Eine Woche lang haben sich Zweit- und Drittklässler mit Leben und Sterben auseinandergesetzt. Von der Hospizgruppe Salem kindgerecht geführt, ließen die 34 Schüler zum Projektende ihre Eltern am Erfahrenen teilhaben. Was macht eigentlich ein Bestatter? Was, glaubst du, passiert nach dem Tod? Wie kann ich einem Schwerkranken helfen? Intensiv hatten sich die Schüler zusammen mit acht Ehrenamtlichen der Hospizgruppe über Werden und Vergehen, Krankheit und Leid, Tod und Sterben, Traurigsein und Trösten Gedanken gemacht. Initiatorin Katharina Goldmann vom Hospizverein erzählte in der Elternrunde: "Wir haben viel miteinander gesprochen, haben uns aber auch getröstet und umarmt."

Religiöser Aspekt wird bewusst ausgeklammert

Der Einsatz von Handpuppen oder Zeichentrickgeschichten habe für die nötige Distanz zur Thematik gesorgt. Den religiösen Aspekt ließen die ehrenamtlich tätigen Helfer bewusst aus. "Der Umgang mit Tod ist ganz individuell", sagt Goldmann. Die Antworten der Schüler geben ihr Recht. Mancher stelle sich vor, dass die Toten zu Gott kommen, erklärt Paul auf die Frage nach dem Danach. "Andere denken, dass die Toten auf einer Wolke chillen und Kirschen und Pommes essen", weiß Lara.

Wie selbstverständlich kommen die Antworten zu den Fragen, die nicht immer ganz leicht sind. Wie ist es, wenn man tot ist, lautet eine. "Dann sind wir ein bisschen traurig", antwortet Daniela. Lorenz hat die Aufgaben eines Bestatters, wie das Waschen des Verstorbenen, noch gut in Erinnerung.

Nicht todernst, sondern kindgerecht und mit viel Spaß und Spiel haben sich die Stettener Grundschüler unter Anleitung der Hospizhelfer mit Tod und Sterben beschäftigt.
Nicht todernst, sondern kindgerecht und mit viel Spaß und Spiel haben sich die Stettener Grundschüler unter Anleitung der Hospizhelfer mit Tod und Sterben beschäftigt. | Bild: Martina Wolters

Bestatter und Ärztin erzählen von ihrer Arbeit

Schließlich war ein Bestatter zu Besuch und erzählte von seiner Arbeit. Auch die gemalten Gräber, Bagger und Blumen an den Klassenzimmerwänden zeugen davon. Eine Ärztin besuchte die Kinder ebenfalls und beantwortete alle ihre Fragen. In dem Alter seien die Schulkinder sehr naturwissenschaftlich interessiert, weiß Goldmann aus vorhergehenden Angeboten an anderen Schulen und von einer speziellen Schulung bei der Bundeshospizakademie.

Kinder stellen Eltern Ergebnisse der Projektarbeit vor

Die Ergebnisse der Projektwoche sind vielfältig und in Form von Plakaten, Gedichten und Geschichten oder bemalten Troststeinen für die Erwachsenen nachvollziehbar. Auf ausgeschnittenen weißen oder grauen Wolken haben die Kinder schöne und weniger angenehme Dinge notiert. Malen, Seil springen oder Flöte spielen steht auf dem hellen Wolkenblatt; Alleinsein im dunklen Wald, Streit oder Gewitter auf dem dunkleren.

Gemeinsam mit Hospizhelfern und Lehrerinnen führen die Kinder einen Lastentanz vor, bei dem sie zunächst traurig-gebückt und später fröhlich tanzen. Auch das Pantomimenspiel zum Thema Krankheit geht kindgerecht und nicht todernst vonstatten. Die Kinder mimen Krankheiten wie Gehirnerschütterung oder Übelkeit und die Mamas und Papas versuchen, sie zu erraten.

Hospizgedanke "ich bin für dich da" wird weitergetragen

Alle zusammen stimmen ein Trostlied an: "Das wünsch' ich sehr, dass immer jemand bei dir wär, der lacht und spricht, fürchte dich nicht." Die Eltern spenden Beifall. "Wir sind dankbar für das ganz intensive Projekt", sagt Rektorin Silke Schönfelder an die Adresse des ehrenamtlichen Teams von der Hospizgruppe, Katharina Goldmann, Sigrid Rebholz, Ulrike Benz, Ulla Gräpel, Kaya Sick sowie Christine Engelmann, Bärbel Meier-Wichmann und Wolfgang Websky.

Silke Schönfelder, Rektorin: "Tod und Sterben gehören zum Leben dazu. Ich fand es interessant, wie offen die Kinder damit umgehen, sodass ich glaube, dass viele Ängste eher von den Eltern her kommen."
Silke Schönfelder, Rektorin: "Tod und Sterben gehören zum Leben dazu. Ich fand es interessant, wie offen die Kinder damit umgehen, sodass ich glaube, dass viele Ängste eher von den Eltern her kommen." | Bild: Martina Wolters

Sprecherin Katharina Goldmann gibt den Dank zurück. Beim Schulprojekt werde der Hospizgedanke "ich bin für dich da" weiter getragen, freut sie sich. Gerade in der heutigen digitalisierten und oft anonymen Welt werde sonst oft der Mensch gar nicht mehr gesehen, fasst sie das Projektziel zusammen.

Katharin Goldmann (links) von der Hospizgruppe Salem hat wie ihre Kollegen das Wohl der Kinder fest im Blick. Trotz des großen Vorbereitungsaufwands freut sie sich, mit dem Schulprojekt den Hospizgedanken weitertragen zu können.
Katharin Goldmann (links) von der Hospizgruppe Salem hat wie ihre Kollegen das Wohl der Kinder fest im Blick. Trotz des großen Vorbereitungsaufwands freut sie sich, mit dem Schulprojekt den Hospizgedanken weitertragen zu können. | Bild: Martina Wolters

"Tod und Sterben gehört zum Leben dazu. Ich fand es interessant, wie offen die Kinder damit umgehen, sodass ich glaube, dass viele Ängste eher von den Eltern her kommen."

Silke Schönfelder, Rektorin

"Am besten hat mir gefallen, dass eine Ärztin und ein Bestatter da waren und uns erklärt haben, was sie machen. Sehr gut gefallen hat mir auch, Blumentöpfe zu bemalen und etwas einzupflanzen."

Lisa, Zweitklässlerin