Sicherlich war das Jahr 2016 in der Gemeinde Stetten von der Bürgermeisterwahl geprägt. Der bisherige ehrenamtliche Bürgermeister Daniel Heß wurde mit 93,7 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen für die nächsten acht Jahre zum jetzt hauptamtlichen Bürgermeister wiedergewählt. Vor wenigen Tagen, am vergangenen Montag, wurde er in sein Amt eingeführt. Über die Verwandlung des ehrenamtlichen in einen hauptamtlichen Bürgermeister, darüber, was die Bürger der kleinsten Gemeinde im Bodenseekreis sonst noch bewegt hat, und welche Themen in diesem Jahr auf der Agenda stehen, sprach der SÜDKURIER mit Bürgermeister Heß.

Zunächst zur Bürgermeisterwahl. Was ändert sich für Sie und die Gemeinde dadurch, dass Daniel Heß jetzt nicht mehr ehrenamtlicher, sondern hauptamtlicher Bürgermeister von Stetten ist?

Für die Gemeinde ändert sich, dass sie ab dem 1.1.2017 wieder über einen hauptamtlichen Bürgermeister verfügt und dieser ihre Interessen zu 100 Prozent vertreten kann. Für mich wird sich an der Vielfalt der Aufgaben nichts ändern. Allerdings steht mir künftig für die Bewältigung dieser Aufgaben, die dringend benötigte Zeit zur Verfügung. Ich bin mir sicher, dass wir auch neue Herausforderungen angehen können, für die im Ehrenamt keine Zeitressourcen zur Verfügung standen.

Es gibt viele Themen, die Stetten in der Vergangenheit, aktuell und auch künftig bewegen werden. Ganz oben stehen die Planungen für die B 31-neu. Was wurde im Jahr 2016 erreicht und wie geht es mit den Planungen im Jahr 2017 weiter?

Neben zahlreichen Gesprächen und Arbeitskreissitzungen der am Dialog Beteiligten wurden im Jahr 2016 seitens des Regierungspräsidiums die Gutachten zur Verkehrsanalyse, die Gutachten zur Tier- und Pflanzenwelt und die Umweltverträglichkeitsstudie in Auftrag gegeben. Hauptaufgabe im Jahr 2017 werden diverse aktuelle Datenerhebungen zu den Themen Verkehr und Umwelt sein. Diese sind Grundlage zur Erarbeitung und Abwägung verschiedener Lösungsmöglichkeiten. Ich hoffe und setze mich nach wie vor für einen offenen, ehrlichen und vor allem fairen Dialog ein.

Ein Dauerbrenner ist in diesem Zusammenhang auch der Lärmaktionsplan (LAP). Auch hier die Frage: Was wurde 2016 erreicht und wie geht es 2017 weiter?

Im Jahr 2015 haben wir den Lärmaktionsplan beschlossen und Ende 2015 teilweise umgesetzt. Wir konnten in der Ortsdurchfahrt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer erreichen. Anfang 2016 wurden in Zusammenarbeit mit der Straßenverkehrsbehörde weitere Geschwindigkeitsbegrenzungen umgesetzt. Beispielsweise dürfen Sie vor der Ortseinfahrt aus Richtung Markdorf nur noch eine maximal zulässige Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern fahren. An der Auffahrtsrampe von Hagnau kommend wurde die Geschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer begrenzt. Die Einhaltung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit wird seit Anfang dieses Monats durch einen neu installierten Blitzer in der Ortsmitte überwacht. Leider wird die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit nicht eingehalten und macht diese Kontrollen erforderlich. Mein Wunsch für 2017 wäre die Anordnung eines Überholverbots auf der B 33 Richtung Markdorf und eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf der B 31 südlich von Stetten.

Das schnelle Internet für Stetten ist auch ein Langfristthema. Die Telekom ist aktuell dabei über einen Kabelverzweiger (KVZ) einen Bereich mit Vectoring zu erschließen. Vonseiten des Gemeindeverwaltungsverbands (GVV) wird wohl Glasfaser bis ins Haus (FTTB) favorisiert. Wie beurteilen Sie das plötzliche Vorpreschen der Telekom im Verhältnis zu den Zielen des GVV?

Derzeit laufen die Planungen des Verbands für den zweiten Bauabschnitt. Im Jahr 2014 erklärte die Telekom auf Anfrage, dass sie beabsichtigen, in Stetten nur zwei KVZ auszubauen. Dies war für uns keine zukunftsweisende und flächendeckende Lösung und Grund den Breitbandausbau selbst in die Hand zu nehmen. Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Telekom erst aktiv wurde, nachdem wir im GVV den flächendeckenden Ausbau des Breitbandnetzes beschlossen haben. Völlig zeitverzögert kam vor einigen Monaten die Ankündigung der Telekom, nun doch mehrere KVZ mit Vectoring auszubauen. Aus meiner Sicht verfolgt das Unternehmen nur wirtschaftliche Ziele. Ich kann aus Sicht unserer Bürger nicht gutheißen, dass die Telekom aktuell nur einen wirtschaftlichen Ausbau im Kernbereich des Gemeindegebiets verfolgt und die Randgebiete völlig außer Acht lässt. Wir sehen hier keine andere Möglichkeit, als den eigenen parallelen Ausbau eines Glasfasernetzes voranzutreiben. Zumal die derzeit angewandte Technik des Vectorings nach meiner Meinung langfristig nicht zukunftsfähig ist. Ziel muss sein, möglichst viele Haushalte mit einem Glasfaseranschluss zu versorgen.

Eine große Herausforderung im Jahr 2016 war die Flüchtlingswelle. Wie viele Asylbewerber/Flüchtlinge sind in Stetten wo untergebracht, wie sieht die Integration aus und rechnen Sie mit weiteren Flüchtlingszuweisungen?

Die Situation hat sich derzeit etwas entspannt. Allerdings müssen wir auf Dauer mit weiteren Zuweisungen rechnen. Das Thema wird uns mit Sicherheit noch einige Jahre beschäftigen. Momentan leben in unserer Gemeinde vier Familien. Dies sind aktuell 20 Personen in der Anschlussunterbringung und der Gemeinschaftsunterkunft. Leider wurde uns bisher nur eine private Mietwohnung für eine Familie zur Verfügung gestellt. Eine weitere Familie bewohnt die Räumlichkeiten des alten Feuerwehrhauses. Zwei weitere Familien wohnen im Untergeschoss des Rathauses. Leider erhalten die Kommunen hier keinen finanziellen Ausgleich für die Umbaumaßnahmen. Die Integration der Geflüchteten läuft dank unseres ehrenamtlichen Helferkreises sehr gut. Die Helfer unterstützen die Menschen im Alltäglichen, der Erledigung von Hausaufgaben und bieten auch Deutschunterricht an. Die Angebote werden sehr gerne angenommen. Weitere Unterstützung bekommen die Geflüchteten durch die Angebote von den örtlichen Vereinen.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Aufgaben für die Gemeinde im neuen Jahr 2017?

Im Vordergrund wird die Baulandentwicklung und verträgliche Gewerbeansiedlung stehen. Neben der Fertigstellung des Abwasserpumpwerks am Sportplatz stehen weitere dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen an gemeindeeigenen Gebäuden und Straßen und Kanälen an. Ein weiteres Anliegen ist die Planung eines neuen zeitgemäßen Internetauftritts der Gemeinde, sowie die Umrüstung der Beleuchtung an der Ortsdurchfahrt auf energiesparende LED-Technik. Die bereits genannten Themen wie Verkehrsplanung und Breitbandausbau werden uns sicherlich parallel stark beschäftigen.

FRAGEN: WOLF-DIETER GUIP

Person und Ereignisse

  • Daniel Heß: Die Stettener wählte den heute 52-jährigen Daniel Heß Ende 2012 zum Bürgermeister. Der selbständige Handelsvertreter war 18 Jahre Gemeinderat gewesen. Er gehört der CDU an, trat aber immer als Unabhängiger an.
  • Überblick über wichtige Ereignisse im Jahr: Januar: Entscheidung über den Umbau des ehemaligen Kindergartens im Rathaus zu einer Asylbewerberunterkunft. Umsetzung erster Maßnahmen des Lärmaktionsplans (LAP). Februar: Plädoyer der Gemeinde für den Planfall 7.5 B2 für die B 31-neu. April: Neue Strukturen im Kindergarten mit einer neuen Erzieherin. Mai: Vorschlag aus den Reihen des Gemeinderats, das Amt des Bürgermeisters wieder hauptamtlich zu besetzen. Entscheidung, für die Kirchstraße-Süd einen Bebauungsplan zu erstellen. August: Entscheidung, gemeinsam mit dem Gemeindeverwaltungsverband den Breitbandausbau voranzutreiben. November: Wahl von Daniel Heß zum hauptamtlichen Bürgermeister.