Spätestens, als alle Parkplätze besetzt waren, dämmerte es der Narrengesellschaft Hasle-Male, dass ihre Premiere ein Volltreffer wird: Zum ersten Dämmerflohmarkt hatten sich mehr als 70 Hobbyhändler angemeldet, auch aus der Schweiz und Österreich, hatten ihre Tische mit wertigem Alten und neuem Krimskrams bestückt. Und die Besucher strömten.

Die letzten hatten noch am Morgen der Veranstaltung einen Platz angefragt, einige waren einfach auf Verdacht gekommen. Für alle fand sich ein Plätzchen rund um den Bauhof, so Zunftrat Michael Weißenrieder, der vom Ansturm überwältigt war und diesen weitgehend auf Nadine Röder zurückführte: Die junge Dame hatte sich um die Werbung gekümmert, die Veranstaltung über Flyer und Medien bekannt gemacht und stand selbst am neuen Crêpestand, an dem die Helfer mit der Erfüllung der Wünsche der Besucher kaum hinterherkamen.

Der Andrang brachte die rund 45 Helfer allein am Samstag an Grenzen. Schlangen bildeten sich auch vor dem Grillstand. Wenigstens war das Warten kurzweilig: Einige probierten sich am Stand des Daisendorfer Schützenvereins und Werner Fox spielte vergnügt auf dem Akkordeon vor den Biertischen, an denen sich die Besucher vor ihrer zweiten Runde zum Suchen und Kruschteln ausruhten. Viele freuten sich über neu erworbene Schätze. Die Händler freuten sich über den regen Zuspruch in lauschig-nächtlicher Atmosphäre. Obwohl Sarah Scheitle, 26, aus Daisendorf mit ihrem Stand am Rande platziert war, hat sich der Tag schon nach zwei Stunden gelohnt, da sie Klamotten, Schuhe und Ohrringe an die Frau gebracht hat: „Ich finde die Idee des Dämmerflohmarkts cool, bei den Leuten kommt es echt gut an.“

Mittendrin ist Gerda Eggers aus Friedrichshafen, die das schöne, „fast familiäre“ Flair lobt und zerbrechliche Ware feilbietet. Sie hält einem potenziellen Kunden ein ziseliertes Schnapsgläschen hin, damit er dessen Rand erspüren kann: „Je feiner das Glas, desto besser schmeckt der Inhalt.“ „Die erinnern mich an meine Kindheit“, bemerkt Birgit Kammer aus Stetten. Mit Spaß bieten auch Andrea Lebek und Ingrid Renz aus Salem ihre Artikel an: „Die Leute sind sehr nett und es ist eine schöne Stimmung.“

Catharina Knickmeyer und Julian Kögel aus Meersburg stöbern nach altem Geschirr für Blumengestecke für ihre Hochzeit im nächsten Jahr. Ben, eineinhalb Jahre, freut sich über fünf Weingläschen aus seiner Heimat Hagnau, die er mit seinen kleinen Händen halten kann; die Eltern Anja und Alexander Heim über den Spottpreis von zwei Euro und Angelo aus Stetten über eine geschenkte Plüschfigur. Glücklich ist Jan Manuel Heß über sein ausziehbares Stativ mit Lederetui für neun Euro und über das „Geschichtsbuch für höhere Klassen von 1882“.

Zwischendurch sorgen Rolf Weißenrieder und Sabine Kopp für Menschenaufläufe. Vor uriger Kulisse, mit markanten Sprüchen, versteigern sie Exklusives und Seltenes. Hier wird eine bauchige Silberteekanne für sieben Euro ersteigert, dort eine vermeintliche „Ming“- Vase für Taschengeld. „Wenn man sieht, wie so etwas angenommen wird, macht das den riesigen Aufwand wett“, resümiert Weißenrieder und strahlt. Und ganz zum Schluss, weit nach Mitternacht, hatte er sich auch ins Barzelt begeben und mit Kollegen auf die erfolgreiche Premiere angestoßen. Fest steht schon jetzt: Nächstes Jahr gibt es wieder einen Dämmerflohmarkt.

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