Die Hopfenernte in und um Tettnang ist in vollem Gange. Kann man schon sagen, wie Ertrag und Qualität ausfallen?

Der Ertrag wird wohl unterdurchschnittlich sein, bedingt durch die lange Hitze und Trockenheit. Auch die Qualität hat etwas gelitten, so gab es vermehrt Schäden durch die Rote Spinne. Zu den Inhaltsstoffen müssen erst die Analysen der Untersuchungslabors abgewartet werden.

Das Hopfengeschäft soll sehr lukrativ sein. Stimmt das? Und was kosten 100 Kilo Tettnanger Hopfen?

(Lacht) Das kommt darauf an. Bei einer Ernte wie in diesem Jahr werden die Produzenten trotz überdurchschnittlicher Vertragspreise verhältnismäßig niedrige Deckungsbeiträge erwirtschaften. Beim Preis kommt es sehr auf die Sorte an und wann der jeweilige Vertrag geschlossen wurde. Für die Sorte Tettnanger liegen die Vertragspreise aktuell irgendwo zwischen 8 und 13 Euro pro Kilogramm.

Wie viel Prozent der Ernte bleiben in Deutschland und wie viel wird exportiert?

Bei einer vermutlichen Erntemenge von rund 43 000 Zentnern gehen wir von einem Exportanteil von etwa 70 Prozent aus.

Welche Länder sind die wichtigsten Kunden?

In dieser Reihenfolge: USA, Japan, Russland, China und Großbritannien.

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Sie sind weltweit für den Hopfenverkauf unterwegs. Wer sind beispielsweise die Abnehmer in Asien?

Zuletzt war ich bei Brauereien in Korea, Japan und auf den Philippinen. Aber auch andere asiatischen Länder beziehen Hopfen aus Deutschland.

Angeblich sollen die Chinesen gutes Bier brauen. Auch mit Tettnanger Hopfen?

(Lacht) Das kommt ganz darauf an, wie man „gutes Bier“ definiert. Fakt ist allerdings, dass nach einer langjährigen Phase des „Dünnerwerdens“ in China jetzt verstärkt auf sogenannte Premiumbiere gesetzt wird, das heißt, Biere mit mehr Bittere und stärkerer Aromaausprägung.

Und wo in aller Welt sitzen besonders treue Kunden?

Besonders treue Kunden von Tettnanger Hopfen sitzen unter anderem in den USA. Da bezieht zum Beispiel die Brauerei Samuel Adams in Boston seit 1986 Hopfen aus Tettnang. Treue Kunden von deutschem Hopfen sitzen auch in Japan, Russland und den USA.

Haben Sie dann Qualitätsproben dabei, die von den Kunden geprüft werden?

Nein, die habe ich normalerweise nicht dabei. Viele Kunden kommen während der Ernte und wählen ihre Hopfenpartien persönlich aus. Andere lassen sich Muster schicken. Und wieder andere vertrauen auf die Qualität unserer Produkte, die sie dann aber regelmäßig auch noch zusätzlich durch eigene und externe Produktanalysen überprüfen lassen.

Im Anbaugebiet, dass rund zehn bis 15 Kilometer um Tettnang herum umfasst, bauen 132 Betriebe im Hopfenpflanzerverband das "grüne Gold" an.
Im Anbaugebiet, dass rund zehn bis 15 Kilometer um Tettnang herum umfasst, bauen 132 Betriebe im Hopfenpflanzerverband das "grüne Gold" an. | Bild: Wieland, Fabiane

Wie wird der Hopfen eigentlich in die fernen Länder exportiert – ohne Qualitätsverlust?

Die häufigste Form sind die Hopfenpellets, das ist ganz grob gesagt gemahlener und gepresster Hopfen in Alufolie und in Mengen von 5 bis 20 Kilogramm abgepackt. Circa ein Drittel wird als Hopfenextrakt verkauft, in Dosen oder Fässern.

Was viele Biertrinker vielleicht interessiert: Wie viel Gramm Hopfen braucht man für 100 Liter Bier?

Je nach Biersorte zwischen 100 Gramm und bis zu mehr als einem Kilogramm für die extrem gehopften sogenannten Craftbiere.

Und wie beeinflusst der Tettnanger Hopfen den Biergeschmack?

Er gibt dem Bier das feinherbe Pilsaroma. Je nach Biersorte kann mit Tettnanger aber auch leicht blumige, karamellartige Noten oder sogar Zitrusnoten ins Bier bringen.

Wenn Sie Bier trinken, können Sie den Tettnanger Hopfen herausschmecken?

(Lacht) Das möchte ich trotz der Ausbildung zum Diplom-Biersommelier nicht behaupten. Allerdings sind meine Lieblingsbiere durchweg mit Hilfe von Tettnanger Hopfen verfeinert.

Fragen: Walter Rundel

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