Die orthodoxe Christin berichtete vom friedlichen Miteinander der verschiedenen christlichen Konfessionen vor Kriegsbeginn. Die seit 2014 in Meersburg lebende Mutter zweier Kinder gab einen Überblick über den Lebensstil aus christlicher orientalischer Sicht und keinen persönlichen Flüchtlingsbericht, aber trotzdem war der ihr Bericht teilweise sehr emotional.

Die Syrerin Hala Jabour und das Organisatorenteam des CVJM: Verena Wolf, Silvia Engel und Antonia Kaufmann (von links) beim Frauentee in Stetten.
Die Syrerin Hala Jabour und das Organisatorenteam des CVJM: Verena Wolf, Silvia Engel und Antonia Kaufmann (von links) beim Frauentee in Stetten. | Bild: Lorna Komm (lko)

Bei dem Bildervergleich von Fotos des Kulturzentrums, ihrer Kirche oder der Schule, an der die Mathematiklehrerin vor 2011 unterrichtet hatte, mit Fotos der gleichen Gebäude als zerbombten Ruinen, war die Referentin den Tränen nahe und mit ihr viele Frauen aus dem Publikum.

Bis Kriegsbeginn 2011 stellten die Christen in Syrien eine kleine Minderheit von etwa acht bis 10 Prozent der Bevölkerung, berichtete sie. In Jabours Heimatstadt Tabaka in der Nachbarprovinz von Aleppo lebten etwa 320 christliche Familien. Die hohen kirchlichen Feiertage wie Weihnachten oder Ostern seien genauso gefeiert worden wie in Europa.

Die Kinder haben Schulpflicht bis zur neunten Klasse und christlicher Religionsunterricht war vom Bildungsministerium vorgesehen, erzählte Jabour von den Parallelen. Unterschiedlich rechtlich behandelt werde die Eheschließung. In Syrien sei die vorherige kirchliche Trauung verpflichtend, ohne diese gäbe es keinen Eintrag beim Standesamt. Der Ehering werde an der linken Hand getragen. In den dreimonatigen Sommerferien habe sie mit ihrem Mann, einem inzwischen auch in Deutschland approbierten Zahnarzt, Ferienbetreuung für Jugendliche organisiert.

Das aus europäischer Sicht gleich klingende Leben unterscheide sich aber in „Allem“, antwortet Jabour auf Zuschauerfrage. So hoffe sie, eines Tages zurückkehren zu können. Eltern, Freunde und Geschwister sein in Syrien geblieben. Bis dahin wolle das Ehepaar aber hier für die Zukunft ihrer Kinder ein gutes und angstfreies Leben aufbauen, sagt Jabour, die in Meersburg eine Ausbildung zur Erzieherin begonnen hat.