Verkleidet als Heilige Drei Könige, ausgerüstet mit stark duftendem Weihrauch, Kreide und Aufklebern zogen in den vergangen Tagen vielerorts wieder Zehntausende von Kindern singend von Haustür zu Haustür, um Segen zu spenden und für den guten Zweck Geld zu sammeln. Exemplarisch hat der SÜDKURIER eine von zwei Kindergruppen in Stetten begleitet. Warum engagieren sich die jungen Menschen und welche Erfahrungen machen sie an den fremden Haustüren? Die zwölfjährige Paulina Ströbele, die schon öfter als Sternsinger unterwegs war, nimmt teil, "weil wir in unserem Alter sonst nur wenig Gutes tun können. So können wir auf diese Art spenden". Aus dem gleichen Grund ist Niklas Hübschle dabei: "Es ist eine gute Möglichkeit zu helfen."

Feuerwehrkommandant Dagobert Heß (Mitte) zollt den Sternsingern Anerkennung dafür, dass sie ihre Freizeit investieren. An seiner Seite Tochter Lilli und Ehefrau Barbara (von links). Die Sternsinger David Schlecker und Robin Hübschle, verdeckt Niklas Hübschle.
Feuerwehrkommandant Dagobert Heß (Mitte) zollt den Sternsingern Anerkennung dafür, dass sie ihre Freizeit investieren. An seiner Seite Tochter Lilli und Ehefrau Barbara (von links). Die Sternsinger David Schlecker und Robin Hübschle, verdeckt Niklas Hübschle. | Bild: Lorna Komm

Die Süßigkeiten, die sie manchmal zugesteckt bekommen, nähmen sie zwar dankbar als Wertschätzung ihres Tuns an, sie seien aber nicht ausschlaggebend für ihre Motivation. Auch während des Jahres sind Hübschle und sein Bruder Robin bei der Jugendfeuerwehr sozial engagiert. Ebenso wie David Schlecker, der außerdem als Ministrant tätig ist. Alle drei sind schon seit Jahren dabei und kennen selbst die Tücken des Weihrauchs: Er kann Rauchmelder auslösen und manche Menschen mögen den starken Geruch nicht. Die Menschen seien weitgehend freundlich. Nur im vergangenen Jahr sei ihnen einmal die Tür direkt vor der Nase zugeschlagen worden, erinnert sich Robin Hübschle. Immer öfter träfen sie auf Menschen aus anderen Kulturkreisen, die diese christliche Tradition nicht kennen und erstaunt auf die Verkleidung reagierten. Nach kurzer Aufklärung spendeten dann auch sie für den guten Zweck, berichten die Jungs.

Obwohl die teilnehmenden Kinder teilweise bereits jahrelange Erfahrung als Sternsinger haben, wurden sie wieder umfassend auf die Aktion vorbereitet. Etwa damit sie bei Nachfragen Auskünfte über das diesjährige Spendenziel "Gemeinsam gegen Kinderarbeit in Indien und weltweit" geben können.

Abwechselnd schreiben Niklas Hübschle und David Schlecker (von links) den Segen mit Kreide an die Türen. Auch Aufkleber anstelle der Kreidezeichen sind immer öfter gewünscht.
Abwechselnd schreiben Niklas Hübschle und David Schlecker (von links) den Segen mit Kreide an die Türen. Auch Aufkleber anstelle der Kreidezeichen sind immer öfter gewünscht. | Bild: Lorna Komm

Warum spenden die Menschen bei der Sammelaktion? Viele der Besuchten antworten zum einen, "um Kindern in Not zu helfen", aber auch weitaus öfter, "um die Tradition aufrecht zu erhalten". Bernhard und Sabine Müller freuen sich jedes Jahr auf die Sternsinger. "Wir hoffen immer, dass wir auch zu Hause sind und die Sternsinger nicht verpassen", sagt das Ehepaar und Sabine Müller führt aus: "Das ist eine schöne alte Tradition, die in heutiger Zeit erhalten bleiben soll." Viele der Spender waren früher selbst als Sternsinger unterwegs, wie zum Beispiel Konrad Walser. Er weiß noch, dass es damals für die Sternsinger selbst ebenfalls Geld gab. Im Gegensatz zu heute durften die Kinder früher Geldspenden annehmen. "Das war damals ein großer Anreiz, da wollte jeder Sternsinger sein", gibt Konrad Walser lachend zu.

Bei Familie Heß hat die Teilnahme am Sternsingen genauso Tradition. "Ich war selber auch oft bei den drei Königen dabei, das war immer toll", sagt Dagobert Heß und seine beiden Töchter hätten ebenso schon mitgemacht. Der Feuerwehrkommandant findet es "toll, dass die Kinder ihre Freizeit investieren" und nickt bei seiner Aussage den Sternsingern vor seiner Tür anerkennend zu. "Heutzutage ist es schwer, Kinder zu finden, die mitmachen wollen", sagt Regina Schlecker, die unter Mithilfe anderer Eltern diesmal die Organisation für die Stettener Sternsingergruppen übernommen hat. Früher hätten sich die Kinder fast um so ein Amt gerissen und die Organisatoren hätten sogar auswählen und abweisen müssen.

"Mittlerweile haben die Kinder zu viele Angebote und auch genug Süßigkeiten. Eine Tafel Schokolade hat nicht mehr den Stellenwert wie vor ein paar Jahren", stellt die Mutter von drei Söhnen bedauernd fest. Außerdem wolle seit ein paar Jahren auch keiner mehr den Afrika symbolisierenden König Caspar spielen, ein Trend von dem Schlecker auch aus anderen Landkreisen gehört hat: "Die Kinder wollen keine Farbe mehr im Gesicht, gerade wenn es regnet oder schneit."

 

Sternsinger

Das Sternsingen ist die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. 1959 hat das Kindermissionswerk den ursprünglichen Brauch des Königssingens, der bis ins Mittelalter zurückreicht, aufgegriffen und ihm das wohltätige Ziel gegeben. 1961 ist der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) als weiterer Träger hinzugekommen. Die vom Kindermissionswerk empfohlene Schreibweise des Haussegens 20*C+M+B+18 hat, entgegen der volkstümlichen Auslegung, dass CMB für Caspar, Melchior und Balthasar stehe, folgende Bedeutung: "Christus Mansionem Benedicat" (CMB) für "Christus segne dieses Haus", ein Stern für den Stern von Bethlehem und die drei Kreuze für den dreifaltigen Gott, eingerahmt von der aktuellen Jahreszahl.