Das Rathaus ist dunkel und verschlossen. Um an den begehrten Schlüssel zu kommen, wirft sich Narrenpolizistin Christa Müller gegen die Türe. Nichts rührt sich. Da erscheint der vermisste Schultes als Weinhoheit und hat die Lacher auf seiner Seite. Seit über 30 Jahren schwingt Christa Müller die große Schelle und sorgt für das symbolische Absetzen des Bürgermeisters. Diesmal hat die Narrenpolizistin leichtes Spiel: Der Rathauschef ist offensichtlich ausgeflogen. An seiner Stelle steigt die fesche Stettina aus einem Weinfass. Auf hochhackigen Schnürstiefeln und mit angeklebten Wimpern gewährt Daniel Heß als Weinprinzessin Stettina den wartenden Narren Einlass in das Bürgermeisterdomizil. Drinnen gibt es eine besondere Weinprobe. "Wir sind Weinprinzessin", ruft die selbst ernannte Weinhoheit aus der Bütt in Anspielung auf den von der Stettenerin Katharina Kammerer errungenen Titel als Badische Weinprinzessin 2017/18.

Klar, dass dann eine Weinprobe folgt. Was Stettina-Heß da präsentiert, sind exzellente Tropfen. Wer genau hinhört, erkennt die einzelnen Gemeinderatsmitglieder. Zum krönenden Abschluss kredenzt Stettina der tatsächlichen Prinzessin zu Ehren einen "ganz besonderen Eiswein vom Katharinenberg", nach Rosen duftend und mit elegantem Körper. Im Ruck-Zuck-Verfahren werden die Narreneltern Elektra und Bernie getraut.

Jetzt ist es am Narrenbüttel, den Rathausschlüssel zu stibitzen. Nach einfacher Bitte rückt die vermeintliche Prinzessin das symbolische Pfand für die närrische Macht heraus. Christa Müller reißt den Schlüssel hoch und jubelt. Das war fast genauso schön für die Narrenpolizistin wie die morgendliche Schülerbefreiung, wo sie mit Eisbären vom Musikverein Stetten Daisendorf und Waldgeistern Schüler und Kindergartenkinder besucht hatte. "Das ist für mich das schönste zu sehen, wie die Kinderaugen leuchten, wenn wir Narren kommen", findet Müller.