Die Idee ist eigentlich ganz einfach: Die "Upcycling Community" ist ein Marktplatz, auf dem Restmaterialien an Menschen vermittelt werden, die daraus neue Produkte schaffen und vermeintlichem Abfall so ein neues Leben schenken. Beispiele gibt es an diesem Abend bereits zu sehen. So fertigt Nicole Dodek witzige Taschen aus alten Langspielplatten. "Ich finde es einfach schön, wenn die LPs nicht weggeworfen werden, sondern eine zweite Chance bekommen", so Dodek. Ausgesprochen schön sind die Taschenbegleiter von Roterfaden. Die Kalender-, Tablet- und Smartphone-Hüllen sind mit alten Vaude-Zeltstoffen gefüttert.

Treffpunkt für Kreative und Bastler bei Vaude in Obereisenbach: Beim Upcycling-Event wurde die "Upcycling Community" vorgestellt, eine Plattform, über die ausgemusterte Materialien einem neuen Zweck zugeführt werden.
Treffpunkt für Kreative und Bastler bei Vaude in Obereisenbach: Beim Upcycling-Event wurde die "Upcycling Community" vorgestellt, eine Plattform, über die ausgemusterte Materialien einem neuen Zweck zugeführt werden. | Bild: Claudia Wörner

Gäste decken sich mit Reststoffen ein

An sogenannten Do-it-yourself-Inseln konnten sich die Gäste mit bunten Reststoffen für ihre kreativen Projekte eindecken: Zelthüllen, Stoffreste, Kletterseile, Dosen, Kaffeesäcke, ausgemusterte Werbebanner und vieles mehr gab es zu entdecken. Dazu wurde vielfach gleich noch eine Gebrauchsanleitung geliefert: ein Herzobjekt aus einem alten Buch, eine Fußmatte aus einem geflochtenen Kletterseil, ein Windlicht aus Konservendosen oder Etageren aus alten Tassen und Tellern. Susanne Ratzmann aus Meckenbeuren nimmt einen alten Kaffeesack mit nach Hause. "Ich habe vor, daraus eine Art Utensilo für meine Gartengeräte zu nähen." Waltraud Preiß aus Obereisenbach hat sich für ein Werbebanner aus Stoff entschieden. "Aus ihm mache ich einen Windschutz für meinen Balkon", erzählt sie von ihrer Idee. Schon öfter hat sie ausgemusterte Materialien von Vaude recycelt und zum Beispiel aus den Böden alter Zelte Säcke für Gartenabfall gefertigt.

Aus der ausgemusterten Hülle eines Zeppelin NT fertigt Vaude in seiner Upcycling-Werkstatt Taschen und Rucksäcke. Bild: Michael Haefner
Aus der ausgemusterten Hülle eines Zeppelin NT fertigt Vaude in seiner Upcycling-Werkstatt Taschen und Rucksäcke. | Bild: Michael Haefner

Ziel: Ressourcen schonen, Umwelt bewahren

Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz erläuterte, dass Nachhaltigkeit von dem Bergsportunternehmen nicht nur nebenbei, sondern auf allen Ebenen konsequent verfolgt werde. "Wir wollen Verantwortung übernehmen, sodass wir hinter unserer Arbeit stehen können und enkeltauglich sind." So sollen die Produkte möglichst lange halten und im Idealfall noch ein zweites oder drittes Leben bekommen. "Wer viel draußen in der Natur unterwegs ist, weiß, was es zu bewahren gilt", sagt von Dewitz. Die "Upcycling Community" richte sich auch an Unternehmen, bei denen Restmaterialien anfallen, erläutert Projektleiterin Antonia Krelowetz. "Oft müssen die Reste ja für teures Geld entsorgt werden."

Kreative Ideen für Reststoffe: Beim Upcycling-Event der Firma Vaude in Tettnang-Obereisenbach zeigte Textilkünstlerin Maria Prinz (rechts) aus Heimenkirch, was man aus Materialresten so alles machen kann.
Kreative Ideen für Reststoffe: Beim Upcycling-Event der Firma Vaude in Tettnang-Obereisenbach zeigte Textilkünstlerin Maria Prinz (rechts) aus Heimenkirch, was man aus Materialresten so alles machen kann. | Bild: Claudia Wörner
Aus der ausgemusterten Hülle eines Zeppelin NT fertigt Vaude in seiner Upcycling-Werkstatt Taschen und Rucksäcke. Bild: Michael Haefner
Aus der ausgemusterten Hülle eines Zeppelin NT fertigt Vaude in seiner Upcycling-Werkstatt Taschen und Rucksäcke. | Bild: Michael Haefner

Aus Resten entstehen Taschen

Bei einer Führung konnten die Besucher einen Blick in die Vaude-Upcycling-Werkstatt werfen. Statt Stanzreste und Materialüberschüsse wie bisher üblich zu entsorgen, werden sie nun gesammelt und sortiert. Aus allen Resten, die groß genug sind, entstehen in der Upcycling-Werkstatt schicke Taschen. Gefertigt werden sie von zwei geflüchteten Menschen. "Auch in diesem Bereich wollten wir Verantwortung übernehmen", so die Geschäftsführerin. Jede Woche stellt Machmoud Algasser zusammen mit einer Kollegin 360 Taschen her, die in Vaude-Geschäften verkauft werden. In der Upcycling-Community geht es nun darum, selbst kreative Ideen zu entwickeln und mitzumachen.

Führung durch die Upcycling-Werkstatt bei Vaude: Hier fertigt Machmoud Algasser (rechts) aus Syrien jede Woche 360 Taschen aus Restmaterial.
Führung durch die Upcycling-Werkstatt bei Vaude: Hier fertigt Machmoud Algasser (rechts) aus Syrien jede Woche 360 Taschen aus Restmaterial. | Bild: Claudia Wörner

Wie aus der Hülle des Zeppelins bei Vaude Taschen und Rucksäcke werden

Für die Deutsche Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen produziert Vaude in Tettnang-Obereisenbach in seiner Upcycling-Werkstatt Taschen und Rucksäcke aus der ausgemusterten Außenhülle eines Zeppelin NT. Die Zeppelin-Hülle war über Japan und der Bodensee-Region fast 5000 Flugstunden in der Luft, hat gute Dienste geleistet und ist viel zu wertvoll, um einfach im Müll zu landen. Nach zehn Jahren im Einsatz muss die Hülle ausgetauscht werden. "Zunächst haben wir das Material getestet, ob es unseren Ansprüchen genügt", erläutert Lisa Fiedler von der Vaude-Unternehmensentwicklung.

Handgefertigte Unikate

Der Test verlief positiv und der Upcycling-Kooperation zwischen der Zeppelin-Reederei und Vaude stand nichts mehr im Weg. Bislang wurden aus der ausgemusterten Hülle 500 individuelle, handgefertigte Unikate hergestellt. "Es wird aber noch deutlich mehr von den Zeppelin-Produkten geben", so Lisa Fiedler. Das Material ist ein UV-beständiges, reißfestes und dichtes Mehrschichtlaminat. Also ideal für strapazierfähige Taschen. Außen Weiß und innen Schwarz mit feinen weißen Karos, wird das Material bei den Taschen mal nach innen, mal nach außen gewendet und ergibt so eine stylische Farbkombination.