Höhere Erwartungen vonseiten der Bürger verspürt Stettens Bürgermeister Daniel Heß nach seinem Wechsel von der ehrenamtlichen Tätigkeit zu einem Vollzeitjob seit Jahresbeginn 2017 nicht. "Allerdings setze ich mir diesen Erwartungsdruck selbst", sagt er im Jahresinterview mit dem SÜDKURIER. Für die Stettener hat sich aus seiner Sicht nach außen hin zunächst nicht viel verändert, außer, dass er häufiger im Rathaus präsent sei. Um Wichtiges für die Gemeinde zu erwirken und umzusetzen sieht Heß es hingegen als unerlässlich an, Vollzeitbürgermeister zu sein. Im Ehrenamt hätte er wichtige Projekte wie das Schaffen von neuen Bauflächen oder eine dringend notwendige Erweiterung des Kindergartens in eine Kindertagesstätte mit U3-Betreuung nicht angehen können, ist er sich sicher.

Für die aktuell anstehenden großen Maßnahmen wie die Kindergartenerweiterung, den Breitbandausbau oder die Erneuerung der Wasserversorgung hat die Gemeinde finanziell Einiges zu schultern. Im Vermögenshaushalt müssen dafür laut Heß 1,15 Millionen Euro eingeplant werden. "Neben einer Rücklagenentnahme von etwa 550 000 Euro werden wir den restlichen Betrag über einen Kredit finanzieren müssen", erklärt er. Das Ganze soll in der Februarsitzung final beschlossen werden. Ansonsten setzt Heß auf Transparenz: Mehr Informationen zu dem U3-Projekt will er in einer Bürgerinformationsveranstaltung geben.

Bei seinem ersten Besuch in der Partnerstadt Mareau-aux-Prés bekräftigen Bürgermeister Daniel Heß (Zweiter von rechts) und sein französischer Kollege Bertrand Hauchecorne (rechts) die Städtepartnerschaft mit einer erneuten Unterschrift.
Bei seinem ersten Besuch in der Partnerstadt Mareau-aux-Prés bekräftigen Bürgermeister Daniel Heß (Zweiter von rechts) und sein französischer Kollege Bertrand Hauchecorne (rechts) die Städtepartnerschaft mit einer erneuten Unterschrift. | Bild: Martina Wolters

Mit dem Start in sein neues Amtsjahr galt es zunächst "personelle Ausfälle und Wechsel infolge von Elternzeit in der Hauptverwaltung zu verkraften". Mit einem motivierten Mitarbeiterteam und nur weil er selbst weiterhin viele Verwaltungsaufgaben übernehme, seien die fehlenden Ressourcen aufzufangen. Dennoch hat sich viel getan in der Gemeinde.

Als wichtige Eckpunkte seiner Arbeit im Jahr 2017 sieht Daniel Heß zum Beispiel die Geschwindigkeitsbegrenzungen und das Überholverbot auf beiden Fahrbahnen am nördlichen Ortsausgang und die Tonnagenbegrenzungen auf dem Gemeindeverbindungsweg für die vom Durchgangsverkehr schwer belastete Seegemeinde seit dem Frühjahr. Er erinnert in dem Zuge auch an die Inbetriebnahme eines Blitzgeräts an der Hauptstraße, das laut jüngsten Bekanntgaben des Landratsamts das dritteffektivste im Bodenseekreis sei.

Der Bürgermeister freut sich über erfolgreiche Maßnahmen zur Entlastung der vom Verkehr gebeutelten Bürger, etwa durch den Blitzer, ein Überholverbot oder Tempolimits.
Der Bürgermeister freut sich über erfolgreiche Maßnahmen zur Entlastung der vom Verkehr gebeutelten Bürger, etwa durch den Blitzer, ein Überholverbot oder Tempolimits. | Bild: Martina Wolters

Ganz besonders freut sich Heß, dass das marode Abwasserpumpwerk am Sportplatz zum Jahresende 2017 final saniert werden konnte. "Bauhofleiter Ralf Weißenrieder hat sich hier bestens eingebracht", lobt er seinen Mitarbeiter. Mit dem Voranschreiten der Planungen für ein schnelleres Internet und damit verbundenen Begleitmaßnahmen ist der Bürgermeister sehr zufrieden. "Ende Januar kann der Startschuss für die Arbeiten gegeben werden", betont Daniel Heß.

130 000 Euro investiert die Gemeinde in das neue Pumpwerk am Sportplatz.
130 000 Euro investiert die Gemeinde in das neue Pumpwerk am Sportplatz. | Bild: Martina Wolters

Im Frühjahr sollen auch die Grundstücksverhandlungen für die dringend benötigten Wohnbauflächen beim Hofacker abgeschlossen sein. Möglich seien dort 25 Wohneinheiten. Es würde ihn sehr freuen, junge Familien in Stetten zu halten oder neue anzulocken. "Stetten ist eine kleine, feine, liebenswerte Gemeinde", findet Heß. "Die Chemie im Ort stimmt", weiß er. Schließlich ist er viel unterwegs im Ort, nimmt zusammen mit seiner Familie aktiv am Dorfleben teil. Kein Wunder, dass beim Fototermin Lehrerin und Schüler der Grundschule spontan ans Fenster kommen und ihm freudig zuwinken. Diese enge Gemeinschaft schätzt Heß sehr. Privatleben außerhalb der Öffentlichkeit gebe es aber wenig, sagt er und betont, daran habe er sich lange gewöhnt. Für optimal hält er es, dass seine Frau Monika ihm zur Seite stehe und selbst aktiv im Gemeindeleben unterwegs sei.

Ein besonderer Höhepunkt seines ersten Vollzeitjahrs war sein Antrittsbesuch in Mareau-aux-Prés anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Städtepartnerschaft. Dass neben seiner Frau auch eine Abordnung der Stettener Feuerwehr dabei war, freut ihn als Feuerwehrmann sehr.

Weniger erfreulich war die Gemeinderatsdebatte um die Erweiterungspläne des Wohnmobilstellplatzbetreibers. Selbst befangen war Heß froh, dass sein Stellvertreter Jürgen Kammerer für ihn einsprang. Die Bedenken des Gremiums seien durch "Vorlage einer Immissionsprognose weitgehend ausgeräumt". Unsicherheiten bestünden aber weiterhin. Heß setzt nun auf vernünftiges Umsetzen von Betreiberseite, sodass "eine Belästigung der Anwohner weitgehend ausgeschlossen ist".

Die Erweiterungspläne für den Wohnmobilstellplatz sorgen für kontroverse Diskussionen. Der Bürgermeister hofft nun, dass der Betreiber so vorsichtig vorgeht, dass Anwohner nicht belästigt werden.
Die Erweiterungspläne für den Wohnmobilstellplatz sorgen für kontroverse Diskussionen. Der Bürgermeister hofft nun, dass der Betreiber so vorsichtig vorgeht, dass Anwohner nicht belästigt werden. | Bild: Martina Wolters

Für die Zukunft wünscht sich der Vollzeitbürgermeister vor allem Gesundheit und ein Fortsetzen der "wertschätzenden und erfolgreichen" Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat. Für die beiden im Rathaus untergebrachten Flüchtlingsfamilien wünscht er sich, "endlich" privaten Wohnraum zu finden.

Rückblick auf das Jahr 2017

Januar

Vom Ehrenamt zum Vollzeitjob: Am 17. Januar vereidigt Bürgermeisterstellvertreter Jürgen Kammerer Daniel Heß als hauptamtlichen Bürgermeister.

Im November hatte der vorher vier Jahre ehrenamtlich tätige Bürgermeister rund 90 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen können. Die Wahlbeteiligung lag bei 54 Prozent.

Februar

Beim traditionellen Rathaussturm nimmt der Bürgermeister mit blonder Perücke und dialektgefärbtem Slang den amerikanischen Präsidenten Donald Trump aufs Korn.

Frühjahr: Geschwindigkeitsbegrenzungen, Überholverbote und Tonnagenbegrenzung werden für die durch Verkehrsbelastung schwer gebeutelte Seegemeinde erreicht.

Mai

Der Vorstand des Fördervereins Jugend und Sport verkündet die Vereinsauflösung zum Jahresende.

Juni

Der Gemeinderat kann das neue Pumpenhaus beim Sportplatz inklusive der sanierten Pumpanlage in Augenschein nehmen. 130 000 Euro haben die Sanierungsmaßnahmen gekostet.

Juli

Stettens Feuerwehr bekommt laut Ratsbeschluss neue Richtlinien und die Ehrenamtler mehr Entschädigung.

Die Stettener lassen „ihre“ Katharina Kammerer als Badische Weinprinzessin 2017/18 hochleben bei einem Empfang im Rathaus.

August

Zum 36. Stettener Weinfest auf dem „Goisbichl“ reist Weinhoheit Katharina Kammerer extra an den See.

September

1. bis 4. September: Die Partnerschaft zwischen Stetten und der französischen Gemeinde Mareau-aux-Prés besteht seit zehn Jahren. Zum Feiern reist eine größere Abordnung nebst Bürgermeister nach Frankreich. Bürgermeister Daniel Heß und sein französischer Kollege Bertrand Hauchecorne bekräftigen den Partnerschaftsvertrag durch erneute Unterschrift.

18. September: Im zweiten Anlauf gibt der Gemeinderat grünes Licht für 15 zusätzliche Wohnmobilstellplätze auf dem Campingplatz an der Riedetsweilerstraße. In der Januarsitzung hatten die Räte den Bauantrag auf Erweiterung noch kontrovers diskutiert. Eine Prüfung vonseiten der Baubehörde gab dem Antragsteller recht: Es sei kein schädliches Wirken auf die Umwelt zu erwarten, hieß es.

Oktober

Die Gemeinderäte entscheiden sich grundsätzlich für ein neues Gästehaus an der Hauptstraße – allerdings dingen sie sich Mitsprache bei Umfang und Größe aus.

Ausblick 2018

Ende Januar soll der Breitbandausbau starten.

Im Februar steht der Doppelhaushalt 2018/19 auf der Ratstagesordnung. 1,15 Millionen Euro sollen in U3, schnelles Internet oder Wasserversorgung investiert werden. Eine Kreditaufnahme wird nötig.

Im Frühjahr sollen außerdem die Grundstücksverhandlungen für das neue Wohngebiet für junge Familien am Hofacker in Stetten beendet werden.