Während vor dem Stettener Rathaus alles grünt und blüht, sieht es auf der Baustelle im Untergeschoss derzeit noch kahl und grau aus. Doch schon bald sollen die Räume wieder mit Leben gefüllt werden: Der Musikverein Daisendorf/Stetten hat hier eine neue Heimat gefunden. Bis dahin war es ein langer Weg.

Der Musikverein Daisendorf/Stetten erhält im Untergeschoss des Stettener Rathauses sein neues Probelokal.
Der Musikverein Daisendorf/Stetten erhält im Untergeschoss des Stettener Rathauses sein neues Probelokal. | Bild: Mardiros Tavit

Musiker weichen zunächst in den Daisendorfer Bürgersaal aus

Kurz vor Weihnachten 2016 erhielten die Mitglieder die Nachricht, dass ihr Musikerheim für den Ausbau des Kindergartens von der Gemeinde benötigt werde und sie ausziehen müssen. Als Alternative erhielt der Verein den Daisendorfer Bürgersaal als Probestätte. Auf der Empore konnten die Musiker ihre Instrumente und Noten lagern. "Dafür wurde der Aufgang mit einer verschließbaren Tür versehen", erzählt Tom Wagener, Vorsitzender des Vereins. "Es hat damals holprig angefangen", erinnert er sich. Denn die Kommunikation zwischen dem Verein und der Gemeindeverwaltung sei auf dem Nullpunkt gewesen, es habe kein gegenseitiges Vertrauen gegeben. "Zuerst hieß es, dass wir vor der Fasnet raus müssen." Das hätte keine zwei Monate Vorbereitung bedeutet. Ausgezogen ist der Verein dann im Juni 2017.

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Probleme mit Terminüberschneidungen

Kaum im Bürgersaal eingerichtet, gab es bald Probleme mit Terminüberschneidungen, erinnert sich Wagener. Aber die seien behoben worden und der Betrieb habe sich schnell eingespielt. 2018 habe es keine Beanstandungen gegeben. "Wir sind ziemlich geräuschlos einander vorbeigekommen", sagt er im Rückblick. Er betont, sein Dank gelte Bürgermeisterin Jacqueline Alberti, die alle Zusagen eingehalten habe.

Lange Suche nach neuen Räumen

Aber so richtig warm wurden die Musiker im Daisendorfer Rathaus nicht, erzählt Wagener. Parallel zum Probebetrieb habe der Verein ständig die Fühler nach einer neuen Heimat ausgestreckt. Denn obwohl im Zuge des Auszugs versprochen worden sei, dass die Musiker ihr Probelokal zurückbekommen, wenn der Bedarf für den Kindergarten nicht mehr besteht, habe schon bald keiner mehr an eine Rückkehr geglaubt. "Den Zahn hatte ich ihnen gleichgezogen", erinnert sich auch Daisendorfs Bürgermeisterin Jacqueline Alberti, die seit November 2017 im Amt ist. Damals hatte sie auch die Kindergartenbaustelle übernommen.

Wagener lobt gute Kommunikation zwischen Bürgermeisterin und Verein

"Das Bedürfnis nach offener, ehrlicher Kommunikation war da. Dabei war die Bürgermeisterin eine super Ansprechpartnerin", lobt Wagener die Zusammenarbeit mit Alberti. Denn schnell sei klar gewesen, dass mit der erwarteten Bevölkerungsentwicklung und den zunehmenden Auflagen für den Kindergarten eine Rückgabe des Gebäudes an die Musiker nicht infrage kommen würde.

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Stettens Bürgermeister Daniel Heß bietet Räume im Rathaus-Untergeschoss an

Bereits Ende 2016 hatte Daniel Heß, Bürgermeister von Stetten, versprochen, auch in seiner Gemeinde nach Möglichkeiten für die Musiker zu suchen. Aber bis Ende 2018 gab es dort keine freien Räume. Dann sei es jedoch schnell gegangen, erzählt Wagener: "Vor Weihnachten kam Bürgermeister Heß auf mich zu. Und im Januar hatten sich die Überlegungen konkretisiert." Im ehemaligen Kindergarten im Untergeschoss des Rathauses der Gemeinde Stetten waren seit dem Herbst 2015 Flüchtlinge untergebracht. Die Bewohner konnten Anfang des Jahres in das ehemalige Feuerwehrhaus umziehen. So konnte Stettens Bürgermeister Daniel Heß dem Musikverein die frei gewordenen Räume anbieten. "Am Aschermittwoch bekam ich die Schlüssel", erinnert sich Wagener.

Noch steht Tom Wagener alleine auf der Baustelle des neuen Probelokals. Bis zum Sommer wollen die Musiker einziehen. Mardiros Tavit
Noch steht Tom Wagener alleine auf der Baustelle des neuen Probelokals. Bis zum Sommer wollen die Musiker einziehen. Mardiros Tavit | Bild: Mardiros Tavit

Mitglieder wollen beim Umbau viel in Eigenleistung stemmen

Bei der Hauptversammlung zeigte sich der Vorsitzende sehr glücklich und dankbar, dass sein Verein wieder eine ständige Bleibe gefunden hat. "Der Stettener Gemeinderat hat mitgezogen, alles war sehr unbürokratisch." Jetzt liege es in der Hand des Vereins, wie schnell er seine neuen Räume beziehen werde. "Wir werden viel in Eigenleistung machen müssen und haben auch schon angefangen. Wir haben viele Handwerker im Verein, die werden alle Helfer anleiten", sagte er an seine Musiker gewandt.

Der neue Vorstand des Musikvereins Daisendorf/Stetten (von links): Beisitzer Michael Pfau, Vorsitzender Tom Wagener, Jugendwartin Luisa Kopp, Dirigent Michael Mensinger, Jugendwartin Magdalena Malin, stellvertretender Vorsitzender Julian Daschner, Kassiererin Carina Mensinger und Schriftführerin Gabriele Meesmann.
Der neue Vorstand des Musikvereins Daisendorf/Stetten (von links): Beisitzer Michael Pfau, Vorsitzender Tom Wagener, Jugendwartin Luisa Kopp, Dirigent Michael Mensinger, Jugendwartin Magdalena Malin, stellvertretender Vorsitzender Julian Daschner, Kassiererin Carina Mensinger und Schriftführerin Gabriele Meesmann. | Bild: Mardiros Tavit

Ziel ist Fertigstellung im Sommer

Die Decke, die Zwischenwände und der Boden seien schon entfernt und entsorgt worden. "Wir holen jetzt Angebote für den Boden, die Decke und die Elektroinstallation ein". Wagener hofft auf Zuschüsse der Patengemeinden. Aber er weiß auch, dass die Haushalte schon verabschiedet sind und der Umbau deshalb so kostengünstig wie möglich gelingen muss. Als Zieltermin für die Fertigstellung hat er den kommenden Sommer vorgegeben. Dann würde für die Musiker nach mehr als 40 Jahren Vereinsgeschichte in Daisendorf eine neue Ära in Stetten beginnen.

"Probten am Anfang bei mir im Garten"

Martin Menner (70) ist Gründungsmitglied des Musikvereins Daisendorf/Stetten. Der Alt-Daisendorfer erinnert sich im Interview mit Mardiros Tavit an die Anfänge.

Herr Menner, wieso hat der Musikverein zwei Patengemeinden?

Damals kamen einige Daisendorfer Musikanten aus der Meersburger Knabenmusik raus, sie wollten aber nicht in Meersburg weiterspielen. Stetten hatte einen eigenen Musikverein, hatte aber Personalmangel. So haben wir 1976 als loser Haufen zusammengespielt.

Wie kam es 1978 zur Gründung des Vereins?

Siegfried Willibald hatte die Idee, eine Fasnetskapelle zusammenzustellen. Daraufhin bekamen wir Anfragen, ob wir nicht im August auf einem Fest spielen wollen. Die Vereinsgründung hatte dann versicherungsrechtliche Gründe. Wir hatten schon unsere kleinen Wappen mit "D/S" als Schriftzug gehabt. Und so haben wir uns weiterhin "Daisendorf/Stetten" genannt.

Wo haben sie damals geprobt?

Ganz am Anfang bei mir im Garten. Später auch bei Siegfried Willibald im Schlafzimmer. Damals waren wir so zwölf bis 14 Musikanten. Als die Verwaltung aus dem alten Rathaus ins Gemeindezentrum umzog, haben wir dort die Räume im Obergeschoss als Probelokal bekommen.

Wie kam der Musikverein zu seinem Musikerheim, in dem er dann 30 Jahre blieb?

Die Daisendorfer Zwergschule wurde aufgelöst. Dort wurden die Klassen eins bis acht in einem großen Raum unterrichtet. Die Schüler mussten nach Meersburg. Wir bekamen das Gebäude 1986 und haben es für unsere Zwecke in Eigenleistung umgebaut.