Vor dem Amtsgericht Tettnang ist gestern ein Mann wegen sexueller Belästigung in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von knapp 900 Euro verurteilt worden. Richterin Heike Jakob folgte damit in ihrem Urteil der Forderung von Staatsanwalt Peter Vobiller. Vorausgegangen war ein Strafbefehl, gegen den der Mann Einspruch erhoben hat.

Am 5. März vergangenen Jahres kam der 43-jährige Vater von sieben Kindern zusammen mit zwei deutlich jüngeren Männern in Friedrichshafen mit den beiden geschädigten Frauen in Kontakt. Nach dem Kauf von Wodka an der Tankstelle sei man zu einer der beiden in die Wohnung gegangen. Der Angeklagte versicherte, dass er an diesem Abend zum ersten Mal in seinem Leben Alkohol getrunken habe: "Und es war das letzte Mal." Die sexuelle Belästigung der Frauen – Berührung am Oberschenkel und an der Brust, Kuss auf den Mund – leugnete er bis zum Schluss der Verhandlung.

Im Zeugenstand berichtete die erste Frau, dass reichlich Alkohol geflossen sei und wie der Angeklagte sich ihr genähert habe. Sie habe seine Hand weggeschubst und gesagt, dass er das lassen solle. Außerdem habe er ihr einen Kuss auf den Nacken gegeben. "Ich kann mich nicht erinnern, dass er meine Brust berührt hat", so die Aussage der 22-Jährigen. "Ich schwöre bei meinen Kindern, dass ich diese Frau nie geküsst oder angefasst habe", sagte der Angeklagte. Die zweite Zeugin schilderte, wie sie von ihm aufs Bett geworfen wurde, als sie allein im Zimmer waren. Er habe versucht, sie anzufassen. Es habe aber nicht geklappt und sie hätte ihn weggestoßen. "Er hatte viel getrunken und wusste nicht, was er tat", nahm sie ihn ein Stück weit in Schutz. Nach dem Vorfall sei sie heulend aus dem Zimmer gelaufen.

Belastbare Aussagen

Die Polizei war ins Haus gekommen, da sich einer der beiden jungen Männer – Freund der zweiten Zeugin – selbst schwer mit einem Messer verletzt hatte. Der Angeklagte hatte zu diesem Zeitpunkt die Wohnung bereits verlassen. Zwei Polizisten berichteten im Zeugenstand, was die Frauen an dem Abend zu Protokoll gegeben hatten. Sie seien zwar betrunken und in ihren Aussagen etwas wirr, aber auch verunsichert gewesen. "Eine Frau hat ausgesagt, wie eklig das Anfassen für sie war", so ein Polizist. Die Beweisaufnahme bestätige den Tatverdacht, konstatierte Staatsanwalt Vobiller. "Trotz Erinnerungslücken haben die Zeuginnen belastbare Aussagen gemacht." Dem Angeklagten hätten sie zu verstehen gegeben, dass sie keine sexuelle Berührung wollen. Der Angeklagte leugne zwar die Taten, habe aber die Einsicht, dass es ein Fehler war, sich in so eine Situation zu manövrieren. Ihm galt das letzte Wort in der Verhandlung: "Ich habe nie etwas gemacht."

Richterin Heike Jakob stellte bei beiden Zeuginnen keinen Belastungseifer fest und sah die Vorwürfe bestätigt. Der Alkohol habe keinen Einfluss auf die Schuldfähigkeit des Angeklagten. Die Strafe von 110 Tagessätzen zu je 8 Euro richtet sich nach seinen wirtschaftlichen Verhältnissen, die aktuell bei 300 Euro im Monat liegen. Gegen das Urteil kann er Berufung einlegen.