Eine Geschädigte, den Vorwurf der sexuellen Nötigung und viel Hörensagen gab es im Amtsgericht Überlingen. Einem heute 30-jährigen und in Überlingen wohnhaften Mann wurde vorgeworfen, am frühen Muttertagsmorgen 2018 einer 33-Jährigen in den Schritt gegriffen zu haben. Für Richter Alexander von Kennel kein einfacher Fall, denn es gab keine Augenzeugen für die Tat. Am Ende glaubte der Richter der Zeugin und verurteilte den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten.

Fünf Zeugen hatte das Gericht geladen. Nur die Geschädigte selbst konnte direkt von dem Vorfall berichten. Sie sei von der Geburtstagsfeier einer Freundin gekommen und wollte noch mit ihren Hunden Gassi gehen. Als sie gegen 3.30 Uhr wieder vor der Haustür stand, sei der Angeklagte plötzlich hinter ihr gestanden und habe mit in ihre Wohnung wollen.

„Er hat mir ein paar obszöne Sachen gesagt“, schilderte die Zeugin. Sie habe ihn weggeschickt und er sei dann auch gegangen. Weil sie die Eingangstür nicht aufbekommen habe, sei sie um das Gebäude zu einem Kellereingang gegangen. „Da war er wieder da und hat mich festgehalten.“ Von hinten habe er den Arm um sie gelegt und ihr fest in den Schritt gegriffen. Sie habe ihn aufgefordert, sich „zu verpissen“, was er dann getan habe.

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In der Wohnung habe sie dann ihre Freundin angerufen. Diese sagte aus, sie sei nach dem Anruf in ein Taxi gestiegen und zur Geschädigten gefahren. Dort habe sie dann bei der Polizei angerufen. Sie berichtete dem Gericht zudem, wie sich ihre Freundin seit der Tat verändert hat: „Sie war davor ein sehr offener Mensch.“ Sie sei misstrauischer gegenüber anderen geworden. Ein weiterer Zeuge – ein 39 Jahre alter Kriminaloberkommissar – beschrieb die Vernehmung der Geschädigten. Sie sei mit ihrem damaligen Lebenspartner am Folgetag auf die Dienststelle gekommen und habe der Vorfall geschildert. „Ich habe keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit“, so der Polizist. „So wie sie es geschildert hat, hat sie es wahrgenommen.“ Ob es sich tatsächlich so abgespielt hat, könne er jedoch nicht sagen.

Der Angeklagte selbst bestritt die Tat. Er habe die Geschädigte, die er flüchtig kenne, an diesem Abend beim vorbeigehen begrüßt. Mehr sei nicht gewesen. Kurz nach 2 Uhr sei er daheim gewesen, was zwei Mitbewohner und Arbeitskollegen auch bestätigten. Beide sagten aus, dass der Angeklagte ihres Wissens danach nicht erneut aus dem Haus gegangen sei.

Richter Alexander von Kennel glaubte der Geschädigten und sprach den Angeklagten der sexuellen Nötigung schuldig. „Sie hat überhaupt keinen Grund, dem Angeklagten eine reinzuwürgen“, sagte der Richter. Er verhängte eine Haftstrafe von zehn Monaten, die er auf Bewährung aussetzte. Damit blieb er unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die ein Jahr Haft auf Bewährung gefordert hatte. Der Anwalt hatte einen Freispruch aufgrund von begründeten Zweifeln gefordert.