Schon seit Monaten herrscht in der Personalabteilung bei Vaude Ungewissheit: Denn einige der Mitarbeiter, die in der Produktion beschäftigt sind, sind von der Abschiebung bedroht. Das Unternehmen stellte in den vergangenen Jahren insgesamt zwölf geflüchtete Menschen ein, bot ihnen einen Arbeitsplatz und engagierte sich so bei der von der Bundesregierung geforderten Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt.

"Wir brauchen diese Menschen. Sie sind zuverlässig und interessieren sich für die Jobs, für die wir auf dem Arbeitsmarkt oft nur schwer jemanden finden", sagt Antje von Dewitz, Vaude-Geschäftsführerin. Sie ist überzeugt davon, dass Integration nur durch Arbeit gelingen kann und macht sich genau dafür stark. Doch die Rechtsunsicherheit ist groß. Sechs ihrer Mitarbeiter haben bereits einen Ablehnungsbescheid, bei einem steht die Entscheidung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge noch aus. Dafür gab es jüngst einen ersten Erfolg. Saaid Yousef drohte bereits der Entzug der Arbeitserlaubnis, doch nun hat er endlich die Nachricht bekommen, dass er weiter als Schweißer arbeiten darf. "Wir freuen uns alle sehr darüber", sagt Vaude-Chefin.

Saaid Yousef (Dritter von rechts) hat endlich die Arbeitsgenehmigung und freut sich mit Kennedy Ibeauchi, Abdoulie Barry, Franziska Börner, Nikolaj Leinweber, Marian Rollnik, Rafal Pietka, Didar Safdari und Taofeek Bello (von links).
Saaid Yousef (Dritter von rechts) hat endlich die Arbeitsgenehmigung und freut sich mit Kennedy Ibeauchi, Abdoulie Barry, Franziska Börner, Nikolaj Leinweber, Marian Rollnik, Rafal Pietka, Didar Safdari und Taofeek Bello (von links). | Bild: Vaude

Für das Unternehmen ist es ein großes Problem, dass schon seit rund einem Jahr Unsicherheit darüber herrscht, ob die Flüchtlinge ihre Arbeitsgenehmigung behalten werden oder nicht. Vaude unterstützt seine Mitarbeiter in den juristischen Verfahren, doch es ist völlig offen, wie diese ausgehen. "Es ist ja auch so, dass unsere Mitarbeiter, wenn sie nicht mehr arbeiten dürfen, nicht mehr zu der Wertschöpfung beitragen und dem Sozialstaat auf der Tasche liegen", sagt Lisa Fiedler, die bei Vaude für die Mitarbeiter zuständig ist. Erst im September schrieb Vaude-Chefin von Dewitz einen langen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und forderte ein Bleiberecht und Rechtssicherheit für Geflüchtete, die bereits auf dem Arbeitsmarkt integriert seien. Nur so bekämen auch die Arbeitgeber Sicherheit und Klarheit. Bisher gab es keine Reaktion der Kanzlerin, dafür meldete sich Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, es gab erste Gespräche zu dem Thema. Auf unsere Nachfrage jedoch, wie das Ministerium zu den Sorgen des Unternehmens stehe und wie Rechtssicherheit hergestellt werden könnte, gab es bisher keine Antwort.

Dafür bewegt sich in Baden-Württemberg etwas. Innenminister Thomas Strobl (CDU) nahm eine Einladung an, die Vaude und die Brauerei Härle initiierten. Mitte April ist ein Gespräch angesetzt, an dem 50 weitere Unternehmen aus dem Ländle teilnehmen, die mit denselben Problemen kämpfen. "Mit dabei sind etwa Ifm, Trigema, EnBW und viele Firmen aus den Bereichen Handwerk und Gastronomie", erzählt von Dewitz. Von dem Treffen erhofft sie sich viel. "Es wäre schön, wenn ein kreativer Dialog entstehen könnte und wir nach konstruktiven Lösungen suchen. Wir würden uns freuen, wenn das Ministerium prüft, welche Handlungsspielräume das Land hat", führt die Vaude-Chefin aus. Bisher haben nur fünf der Flüchtlinge, die Vaude Arbeit gefunden haben, einen sicheren Status.

Mittlerweile werden bei Vaude in Tettnang nur noch Menschen eingestellt, die einen sicheren Status haben. "Das ist vernünftig, aber eigentlich schade, denn Arbeit ist der Schlüssel zur Integration", sagt von Dewitz. Denn ihre Mitarbeiter zeigen, dass eine Beschäftigung zur Erfolgsgeschichte wird. "Unsere Flüchtlinge sprechen alle gut deutsch und haben sich hervorragend im Team integriert", so die Vaude-Chefin. Sie hofft nun, dass bei dem Gespräch mit dem Innenminister etwas herauskommt, das allen hilft: Den Unternehmen und Flüchtlingen wie Saaid Yousef.

Die Gesetzgebung

Das Integrationsgesetz sieht vor, dass Flüchtlinge, die eine Ausbildung absolvieren, für diese Zeit und weitere zwei Jahre nicht abgeschoben werden dürfen. Flüchtlinge, die keinen sicheren Status, also kein Bleiberecht haben, können abgeschoben werden, auch wenn sie arbeiten.