Erwartungsvoll und mit großen Augen stehen die fünfjährige Melina und ihre dreijährige Schwester Carina mit ihren Lampions vor dem Stettener Rathaus. Zusammen mit Mama Manuela sind sie extra aus dem Deggenhausertal angereist. Schließlich sind ihre Tante und ihr Onkel, Karin und Markus Greinwald, unter den Waldgeistern, die später die Sage vom diebischen Korbflechter Haslemann aufführen. Gemeinsam mit lustiger Narrenmusik und Narrenpolizei und rund 80 weiteren Gästen ziehen die Mädchen erwartungsvoll und ein bisschen ängstlich in den dunklen Wald. Das gemeinsame Fasnachtsliedersingen scheint gegen Anspannung zu helfen. Fröhlich stimmen die kleinen und großen Gäste in die Narrenschlachtrufe ein. "Borschtig isch die Sau", rufen sie und laufen mutig in den Forst.

Lediglich ein paar bunte Lichtstrahler weisen ins Dickicht. Eine tiefe Stimme aus dem Off erzählt die Geschichte um den diebischen Schelm, der zunächst bei einem Diebeszug von "Stettheimern" gestellt zu Tode kommt und später von Waldschraten wiedererweckt als Geist umherirrt. Vierzig der Einhundertdreißig aktiven Stettener Narren sind beim Jubiläumsspiel mit von der Partie. Die dicht gedrängt stehenden Besucher, darunter auch Bürgermeister Daniel Heß mit Frau Monika, erleben hautnah, wie die als Bauern verkleideten Narren den Reisig stehlenden Dieb jagen und ihn letztlich auf einem Baum sitzend stellen. Ganz still verfolgen die Zuschauer, wie der Fluchtbaum abgesägt wird und das Hasle Maale regungslos am Boden liegen bleibt.

Die Riesenkobolde mit gelb-leuchtenden Augen sorgen für eine gruselige Atmosphäre im Forst.
Die Riesenkobolde mit gelb-leuchtenden Augen sorgen für eine gruselige Atmosphäre im Forst.

Als Nebelschwaden aufsteigen und sich immer mehr zottelige Schrate mit gelb-leuchtenden Augen nähern, ist die Anspannung unter den vielen jungen Zaungästen spürbar. Gut, dass ein Riesenkobold unter seiner Holzmaske so wenig sieht, dass er einen Baum streift und zum Schluss noch über einen Scheinwerfer stolpert. Befreites Lachen ist zu hören. Den Zuschauern hat es gefallen. Die Meersburger Sebastian Kolbe und Markus Waibel, die mit ihren Familien gekommen sind, loben die" schöne Tradition". Die Erweckungssage sei am Schönsten im Wald, findet Waibel. Melina und Carina sind auch ganz begeistert. Tante und Onkel – diesmal ohne Koboldmaske – halten noch ein Leckerchen für die Besucherinnen aus dem Deggenhausertal bereit. Gemeinsam wird das Überraschungsfeuerwerk bestaunt, das die Narrengemeinschaft Hasle Maale zur närrischen Geburtstagsfeier aus dem Wald zaubert.

Der fünften Jahreszeit mit Rathaussturm, Narrenbaumstellen am Schmotzigen Duntschdig und Flohmarkt am Fasnachtsdienstag steht in Stetten nun nichts mehr im Weg.