Wenn sich einer bei der Freiwilligen Feuerwehr Stetten auskennt, dann ist es Siegfried Serden. "Es hat sich sehr, sehr viel geändert bis heute", sagt er mit Blick auf die rasante Entwicklung von Feuerwehrarbeit und -ausrüstung. Als er 1961 mit 21 Jahren eintrat, gab es nur einen Einachsanhänger mit Tragkraftspritze.

Sehr primitive Anfänge

"Es hat alles sehr, sehr primitiv angefangen", erinnert sich der heutige Alterskamerad an seine aktive Zeit. Statt per Piepser wurden die Feuerwehrler zunächst noch per Hornsignal alarmiert. "Da haben wir erst einmal aus dem Fenster geschaut, wo es im Dorf brennt", erinnert sich der 78-Jährige. Das Signal, von einem Hornisten gespielt, hat er auch noch genau im Ohr: "Tää-tää-tä-tä-tää-tää-tä-täätä-tää-tä-tää", summt er. "Feuerwehrmann, zieh deine Stiefel an, es brennt, es brennt, es brennt", habe das geheißen.

Uniformen lagerten einst zu Hause

Die Einsatzkleidung war einst nicht wie heutzutage im Feuerwehrhaus deponiert, sondern musste noch zu Hause angezogen werden. "Das geht jetzt viel schneller", meint Serden mit Blick auf einsatzfähig vorbereitete Uniformen in einem modernen Feuerwehrgerätehaus. Vormals diente eine Garage als Unterstand für die Tragkraftspritze.

Die veränderte, moderne Einsatzkleidung präsentieren (von links): Hermann Kumm, Siegfried Serden, Herbert Schellinger, August Mark und Josef Brunner.
Die veränderte, moderne Einsatzkleidung präsentieren (von links): Hermann Kumm, Siegfried Serden, Herbert Schellinger, August Mark und Josef Brunner. | Bild: Privat

Ausgerückt seien er und die Kameraden auch in den Anfangszeiten relativ schnell, ähnlich der heutzutage vorgegebenen zehn Minuten. "Das Dorf war klein, wir hatten keine weiten Wege." Und noch einen Vorteil führt Serden an: "Fast alle führten einen landwirtschaftlichen Betrieb und lebten und arbeiteten folglich am Ort." Gegenwärtige Probleme, dass vielerorts oft zu wenige Einsatzkräfte tagsüber verfügbar seien , habe es nicht gegeben.

Brandeinsätze lösen Streit aus

Was allerdings durchaus vorgekommen sei, dass regelrecht darum gekämpft wurde, zu welchem Dorf das Feuer denn "gehört" und wer es schlussendlich bekämpfen durfte. Vor allem bei Großbränden habe es da "Händel zwischen Bürgermeistern" gegeben. Denn bei Großeinsätzen musste eine Überlandhilfe angefordert werden und nur der Bürgermeister hatte die Befugnis dazu. In heutiger Zeit existiert ein Alarmierungsverbund: "Automatisch werden Meersburg, Daisendorf, Uhldingen, Hagnau und eventuell Immenstaad automatisch alarmiert. Die großräumige Alarmierung ist der größte Fortschritt", sagt Serden.

Immer mehr technische Hilfeleistung

"Es freut mich, dass heute alle zusammenarbeiten und an einem Strick ziehen", sagt er auch im Hinblick auf "zunehmend schwerere Einsätze durch deutlich höheres Verkehrsaufkommen". Deutlich weniger Wasser werde im Vergleich zu früheren Zeiten verbraucht, weil die Wehr immer öfter zu technischen Hilfeleistungen und weniger zu Bränden ausrücken müsse. 63 Prozent der Stettener Einsätze in den vergangenen zehn Jahren fallen laut Feuerwehrstatistik unter die Rubrik technischer Hilfe.

"Immer schärfer werdende Vorschriften" sieht der versierte Feuerwehrmann und frühere stellvertretende Kommandant als Hemmschuh. Für alles müsse heutzutage ein Kurs gemacht werden. "Dabei haben wir eine schlagkräftige Wehr in Stetten." Frühzeitig seien Kinder und Jugendliche herangezogen worden." Schon 1995 konnten wir sechs Mädchen und 14 Jungen aufnehmen."

Lob auf Kameradschaft

"Eine Feuerwehr kann nie ohne Kameradschaft bestehen", sagt Siegfried Serden, der seit 57 Jahren Teil der Stettener Wehr ist. Gerade wegen der hohen Anforderungen an die Ehrenamtlichen durch Proben, Ausbildungszeiten und schwer zu verkraftende Unfalleinsätze seien das gesellige Beisammensein und Feste als Ausgleich das A und O.

Seit Gründung im Jahr 1949 hat es bis 1968 sogar noch eine Feuerwehrkapelle in Stetten gegeben, die, wenn gewünscht, für Stimmung sorgte. Serden selbst hat noch unter dem damaligen Dirigenten und späteren Kommandanten Willi Kumm das Susaphon geblasen. Gerne erinnert er sich an die zünftige Musikunterhaltung der zeitweise achtzehnköpfigen Formation zum Beispiel an Fasnacht mit "richtiger Blasmusik". Ende der 70er bekam die die Kapelle zunächst noch einen eigenen Namen. Der neu benannte Musikverein Stetten sei dann aber "wegen Querelen und schließlich mangels Masse" aufgelöst worden.

Übungen schweißen zusammen

Auch gemeinsame Übungen können zusammenschweißen. Serden berichtet beispielsweise von der ersten Teilnahme einer Löschgruppe Stettens an einer Leistungsübung in Wintersulgen im Jahr 1964. Bei einem Grad Minus Anfang Juni startete die neunköpfige Crew damals noch mit Privatautos. Insgesamt waren es zu der Zeit rund 20 Feuerwehrmänner. Dass sie die allererste Übungsteilnahme gleich erfolgreich absolvierten und mit einem Leistungsabzeichen in Bronze heimkehrten, hat laut Serden "sehr zur Kameradschaft beigetragen". In den 60er Jahren seien Proben am Samstagmittag oder teils sonntags vor dem Gottesdienst um 7 Uhr früh selbstverständlich gewesen. Das sei heute kaum mehr denkbar. Dafür gibt es derzeit regelmäßige Probenpläne, geprobt wird unter der Woche.

Gemeinsames Tun war und ist auch beim alljährlichen Weinfest der Stettener Wehr gefragt. "Das Fest ist ein Highlight bis heute." Ende August wird das 37. Feuerwehrweinfest auf dem Goisbichel gefeiert.

Autoritärer Führungsstil passé

Kameradschaftspflege wird auch zu anderen Freiwilligen Feuerwehren wie zum Beispiel zu der benachbarten Münsterlinger Wehr auf der gegenüberliegenden Seeseite groß geschrieben. "Die Partnerschaften funktionieren bis heute", unterstreicht der 78-Jährige den guten Zusammenhalt.

Auch beim Führungsstil hat sich einiges in Richtung mehr Partnerschaftlichkeit getan. Sei in den 60er Jahren noch eher autoritär regiert worden, hat es sich danach nach Ansicht von Siegfried Serden "mehr und mehr legerer entwickelt".

 

Aktuelle Situation der Freiwilligen Feuerwehr Stetten

  • Aktuell führt Dagobert Heß das Kommando. Thomas Hopp und Till Bruzek stehen ihm zur Seite. Die Wehr hat 57 Mitglieder, davon 35 Aktive (30 Männer, fünf Frauen). Neun Kameraden bilden die Altersmannschaft. 14 Jugendliche bilden die "Löschzwerge", denen Christina Mayr als Jugendwart und Florian Hollitsch als ihr Stellvertreter vorstehen. Fabian Ritzler sorgt für die Ausbildung.
  • Im Jahr 2017 rückte die Stettener Wehr 27 Mal aus, darunter waren 16 technische Hilfeleistungen und sechs Brandeinsätze. Auch einen Großbrand in Uhldingen- Mühlhofen hatten die Helfer zu bewältigen. Hinzu kommen viele Übung- und Weiterbildungsstunden. Insgesamt sind so 110 Termine für die Freiwilligen zusammengekommen, wie Bürgermeister Daniel Heß bei der Hauptversammlung im März bekanntgegeben hat. (mw)