Kalt war es, als sich das närrische Volk mit seiner Musikkapelle in dunkler Stunde vor dem Rathaus versammelte. Der Hasle-Maale sollte erweckt und so das Narrentreiben eingeläutet werden. In der Halbmond hellen Nacht machte sich die Schar schnellen Schrittes durch das Dorf zum dichten, dunklen Wald auf, um bei der Erweckung dabei zu sein.

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Die Melodien der Lumpenkapelle motivierten zum Marschieren. Im Wald angekommen stärkte sich das Narrenvolk zunächst mit Punsch und Glühwein – und die Kapelle spielte. Dann begann das Schauspiel. Einst holte sich der Besenbinder und Korbflechter Hasle-Maale das für sein Handwerk Erforderliche unerlaubt aus dem Wald. Die Bauern und Waldbesitzer waren das Leid und wollten ihm sein freches Handeln austreiben.

Der Oberwaldgeist von Stetten ist nur einmal im Jahr zu sehen. Er leitet seine Waldgeister bei der Erweckung des Hasle-Maale an.
Der Oberwaldgeist von Stetten ist nur einmal im Jahr zu sehen. Er leitet seine Waldgeister bei der Erweckung des Hasle-Maale an. | Bild: Mardiros Tavit

Flink wie eine Eichkatze kletterte er auf einen hohen Baum, um sich dort verborgen zu halten. Da er auf Rufe nicht reagierte, wurde der Baum von den nach Strafe dürstenden "Stettheimern" gefällt. Der Korbflechter stürzte mit ihm zu Boden und war auf der Stelle tot.

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Alljährlich zur Fasnet wird er durch den weißen Oberwaldgeist wiedererweckt. Dieser tritt ausschließlich bei diesem schaurig gruseligen Spiel auf, sonst ist er nicht zu sehen. Die Waldgeister reiben und salben den unter Zweigen tot daliegenden Hasle-Maale mit allerlei Ekligem aus dem Wald ein. So wird der diebische Korbflechter für die fünfte Jahreszeit wieder ins Diesseits geholt. Mit dreifachen "Hasle-Maa – kumm rab" und "Narri-Narro" wurde er vom Narrenvolk und Narrensamen empfangen.