Auch mehr als eineinhalb Wochen nach dem Fund eines toten Babys bei Stetten a.k.M. im Kreis Sigmaringen hat die Polizei noch keine Antwort auf die Frage, wer das Kind in dem Waldstück zurückließ, in dem es am Montag, 3. September, bei Waldarbeiten gefunden worden war.

Man sei sehr an einer Aufklärung des Falls interessiert, doch im Moment zeichne sich einfach noch keine heiße Spur ab, heißt es auf Anfrage aus dem Polizeipräsidium Konstanz. Keiner der rund 25 aus der Bevölkerung eingegangenen Hinweise habe die Beamten der 16-köpfigen Ermittlungsgruppe in Sigmaringen auf die richtige Fährte gebracht. Auch die Veröffentlichung der Fotos eines gestreiften Handtuchs in den Farben Grau, Schwarz, Rot und Weiß sowie einer roten Papiertüte mit der Aufschrift „Wäsche zum Wohlfühlen“ sowie dem Firmennamen „Conta“, in denen das Baby neben einem Waldweg abgelegt worden sei, hätten nicht zum Erfolg geführt.

Die Polizei erhofft sich Hinweise auf diese rote Plastiktüte.
Die Polizei erhofft sich Hinweise auf diese rote Plastiktüte. | Bild: Polizei

Nach wie vor suchten die Beamten nach der Kindsmutter, wobei auch der Fall nicht ausgeschlossen werden könne, dass das Kind von einer anderen Person am späteren Fundort an der Straße zwischen Kaiseringen und Frohnstetten zurückgelassen wurde, heißt es aus dem Polizeipräsidium. Angaben darüber, woran der kleine Junge gestorben ist, wo er zur Welt kam oder ob es weitere Spuren am Fundort gab, werden seitens der Ermittler nicht gemacht. „Dabei handelt es sich um Täterwissen“, heißt es zur Begründung. Allein, dass der Säugling während des ersten Septemberwochenendes zur Welt gekommen war und nach seiner Geburt noch gelebt hatte, teilten die Beamten anhand des Obduktionsberichts der Öffentlichkeit mit.

Bild: Gerd Feuerstein

Die Aufklärung des Falls gestalte sich schwierig und eine Aufklärung könne noch nicht in Aussicht gestellt werden. Der Sprecher des Polizeipräsidiums verweist in dem Zusammenhang auf den diese Woche bekannt gewordenen Fall in Heilbronn, bei dem die Ermittler mehr als 16 Jahre nach der Tat den gewaltsamen Tod eines Säuglings aufklären und eine heute 32-jährige Frau ausfindig machen konnten, die zugab, ihr Baby kurz nach der Geburt Anfang März 2002 erstickt und auf einem Feld abgelegt zu haben.

Dieses Tuch wurde ebenfalls in der Nähe des Fundorts sichergestellt.
Dieses Tuch wurde ebenfalls in der Nähe des Fundorts sichergestellt. | Bild: Polizei

Deutschlandweit liegen die Fälle von Kindestötung auf gleichbleibendem Niveau. Die Zahl schwankt seit zehn Jahren zwischen 108 und 186 Fällen jährlich. Laut einer Sonderauswertung der polizeilichen Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr 143 Kinder Opfer von Tötungsdelikten, wobei sich diese Zahl nicht nur auf Säuglinge bezieht.

Im Fall des toten Babys bei Stetten a.k.M.-Frohnstetten suchten die Beamten so weiter nach Zeugen, die im Bereich der Landestraße 453 zwischen Kaiseringen und Frohnstetten verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben oder eine Frau kennen, die bis vor Kurzem noch schwanger war und jetzt kein Kind vorweisen kann.

Hinweise an die Kriminalpolizei Sigmaringen unter Telefon 07571/1040.

Kindstötungen vergangener Jahre

Die Tötung von Kindern durch ihre eigenen Eltern löst immer wieder Entsetzen aus. Auch im Südwesten hat es in den vergangenen Jahren Fälle gegeben. Einige Beispiele:

  • Ravensburg, Januar 2018: Das Landgericht Ravensburg verurteilte eine 23-jährige Frau, weil sie ihr Baby direkt nach der Geburt getötet hatte, zu einer lebenslänglichen Haftstrafe. Die junge Frau gab an, Angst davor zu haben, ihren Freund zu verlieren.
  • Steinheim, Juli 2017: Das Landgericht Heilbronn verurteilte eine 30-Jährige aus Steinheim an der Murr (Kreis Ludwigsburg) wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten. Aus Angst um ihre Partnerschaft und ihre beiden Kinder aus vorangegangenen Beziehungen habe sie das Kind geheim zur Welt bringen, es zu einer Stuttgarter Baby-klappe bringen und später zu sich nehmen wollen. Als das Baby schrie, erstickte sie den Sohn.
  • Winterbach, Januar 2017: Weil sie ihr Baby nach der Geburt sterben ließ, verurteilte das Landgericht Stuttgart eine damals 21-Jährige zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das Baby im Herbst 2014 im Keller eines Wohnhauses in Winterbach bei Stuttgart starb, weil die Frau keine Hilfe holte, als die Fruchtblase platzte und die Wehen einsetzten.
  • Albbruck, Mai 2015: In der Nähe des Rheinkraftwerks Albbruck-Dogern wurde im Rhein eine Babyleiche gefunden. Laut Polizei wurde das Mädchen einen Tag nach der Geburt getötet und später in dem Fluss entdeckt. Der Fall ist bis heute ungelöst.
  • Ravensburg, April 2014: Das Landgericht Ravensburg verurteilte eine damals 27-Jährige wegen Mordes zu elf Jahren Haft, weil sie ihr sechs Monate altes Kind getötet hatte. Die Kammer erklärte, dass die Frau einen Arztbesuch ihres Mannes ausgenutzt habe, um das Baby zu töten. (nik/dpa)