Wegen fahrlässiger Tötung hat Richterin Heike Jakob im Amtsgericht einen 44-Jährigen zu einer Geldstrafe von 2800 Euro verurteilt, zu zahlen in 70 Tagessätzen. Der Landwirt war im Mai 2017 mit einem Traktor auf der Landesstraße von Tettnang Richtung Holzhäusern unterwegs. Vorn und hinten am Traktor waren große Maschinen montiert. Der 44-Jährige wollte trotz Sperrfläche nach links über die Gegenfahrbahn auf einen Acker abbiegen. In dem Moment stieß ein 20-Jähriger mit seinem Motorrad, der im Überholverbot mehrere Fahrzeuge überholt hatte, ungebremst in die vorn am Traktor angebrachte Maschine. Er sei sofort tot gewesen, wie es in der Anklage hieß. Das Motorrad sei 60 bis 80 Stundenkilometer schnell gewesen. Der Angeklagte beteuerte mit Tränen in den Augen: "Es tut mir von Herzen leid."

Vor Gericht kam der Unfall, nachdem der Landwirt gegen den Strafbefehl Widerspruch eingelegt hatte. Dieser sah eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen vor, womit der 44-Jährige vorbestraft gewesen wäre. Der Landwirt erklärte, er sei zu einem Acker unterwegs gewesen und habe eine größere Fahrzeugkolonne hinter sich hergezogen. Als er angekommen war, sei er vor der Frage gestanden, wie er von der Straße auf den Acker komme. Es gebe ein paar Meter weiter zwar eine Zufahrt, die habe er wegen der Überbreite der Maschinen aber nicht nutzen können. So sei er langsamer gefahren und habe geblinkt, um direkt auf den Acker zu fahren.

Drei Zeugen, die hinter dem Angeklagten gefahren waren, sagten aus, es sei offensichtlich gewesen, dass er habe abbiegen wollen. Der 44-Jährige selbst erklärt, er habe über seine Außenspiegel auf den Verkehr geachtet: "Da war weit und breit kein Motorrad." Die Polizei stellte fest, dass die Außenspiegel zu niedrig eingestellt waren. Der 44-Jährige erläuterte, sie seien so eingestellt, damit er neben seinem Traktor Radfahrer oder Fußgänger erkennen könne. Wenn er sich nach vorn beuge, könne er über die Spiegel auch weiter nach hinten sehen. Das sei jedoch nicht erlaubt, wie in der Verhandlung erläutert wurde.

Die drei Zeugen berichteten, dass auch sie den Motorradfahrer erst gesehen hätten, als er neben ihnen gewesen sei. Wie der Außenspiegel des Traktors letztlich stand, ließ sich nicht mehr feststellen, da der 44-Jährige beim Aussteigen nach dem Unfall unbeabsichtigt den Spiegel verstellt hatte. Nach Rechnung eines Gutachters hätte der 44-Jährige bei korrekt eingestelltem Spiegel eine bis eineinhalb Sekunden Zeit gehabt zu entscheiden, nicht abzubiegen.

"Es spricht viel für den Angeklagten", meinte Staatsanwalt Christian Pfuhl, aber es liege eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vor. Die Mutter des Verunglückten forderte ein Fahrverbot. Das lehnte Richterin Heike Jakob ab: Diese hätten eine Denkzettelfunktion, die sei hier nicht erforderlich. Der 44-Jährige werde den Unfall nicht vergessen. Nach der Urteilsverkündung meinte der Vater des Toten: "Ich bitte, es darauf beruhen zu lassen." Er bot dem 44-Jährigen ein Gespräch an. Alle Parteien verzichteten auf Rechtsmittel.