Einen glanzvollen Einstieg als neuer Dirigent feierte Thomas Dorsch bei der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben. In der schon traditionellen „Sinfonie im Innenhof“ als Abschluss des „Lebendigen Barockschloss Tettnang“ erlebte man am Sonntag den Musikdirektor vom Theater Lüneburg als gestaltenden, sehr umsichtigen Impulsgeber.

In ausgewogener Balance traten die vielen Solostellen über den Akkordblöcken mit pastoraler Tongebung in der „Morgenstimmung“ von Edvard Grieg aus der „Peer Gynt Suite“ hervor. In den reinen Streichersätzen „Ases Tod“ und „Anitras Tanz“ bewunderte man das homogene Klangbild, die feinsten dynamischen Abstufungen bis zur verklingenden Schlussfermate. Angeführt von Konzertmeister Professor Ulrich Gröner entwickelte sich im „Tempo di Mazurka“ mit viel Spielwitz agile tänzerische Leichtigkeit. Bedrohlich, mit geerdeter Tiefe, führten Celli und Bässe zusammen mit den Fagotten in die „Halle des Bergkönigs“. Viel Wert legte Dorsch auf das nach und nach lauter und schneller Werden – um „Piu vivo“ mit intensiven Tremoli in hoher Lage der Streicher den Überfall der Trolle auf Peer Gynt plastisch auszukosten.

Nun ist Tine Thing Helseth als „Artist in Residence“ beim Bodenseefestival wirklich angekommen. In dieser letzten Woche findet fast jeden Tag rund um den See ein Konzert mit der norwegischen Trompeterin statt. In Tettnang gab es Tine Thing hautnah: Kleiner Fan-Club bei der Probe am Samstagmorgen, nachmittags kleiner Stadtbummel, Sonntagnachmittag Auftritt beim Kinderkonzert.

Mit dem Trompetenkonzert von Johann Nepomuk Hummel stand am Abend eines der bekanntesten Solokonzerte auf dem Programm. Nach der klassischen Orchestereinleitung bestimmte Helseth mit glasklaren fanfarenartigen Motiven das Geschehen. Ansatzlos, graziös das gegensätzliche zweite Thema mit leichten Umspielungen von Oboe und Violinen. Wunderschön der behutsame Einstieg in das folgende Andante über samtener Orchesterbegleitung. In langem Atem, mit einnehmender Phrasierung und verspielten Verzierungen verzauberte Helseth das Publikum.

Scheinbar mühelos feierte die Solistin im Rondo zusammen mit dem flexibel reagierenden Orchester den hochvirtuosen letzten Satz. Viel verdienter Beifall im ausverkauften Innenhof!

Mit ihrer Themenvielfalt bildet die Sinfonie Nr. 1 von Jean Sibelius eine große Herausforderung für Dirigent und Orchester. Aber schon mit dem paukenbegleiteten Klarinettensolo in der Einleitung legte Lennard Ellwanger die Grundlage für eine in sich geschlossene Interpretation. Immer wieder gelang es Dorsch, die rhapsodischen Entwicklungen zu bündeln und behutsam aufbauend zu bombastischen Höhepunkten zu führen.

Klarste Struktur war in den vertrackten rhythmischen Stellen und der verwobenen Abschnitten zu hören. Auf hohem Niveau agierte der Streicherapparat mit emphatischen Kantilenen, kurzen Motivdurchläufen, ausdrucksstarken Soli oder zartem Pizzicato. Sauber intonierten die Hörner die geforderten Naturstimmungen. Solistisch oder als ganze Gruppe trat die gesamte Holzbläsergruppe selbstsicher in den Vordergrund. Trompeten, Posaunen und Tuba gaben dem Tutti-Klang den nötigen strahlenden Glanz. Mit seiner klaren Zeichengebung gelang es Dorsch, die vielen kleinen Klangfarbenmischungen der glänzenden Orchestrierung zum Blühen zu bringen.

Nach einer letzten emphatischen Streicherkantilene mit berauschendem Tutti führt die Soloklarinette an den Anfang zurück. Reichhaltiger Beifall für ein beeindruckendes Konzert.