Die Brüder Max und Nik, elf und sechs Jahre alt, lieben sich, wie sich nur Geschwister lieben können. Aber die beiden verbindet mehr. Das erzählte die Familie im Gespräch mit dieser Zeitung beim alljährlichen Fest der Urmel Kinder-Krebshilfe am Samstag im Rittersaal des Neuen Schlosses in Tettnang. Denn Nik hat einen Immundefekt. "Hämophagozytische Lymphohistiozytose" (HLH) nennt sich das lebensbedrohliche Syndrom. Und sein großer Bruder Max hat ihm Knochenmark gespendet. "Wir mussten zwei Transplantationen machen, weil die erste nicht angesprungen ist", blickt die junge Mutter Melanie Zrodlewski zurück.

Dabei ging es einmal quer durch die Republik – von einer Klinik in Freiburg in eine in Hamburg. Weil die Krankheit des kleinen Nik so selten ist, musste die Familie nach einem passenden Krankenhaus suchen. "Neben der Suche nach einem geeigneten Behandlungsort, können wir von großem Glück sprechen, dass Niks Bruder Max ein so geeigneter Spender ist. So ein Glück kann nicht jeder haben", sagt Zrodlewski und wirft einen zärtlichen Blick auf ihre beiden Kinder. Ihr ist bewusst, dass die vergangenen drei Jahre sowohl für Nik als auch Max eine große Herausforderung waren. "In der Zeit, als wir mit Nik in den Krankenhäusern unterwegs waren, hat sein großer Bruder bei Opa und Oma gelebt. Er musste lange auf seine Eltern verzichten", erzählt Zrodlewski. Zudem habe sich Max die Schuld daran gegeben, dass die erste Transplantation fehlgeschlagen hat. "Das stimmt natürlich nicht, aber in dem Moment war er in seinem kindlichen Denken gefangen", so die Mutter.

Die Eltern Melanie und Martin Zrodlewsk freuen sich über jeden Tag mit ihren beiden Kindern Nik (vorne) und Max.
Die Eltern Melanie und Martin Zrodlewsk freuen sich über jeden Tag mit ihren beiden Kindern Nik (vorne) und Max. | Bild: Mona Lippisch

Unterstützung fand die Familie aus Duisburg in dieser schweren Zeit bei der Urmel Kinder-Krebshilfe: In Form von finanzieller Hilfe, Geschenken wie einem Fahrrad und einem Trampolin für die Jungs und einfach dem Gefühl, dass jemand da ist, der zuhört. "Es wurde wirklich auf die Kinder eingegangen", ist Zrodlewski dankbar. Nachdem die zweite Transplantation positiv verlaufen ist, müssen die Eltern regelmäßig mit Nik zur Kontrolle ins Krankenhaus. "Eine Rückfallgefahr besteht weiterhin. Wir genießen jeden Tag mit den beiden. Erst, wenn man so etwas durchgemacht hat, weiß man, was Gesundheit bedeutet und wie froh man über die Zeit mit seinen Kindern sein kann", sagt Zrodlewski. Beim Fest am Samstag war der Mutter wichtig, dass ihre Söhne Spaß haben. "So ein Tag ist immer etwas Schönes. Die Kinder können spielen und wir haben Zeit, um uns mit anderen Familien auszutauschen", sagt Zrodlewski.

Ebenfalls beim Fest dabei ist Eric. Der 16-Jährige ist 2016 an Knochenkrebs erkrankt. "Der Urmel-Verein hat mir sehr geholfen. Sie haben Dinge möglich gemacht, die wir uns nicht hätten leisten können", blickt Eric zurück. So habe er etwa eine Spielkonsole bekommen sowie ein Objektiv für seine Kamera. "Man kann schon sagen: Durch die Krebshilfe habe ich eine neue Leidenschaft entdeckt, die Fotografie", sagt der 16-Jährige glücklich. Neben diesen Geschenken habe Eric auch regelmäßig mit der Vorsitzenden des Vereins, Ursula Zamorano, telefoniert. "Wir haben uns ausgetauscht und sie hat mir Mut gemacht. Sie war einfach für mich da", erzählt Eric. Seit eineinhalb Jahren ist der 16-Jährige krebsfrei. Kommt es in den nächsten dreieinhalb Jahren zu keinem Rückfall, hat er den Krebs endgültig überwunden – so sagt man. Für das Fest ist Eric mit seiner Familie aus Chemnitz angereist. Auch seine Mutter Madeleine Kubill nennt es ein großes Glück, dass die Krebshilfe die Familie vor zwei Jahren gefunden hat. "Ich bin ja nicht mehr arbeiten gegangen, weil ich krankgeschrieben war. Einer musste sich um Eric kümmern. Da hat uns die monatliche finanzielle Unterstützung wirklich gutgetan", sagt Kubill.

Auch (von links) Madeleine, Sven, Svenja und Eric Kubill sind zum Fest der Urmel Kinder-Krebshilfe gekommen. Eric hat vor zwei Jahren die Diagnose Knochenkrebs bekommen und ist seit eineinhalb Jahren tumorfrei.
Auch (von links) Madeleine, Sven, Svenja und Eric Kubill sind zum Fest der Urmel Kinder-Krebshilfe gekommen. Eric hat vor zwei Jahren die Diagnose Knochenkrebs bekommen und ist seit eineinhalb Jahren tumorfrei. | Bild: Mona Lippisch

Einiges durchgemacht in seinem jungen Leben hat der neunjährige Arda. Vergangenes Jahr haben Ärzte in seinem Hals Lymphknotenkrebs gefunden. Während eines Aufenthaltes in der Nachsorgeklinik in Tannheim kamen Arda und seine Familie erstmals in Kontakt mit der Urmel Kinder-Krebshilfe. "Seitdem werden wir unterstützt – und das nicht nur in finanzieller Hinsicht", sagt Mutter Sibel Polat. Besonders freut sie sich über den Austausch mit weiteren betroffenen Familien: "Man merkt, dass man nicht alleine ist und kann von den Erfahrungen anderer lernen. Das ist etwas ganz Großes."

Der Verein und Spenden

  • Die Urmel Kinder-Krebshilfe ist ein Verein, der Familien mit krebskranken Kindern unterstützt. Ziel der Krebshilfe ist, den erkrankten Kindern Wünsche zu erfüllen und ihren Eltern den Alltag etwas leichter zu machen. Alle Spenden kommen nach Vereinsangaben direkt den Familien mit krebskranken Kindern zugute. Geholfen werden kann durch eine Mitgliedschaft oder mit einer Spende. Kontakt: Urmel-Kinder-Krebshilfe, Ramsbachstraße 3, 88069 Tettnang, Telefon 0 75 42/9 39 67 99, E-Mail info@urmel-kinder-krebshilfe.org
  • Spenden: Urmel-Kinder-Krebshilfe, Konto: 24 1188 20, BLZ: 690 500 01, IBAN: DE20 6905 0001 0024 1188 20, BIC: SOLADES1KNZ. (lip)

Informationen im Internet:www.urmel-kinder-krebshilfe.org