Die Bodensee-Wasserversorgung (BWV) arbeitet weiter an der Umsetzung ihres Projektes „Zukunftsquelle“. Jetzt brachten Fachleute vor Sipplingen zwei Messbojen zu Wasser. Sie sollen zunächst über ein Jahr „die Strömungs- und Temperaturverhältnisse im See sowie die meteorologischen Bedingungen über dem See erfassen“, heißt es in einer Pressemitteilung der BWV.

Kurt Sarembe, Institut für Seenforschung Langenargen, bei Vorbereitungsarbeiten zur Positionierung der Messbojen.
Kurt Sarembe, Institut für Seenforschung Langenargen, bei Vorbereitungsarbeiten zur Positionierung der Messbojen. | Bild: Bodensee-Wasserversorgung

Roland Schick, Laborleiter der BWV in Süßenmühle, erläutert im SÜDKURIER-Gespräch: „Der Bodensee ist ja keine Badewanne, er ist nicht topfeben, wie man sagt. Es gibt unter Wasser zum Beispiel Rinnen, die man sich wie Täler vorstellen kann.“ Das wirke sich natürlich auf die Entnahmestellen aus. Um die bestmöglichen Positionen für das Projekt „Zukunftsquelle“ zu finden, sei es bedeutend, die Einflüsse sowohl der Tiefenwassererneuerung als auch des Oberflächenwassers zu berücksichtigen. „Unser Ziel muss es sein, Trinkwasser in möglichst gleichbleibend guter Qualität aus dem Bodensee zu entnehmen“, sagt Schick.

Im Bodensee herrscht nach Aussage des Experten „ein sensibles Chaos“. Viel Wasser käme durch zahlreiche Zuflüsse in den See, der sich einmal im Jahr umwälze. Möglichst genau zu erfassen, welche Strömungen im Bodensee wohin gehen, welche Einflüsse diese Zuflüsse auf die Tiefenwassererneuerung hätten oder wie sich zum Beispiel der Klimawandel auf die Wasserbeschaffenheit auswirke, dazu diene das Modellsystem „BodenseeOnline“ (www.bodenseeonline.de). Mit diesem Informationssystem berechnet die Landesanstalt für Umweltschutz seit vielen Jahren die Seeströmungen in einer dreidimensionalen, also räumlichen Darstellung.

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„Wo etwas reingeht, da muss auch wieder etwas rausgehen“, sagt Roland Schick. Zunächst sind es Modellrechnungen, die der Computer liefert. Im vorliegenden Fall sollen deren Aussagekraft mit den Messdaten der beiden Bojen vor Sipplingen abgeglichen werden. „Wir kalibrieren so unser Modell“, sagt der Laborleiter, „um noch mehr Sicherheit für die Entnahmepunkte zu bekommen.“

Effekte auf Rohwasserqualität werden untersucht

Die über das Jahr gewonnenen Messdaten, die in das Modellprojekt eingespeist werden, dienen den Fachleuten der Bodensee-Wasserversorgung dazu, zusammen mit den Simulationswerten des Modellprojektes „die Wirkung von saisonalen und kurzfristigen Einflüssen auf die Rohwasserqualität der Trinkwasserversorgung“ aus dem Bodensee zu beurteilen, heißt es seitens der BWV. Außerdem werden die Mess-Daten auch Einfluss darauf haben, in welcher Größe und wo zukünftig vor Süßenmühle und vor dem Pfaffental seeseitig Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Bereiche also, die zukünftig weder von Seglern, Motorbooten noch von andere Wassersportler werden befahren werden dürfen.

Eine von zwei Messbojen, mit der die Bodensee-Wasserversorgung im Rahmen ihres Projektes „Zukunftsquelle“ vor Süßenmühle im Osten von Sipplingen und vor dem Pfaffental im Westen von Sipplingen die lokalen Verhältnisse im Bodensee für die zukünftigen Wasserentnahmestellen untersuchen will.
Eine von zwei Messbojen, mit der die Bodensee-Wasserversorgung im Rahmen ihres Projektes „Zukunftsquelle“ vor Süßenmühle im Osten von Sipplingen und vor dem Pfaffental im Westen von Sipplingen die lokalen Verhältnisse im Bodensee für die zukünftigen Wasserentnahmestellen untersuchen will. | Bild: Bodensee-Wasserversorgung/Christoph Behre
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