc Bittel (links) und Reinhardt Weinmann (Arzt im Ruhestand) stehen für die erste Beratung auf der Straße bereit. Die eigentliche Impfung fand im Büro des Bürgerservice im Rathaus statt. | Bild: Mardiros Tavit

Der Landkreis hatte zwei mobile Impfteams als Ergänzung zu ihrem zentralen, auf dem Friedrichshafener Messegelände eingerichteten, Kreisimpfzentrum (KIZ) aufgebaut. War der Fokus der mobilen Teams anfänglich auf Alten- und Pflegeheime ausgerichtet, so wird aktuell das niederschwellige Angebot zur Impfung auf Marktplätzen und in Einkaufsstraßen gemacht.

Im Impfzimmer wurde über die Impfung aufgeklärt und gespritzt (von links): Simone Thelemann (Medizinische Fachangestellte), Egon Detzel (Allgemeinarzt im Ruhestand) und eine Administratorin.
Im Impfzimmer wurde über die Impfung aufgeklärt und gespritzt (von links): Simone Thelemann (Medizinische Fachangestellte), Egon Detzel (Allgemeinarzt im Ruhestand) und eine Administratorin. | Bild: Mardiros Tavit

„Am Vortag waren wir in Friedrichshafen“, erzählte Egon Detzel. Der Salemer Allgemeinmediziner in Ruhestand ist nach eigenen Angaben „im Schnitt einmal die Woche mit dem Team unterwegs“. „Der Zuspruch in Friedrichshafen auf dem Markt war nicht so groß wie heute hier in Überlingen“, ergänzte er. Als Arzt war er für die Aufklärung der Impflinge verantwortlich. Ihn unterstützten die Medizinische Fachangestellte Simone Thelemann, die den Impfstoff spritzte, und eine Administratorin, die für die Datenerfassung zuständig war.

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Impfgegner gehen Ehrenamtliche an

Die Helfer vor Ort sind ehrenamtlich tätig. Umso frustrierender sind für sie die Augenblicke, in denen Impfgegner nicht für wissenschaftliche Fakten offen sind. „Die Impfgegner sind mit nichts zu überzeugen“, ist das Fazit von Reinhardt Weinmann. Dem Arzt wurde öfters „der Tod tausender Geimpfter“ vorgeworfen. Ausgesprochen wurde zudem der Vorwurf, dass das mobile Team „verantwortungslos“ handle. Ob sie „schon Geimpfte mit Nebenwirkungen“ gesehen hätten, wurde der Arzt immer wieder gefragt. Seine Antwort sei immer dieselbe: „Nein, haben Sie welche gesehen?“

Reinhardt Weinmann, Chirurg, Orthopäde und Unfallchirurg im Ruhestand: „Die Impfgegner sind mit nichts zu überzeugen.“
Reinhardt Weinmann, Chirurg, Orthopäde und Unfallchirurg im Ruhestand: „Die Impfgegner sind mit nichts zu überzeugen.“ | Bild: Mardiros Tavit

Mit dreien solcher Impfgegner hätten sie in Überlingen zu tun gehabt. Marc Bittel von den Johannitern ist von solchen Menschen genervt. „Ich opfere meine Freizeit am Wochenende für diese Aktion. Ich hätte die Zeit bei meiner Familie verbringen können“, sagte er. Er wünscht sich, dass die Impfgegner sie einfach in Ruhe lassen. Doch lange währte seine schlechte Stimmung nicht an. „Viel mehr Menschen kommen und bedanken sich für unseren Einsatz. Und erzählen wie gut sie solche Aktionen finden.“

Marc Bittel, Fahrer von der Johanniter Unfallhilfe, als Helfer der mobilen Impfaktion: „Ich opfere meine Freizeit am Wochenende für diese Aktion.“
Marc Bittel, Fahrer von der Johanniter Unfallhilfe, als Helfer der mobilen Impfaktion: „Ich opfere meine Freizeit am Wochenende für diese Aktion.“ | Bild: Mardiros Tavit

Viele Impfwillige könnten die regulären Angebote nicht nutzen. Einen Termin zu bekommen, sei bis vor Kurzem sehr schwer gewesen. Einige könnten sich nicht frei nehmen, um ins Impfzentrum oder zum Arzt zu gehen, berichtete Bittel. In Überlingen konnten sich die Interessierten nun neben dem Marktbesuch quasi im Vorbeigehen impfen lassen.

Ehsan Atai (links) und Hayatullah Bakshi waren froh, dass sie sich spontan impfen lassen konnten.
Ehsan Atai (links) und Hayatullah Bakshi waren froh, dass sie sich spontan impfen lassen konnten. | Bild: Mardiros Tavit

Unter den 31 Impflingen waren auch Ehsan Atai und sein Freund Hayatullah Bakshi. Die beiden jungen Männer kamen vor fünf Jahren aus Afghanistan nach Überlingen. Sie arbeiten in der Gastronomie. Beide mussten nicht erst überzeugt werden, sich impfen zu lassen. Gleichlautend die Antwort der beiden auf die Frage, warum sie sich haben impfen lassen. „Weil ich mich und andere schützen will.“ Und die Möglichkeit in Überlingen, ohne extra Anfahrt, sofort an die Reihe zu kommen, sei zudem sehr bequem gewesen. Sogar Touristen freuten sich über die Bequemlichkeit, sich vor Ort impfen lassen zu können.

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