„Meer in Sicht“: Das hieß es nach einer dreimonatigen und etwa 2500 Kilometer langen Donautour für Christoph Beer aus Owingen und Juri Kuhn aus Überlingen. Mit ihrer „Ida“, einer zum Motorboot umgebauten Jolle, haben sie sogar etwas schneller als gedacht das Ziel Schwarzes Meer erreicht.

Mit dem selbst umgebauten Boot Ida legten die Bootsbuben 2500 Kilometer auf der Donau zurück.
Mit dem selbst umgebauten Boot Ida legten die Bootsbuben 2500 Kilometer auf der Donau zurück. | Bild: Bootsbuben

Die Bootsbuben starteten am 20. Juni in Kelheim bei Regensburg. Dort beginnt die Donauschifffahrt. Am 14. September erreichten die beiden ihr Ziel: das Donaudelta ins Schwarze Meer in Rumänien. Es ist das zweitgrößte Delta Europas, gilt als Biosphärenreservat und steht unter Naturschutz. Christoph Beer und Juri Kuhn haben auf der Donau etwa 2500 Kilometer zurückgelegt. Damit waren sie sogar etwas schneller als ursprünglich geplant. Die Bootsbuben durchquerten acht Länder.

Es ist vollbracht: Juri Kuhn (links) und Christoph Beer am Schwarzen Meer.
Es ist vollbracht: Juri Kuhn (links) und Christoph Beer am Schwarzen Meer. | Bild: Bootsbuben

Die beiden 20-Jährigen kennen sich bereits seit der Kindergartenzeit und absolvierten vergangenes Jahr das Abitur an der Waldorfschule in Überlingen. Vor allem vom zweitgrößten Flussdelta Europas, das als Biosphärenreservat unter Naturschutz steht, schwärmen die beiden.

Juri Kuhn genießt bei einem Landgang den atemberaubenden Blick auf die Donau.
Juri Kuhn genießt bei einem Landgang den atemberaubenden Blick auf die Donau. | Bild: Bootsbuben

„Es ist eine so traumhafte Natur mit einer unglaublichen Vielzahl von Vogelarten“, erzählt Juri Kuhn. „Vor allem die riesigen Pelikan-Kolonien sind absolut beeindruckend.“

Immer wieder erlebten die Bootsbuben traumhafte Sonnenuntergänge.
Immer wieder erlebten die Bootsbuben traumhafte Sonnenuntergänge. | Bild: Bootsbuben

Es sei so, wie sie es vom Fernsehen her kennen. Das Duo hat nach der Ankunft extra noch eine Kanutour durch das Delta absolviert, um alles hautnah zu erleben.

Juri Kuhn im Kajak: So haben die Bootsbuben zum Abschluss der Tour das Naturschutzgebiet Donaudelta zum Schwarzen Meer erkundet.
Juri Kuhn im Kajak: So haben die Bootsbuben zum Abschluss der Tour das Naturschutzgebiet Donaudelta zum Schwarzen Meer erkundet. | Bild: Bootsbuben

Bis es aber so weit war, mussten sie erst einmal die eine oder andere Hürde nehmen. Vor allem insgesamt 18 Schleusen.

In den Schleusen wurde es manchmal richtig ungemütlich.
In den Schleusen wurde es manchmal richtig ungemütlich. | Bild: Bootsbuben

Die ersten 15 waren kein großes Problem. Dann aber kam die Schleuse Gabcíkovo in der Slowakei. „Sie ist zum einen riesengroß und zum anderen sehr anfällig auf Wind“, erklärt Christoph Beer. „Dann gibt es hohe Wellen und es wird richtig ungemütlich.“

Sie wurden sogar immer wieder davor gewarnt. Und die beiden bekamen das volle Programm: sowohl Wind als auch ein anderes großes Boot, das mit dem Motor zusätzliche Wellen produzierte. „Es ging Gott sei Dank alles gut“, so Juri Kuhn.

Auf dem Weg trafen sie immer wieder auf Einheimische. In den Regionen zuvor seien sie immer wieder vor ihnen gewarnt worden. „Wir können dies keinesfalls bestätigen“, betont Christoph Beer. „Wir haben viele sehr freundliche Menschen kennengelernt.“ Die Treffen seien jedes Mal sehr offen und herzlich gewesen. „Vor allem die Gelassenheit in Rumänien hat uns schon beeindruckt“, sagt Juri Kuhn.

Juri Kuhn aus Überlingen bei einem der Landgänge in nahezu unberührter Natur. Im Hintergrund ist die Donau zu erkennen.
Juri Kuhn aus Überlingen bei einem der Landgänge in nahezu unberührter Natur. Im Hintergrund ist die Donau zu erkennen. | Bild: Bootsbuben

Dort konnte es auch passieren, dass sie bei einem Spaziergang durch eine Stadt plötzlich auf eine Kuh trafen oder eine andere auf dem Friedhof zwischen den Gräbern beim Grasen sahen. Auch Wildpferde beobachteten die beiden regelmäßig. Wölfe bekamen sie zwar nicht zu Gesicht. „Wir haben aber abends häufig welche gehört“, erzählt Christoph Beer. „Teilweise sogar richtig nah.“

Juri Kuhn beim Grillen. Vor allem in den letzten beiden Wochen kam das öfter vor, weil das Campinggas ausging.
Juri Kuhn beim Grillen. Vor allem in den letzten beiden Wochen kam das öfter vor, weil das Campinggas ausging. | Bild: Bootsbuben

Ihre „Ida“, die sie drei Monate lang nicht im Stich gelassen hat, haben sie mittlerweile schweren Herzens verkauft.

Juri Kuhn beim Baden, während die „Ida“ in der Donau ankerte.
Juri Kuhn beim Baden, während die „Ida“ in der Donau ankerte. | Bild: Bootsbuben

Es gibt aber auch etwas Positives daran: Dadurch konnten die beiden einen unerwarteten Abschluss genießen. Sie segelten mit einem Deutschen, den sie vor Ort kennengelernt haben, bis nach Istanbul. Damit ging für die Bootsbuben ein kleiner Traum in Erfüllung, denn sie hoffen, einmal selbst ein Segelboot zu besitzen.

Alltag auf der Donau: Christoph Beer auf der „Ida“.
Alltag auf der Donau: Christoph Beer auf der „Ida“. | Bild: Bootsbuben

„Wir haben die Probe bestanden“: Die Bootsbuben im Interview über ihre Donautour und wie es war, fast drei Monate auf etwa acht Quadratmetern zusammenzuleben

Herr Beer, Herr Kuhn, herzlichen Glückwunsch, dass Sie Ihr Ziel erreicht haben. Wie war es?

Christoph Beer: Es war tatsächlich ein unbeschreibliches Gefühl, nach knapp drei Monaten am Schwarzen Meer anzukommen. Wir sind auf einem verhältnismäßig kleinen Fluss in Deutschland gestartet, der mit der Zeit immer größer wurde. Wahnsinn.

Juri Kuhn: Und wir sind tatsächlich ohne größeren Zwischenfälle durchgekommen. Das war am Start nicht klar, vor allem auch was Corona und die Regelungen in den verschiedenen Ländern angeht.

War es vom Boot aus zu sehen, dass wir momentan in einer schwierigen Zeit leben?

Juri Kuhn: Vom Boot selber aus weniger, aber wir waren ja auch an Land. Vor allem in den Hauptstädten war das klar spürbar und durch die Mundschutze auch sichtbar.

Was war denn die größte Herausforderung auf den etwa 2500 Kilometern?

Christoph Beer: Rückblickend betrachtet sicherlich die teilweise richtig große Hitze. Je weiter wir waren, umso schwieriger war es, Lebensmittel und Frischwasser zu bekommen. Es gab Abschnitte, da kam 200 Kilometer lang gar nichts. Und dann die letzten beiden Wochen.

Warum?

Christoph Beer: Uns ist das Campinggas ausgegangen. Deshalb konnten wir nichts mehr kochen. Manchmal haben wir ein Feuer am Strand gemacht, wenn es ging. Ansonsten gab es sehr viel trockene Brötchen (lacht). Das hat teilweise auch ein bisschen auf die Stimmung geschlagen.

Apropos Stimmung: Sie haben nun knapp drei Monate auf acht Quadratmetern zusammengelebt. Wie war das?

Juri Kuhn: Das hat unsere Freundschaft auf eine ganz neue Probe gestellt.

Christoph Beer: Und wir haben sie bestanden.

Juri Kuhn: Die Moral hat definitiv gepasst. Der Platz hat gereicht. Wir mussten lernen, nahezu jede Entscheidung gemeinsam zu treffen, wobei jeder von uns auch immer mal seine Auszeit genommen hat. Das Nonplusultra ist einfach: Man muss absolut offen und vor allem ehrlich zueinander sein.

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