Er ist nicht wegzudenken zu Beginn des Wonnemonats. Zumeist am 1. Mai aufgestellt, thront der Maibaum als Zeichen frühsommerlichen Erwachens der Natur für vier Wochen auf öffentlichen Plätzen. In Stetten sind es die Narren, die seit 29 Jahren zum Maibaumstellen laden und ihre Besucher mit feinen, handgemachten Speisen und Getränken verwöhnen. Rund 70 Helfer sind auch in diesem Jahr aktiv am Gelingen des zünftigen Frühschoppens unter der Dorflinde beteiligt, wie der stellvertretende Zunftmeister Markus Greinwald verrät. Die Schimmelbühler Musikanten unterhalten mit bodenständigen Klängen und flotten Sprüchen.

Auch wenn die Temperaturen nicht ganz so sommerlich warm sind wie in den letzten Wochen, haben sich schon vor 11 Uhr viele Zuschauer beim Rathaus eingefunden. Gespannt verfolgen sie die Vorbereitungen der Zimmermannsgilde unter Leitung von Otto Pfleghaar. Wer genau hinsieht, entdeckt auch eine junge Frau zwischen den schwarz-weiß-rot gekleideten Männern. Franziska Weber trägt schwarze Hosen, Weste, Jacke und Hut zu weißem Hemd und rotes Halstuch wie alle in der Gilde. Fröhlich packt sie mit an beim Hochhieven des geschmückten und bekränzten Stamms. Seit zwei Jahren ist die Landwirtin mit von der Partie. Ihr gefällt es gut als Gildemitglied. Am liebsten fährt sie den jeweiligen Mai- oder Narrenbaum mit dem Traktor durch das Dorf. Schon ihr Vater gehörte der Zimmermannsgruppe an. Klar, dass sie auch mitmachen wollte.

Der Höhepunkt des von der Narrengemeinschaft organisierten Stettener Maifestes ist sicher das traditionelle Maibaumstelle der Zimmermannsgilde.
Der Höhepunkt des von der Narrengemeinschaft organisierten Stettener Maifestes ist sicher das traditionelle Maibaumstelle der Zimmermannsgilde. | Bild: Martina Wolters

Wie ihre Kollegen packt sie kräftig mit an, darunter auch Bürgermeister Daniel Heß. Ebenso legt Feuerwehrkommandant Dagobert Heß Hand an. Im Schnitt wird der von Zweigen befreite Baumstamm aus ökologischen Gründen vier bis fünf Jahre hintereinander benutzt, nur die Krone ist frisch. Erst, wenn er trocken und somit brüchig wird, muss er laut Kommandant Heß aus Sicherheitsgründen durch einen neuen ersetzt werden.

Es dauert eine Weile, bis der Baum steht. Immer wieder wird pausiert, um Löcher zu bohren. So können die Tafeln der örtlichen Handwerker und Vereine angebracht werden. Ehrenzunftmeister Rolf Weißenrieder im Zimmermannsdress überwacht derweil den rechten Stand an der Baumgrube. Mit vereinter Muskelkraft der sechzehn Mannsbilder und der einen Gildenfrau kommt der Maibaum endlich in die Senkrechte. Applaus und Bravorufe zollen der gelebten Brauchtumspflege Respekt.