Ende Juni hätte Wolfgang Ruther, Vorsitzender des Tettnanger Hopfenpflanzerverbands, noch auf eine miserable bis katastrophale Ernte getippt. "Die Witterung hat sich aber zugunsten der Hopfenbauern entwickelt und wir werden wohl die 40 000-Zentner-Marke knacken", informierte er bei der Hauptversammlung in der Mehrzweckhalle Obereisenbach. Auch mit dem Preis von 13 Euro je Kilo könne man mehr als zufrieden sein.

Nochmals mit einem blauen Auge davongekommen 

Auch das Fazit von Geschäftsführer Jürgen Weishaupt lautete, dass die Hopfenbauern nochmals mit einem blauen Auge davongekommen seien. "Die Menge ist gut und äußere Qualität sowie Preise sind sehr gut." Da Flächen dazugewonnen wurden, werde sich die Menge des Tettnanger Hopfens in den nächsten Jahren sicher auf eine Erntemenge von 50 000 Zentnern zubewegen. Investieren müssten die Hopfenbauern allerdings in neue Erntetechnik. "Insgesamt sind wir auf einem guten Wachstumspfad", so Weishaupts Einschätzung.

Beschäftigt habe die Branche das Pflanzenschutzmittel Captan, das im Hopfenanbau verboten, im Obstanbau jedoch erlaubt ist. Mit den Obstbauern habe man zahlreiche Gespräche geführt und appelliert, auf abdriftmindernde Düsen umzustellen, um captanfreien Hopfen produzieren zu können. "Glücklicherweise haben Obst- und Hopfenbau an einem Strang gezogen, sodass es kein Gegen-, sondern ein Miteinander war", dankte Weishaupt.

Landschaftschutzgebiet Tettnanger Wald

Enttäuschend für die Hopfenbauern sei das Thema Landschaftschutzgebiet Tettnanger Wald verlaufen. "Der Kiesabbau hatte wohl die bessere Lobby. Uns wurde der Bestandsschutz für Hagelnetze als großer Kompromiss verkauft." Auch die neue Düngeverordnung mache die Arbeit in der Landwirtschaft nicht einfacher. Am Ende dankte Weishaupt allen, die an dem schwierigen und dann doch noch ganz guten Hopfenjahr mitgearbeitet haben. "Es geht nur gemeinsam und im Netzwerk."

Fachberater Franz Wöllhaf vom Landwirtschaftsamt des Bodenseekreises erläuterte die neue Düngemittelverordnung und nahm die Nachbarkulturen, insbesondere den Obstbau, in den Blick. "Die Abdrift von Pflanzenschutzmitteln ist ein riesen Thema." Auch für einen besseren Gewässerschutz gelte es Vorschriften einzuhalten. "Die Kontrollen werden zunehmen", ist sich Wöllhaf sicher. Angesicht der Zunahme an Vorschriften zog Vorsitzender Ruther den Hut vor dem Nachwuchs der rund 130 Tettnanger Hofenanbaubetriebe. "Toll, dass die Jungen trotzdem weitermachen."

Von Seiten der "Neutralen Qualitätsfeststellung" berichtete Willi Moosherr von den Dolden-Parametern. "Wir hatten einen überwiegend leichten Befall durch Schädlinge im Vergleich zum zehnjährigen Mittel." Von Seiten des Hopfenhandels gab es erste Einschätzungen zur diesjährigen Ernte. "Wir haben nicht die schlechteste und nicht die beste Ernte. Sie wird aber ausreichen, um die Märkte bedienen zu können", sagte Martin Schöttl-Pichlmaier vom Handelshaus Hopsteiner. Anton Locher von der BayWa Tettnang rechnet mit einer eher überdurchschnittlich guten Ernte. "Der Anteil der Bitterstoffe ist im Vergleich zum Anbaugebiet Hallertau bei fast allen Sorten besser." Insofern sei Tettnang in Sachen Hopfen deutscher Meister. Reinhold Kugel von der Barth-Haas-Group unterstrich, dass das Unternehmen weiter auf das "Grüne Gold" aus Tettnang setze.

Die Funktionäre

Vorsitzender des Tettnanger Hopfenpflanzerverbands ist Wolfgang Ruther, seine beiden Stellvertreter sind Simon Locher und Stefan Arnegger. Geschäftsführer ist Jürgen Weishaupt. Geschäftsstelle: Kaltenberger Straße 41, 88069 Tettnang.