Tettnang (wex) Mit einer heißen Grillzange soll im Juni ein 47 Jahre alter Mann aus dem östlichen Bodenseekreis seine von ihm getrennt lebende Ehefrau am Oberschenkel verbrannt haben, dies bei einer Kindergeburtstagsparty. Ein durch die Anzeige der Frau in Gang gesetztes Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung stellte Richter Max Märkle am Amtsgericht Tettnang ein. Nach Meinung des Gerichts steht Aussage gegen Aussage. Richter, Verteidigung und Staatsanwaltschaft wollten während eines laufenden Ehescheidungsverfahrens nicht die Kinder in die Streitigkeiten hineinziehen. Paragraf 153 der Strafprozessordnung eröffnet die Möglichkeit zur Einstellung, wenn "die Schuld des Täters als gering anzusehen wäre und kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht".

Unstrittig ist, dass die Frau eine dreieinhalb Mal fünf Zentimeter große Brandwunde ersten Grades am rechten Oberschenkel davontrug. Doch wie? "Es war anders", erklärte der 47-Jährige nach Verlesung der Anklage. Nach seiner Darstellung kam seine Frau zur Geburtstagsparty eines ihrer gemeinsamen Kinder zu ihm. Vor dem Grill habe seine Frau ein Streitgespräch angefangen. Dabei habe er sich vom Grill zu ihr umgedreht, mit der heißen Grillzange in der Hand. Diese sei defekt, unter Hitze rutsche ein Schenkel der Zange ein Stück weit aus dem Griff heraus. Dieses Stück habe seine Frau am Oberschenkel berührt. "Ich habe mich entschuldigt. Sie hat gesagt: Ich zeig' dich an", berichtete der Angeklagte. Das Ganze vor dem Hintergrund außergerichtlicher Verhandlungen, bei denen es unter anderem um das Sorgerecht für drei Kinder und rund 80 000 Euro Zugewinnausgleich geht, wie der Angeklagte und sein Anwalt Wolfgang Föhr erläuterten.

Die 41-jährige Ehefrau weigerte sich bei ihrer Befragung, öffentlich ihre neue Adresse zu nennen, damit ihr Mann sie nicht erfährt. Sie berichtete, sie sei zum Kindergeburtstag gekommen und habe eine Wurst essen wollen. Der Angeklagte habe geantwortet: "Für dich ist kein Essen eingeplant." Sie habe sich dennoch eine Wurst genommen, woraufhin er sie mit der Grillzange verbrannt habe. "Er hat bewusst die Grillzange an meinen Oberschenkel gehalten", sagte sie aus. Auf Nachhaken von Föhr, ob es nicht doch ein Unfall gewesen sein könnte, antwortete die 41-Jährige: "Das hat er absichtlich gemacht." Sie sei nach dem Vorfall völlig verstört gewesen. Sie sei an diesem Tag zur Behandlung in einem Krankenhaus gewesen. Dann habe sie Anzeige erstattet. Der Polizeibeamte, der die Anzeige aufgenommen hatte, berichtete: "Sie hat mir das in einem ganz normalen Ton erzählt."

Föhr schlug vor, das Verfahren einzustellen, sonst sehe er als Verteidiger nur die Möglichkeit, eines der Kinder, das in der Nähe des Grills stand, zu befragen. Jedoch wollte keiner der Beteiligten die Situation für die Kinder noch komplizierter machen.