Sehr verhalten ist die Kirschernte dieses Jahr gestartet. Aufgrund der Frostnächte in der Blütezeit zeichnen sich jetzt schon lokal größere Ernteausfälle wie beispielsweise in der Gemeinde Sipplingen ab. Nur in frostfreien Lagen und dort, wo Kirschbäume unter anderem mit Netzen geschützt oder unter Folie angebaut werden, sieht es besser aus. „Es ist nicht das allerbeste Kirschjahr“, drückt es Jürgen Sittner, Geschäftsführer des Obstbaurings Überlingen, aus. „Und die Witterung ist zurzeit ja auch nicht besonders gut.“

Clemens Beirer aus Sipplingen: „Leider habe ich in diesem Jahr gar keine Kirschen, die ich ernten kann.“
Clemens Beirer aus Sipplingen: „Leider habe ich in diesem Jahr gar keine Kirschen, die ich ernten kann.“ | Bild: Kleinstück, Holger

Kaltes Frühjahr lässt Ernte später starten

Die ersten Kirschen früher Sorten sind geerntet, doch begann die Ernte im Schnitt rund drei Wochen später als üblich. „Das lag an dem kalten Frühjahr“, teilt Michael Baader mit, der den Frickinger Auhof seit 1993 bewirtschaftet und dort auf rund 0,7 Hektar Süßkirschen anbaut. Seine Kirschen verkauft er auch auf dem Überlinger Wochenmarkt. Durch den Frost habe es insbesondere bei späten reifenden Sorten Schäden gegeben, während die Ernte bei frühen Sorten „recht gut“ sei, so Baader. Bei späteren Sorten belaufe sich der Ausfall auf zwischen 50 bis 90 Prozent.

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„Die Ernte ist durchwachsen. Insgesamt beträgt der Ausfall für alle Sorten so rund 50 Prozent“, sagt Baader, der rund acht Sorten geschützt unter Dach anbaut. Darunter die Frühsorte Giorgia und die Spätsorte Regina. „Das ist recht aufwändig. Deshalb sind Kirschen auch etwas teurer.“ Den Preis der süßen Früchte weiter ansprechend sagt Baader, dass sie beim Start „normalpreisig“ gewesen sind. Wie die preisliche Entwicklung bei den späteren Sorten weiter geht, vermag er nicht zu sagen. „Billiger werden sie auf jeden Fall nicht.“

Michael Baader vom Frickinger Obstbaubetrieb Auhof baut seit rund 25 Jahren Kirschen an, seit 15 Jahren unter Dach. Das macht ihn deutlich wetterunabhängiger.
Michael Baader vom Frickinger Obstbaubetrieb Auhof baut seit rund 25 Jahren Kirschen an, seit 15 Jahren unter Dach. Das macht ihn deutlich wetterunabhängiger. | Bild: Kleinstück, Holger

Die Ernte ist überall dort „ganz gut“, wo unter Dach angebaut wird, sagt Jürgen Sittner. Denn Schutznetze schützen nicht nur vor Vogelfraß und Insektenbefall, sondern auch vor Schäden durch Witterungsereignisse wie Hagel, Starkregen und Sonnenbrand. Dennoch hat auch solchen Anlagen das Wetter mit Sturm und Hagel in der vergangenen Zeit teilweise schwer zugesetzt, wie Sittner erläutert. Michael Baader weist darauf hin, dass überall dort, wo nicht geschützt werde, ein Gewitter mit Starkregen die reifen Früchte platzen ließe. „Dann fangen sie an faulen, man erntet früher aus Angst“, sagt er. „Überhaupt ist Regen wie zurzeit schlecht für die Kirschen.“

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Verbraucher mag Kirschen mit Makel nicht

Obstbauer Baader spricht in dem Zusammenhang an, dass Kirschen mit Makel beim Verbraucher nicht gewünscht sind und aufgeplatzte Früchte auch sonst keinerlei Verwendung finden. Denn bei aufgeplatzten Kirschen geht der Zuckergehalt verloren: Bei einer Verwendung, etwa zum Kochen von Marmelade, muss dann zu viel Zucker beigegeben werden. Auf gute Qualität und Frische der Früchte sollte der Kunde beim Einkauf laut Baader besonders achten. „Knackig müssen sie sein. Wenn die Stiele grün sind, sind die Kirschen auch frisch“, erklärt er und verweist auf die verschiedenen Qualitäten, die am Markt erhältlich sind.

„Knackig müssen sie sein. Wenn die Stiele grün sind, sind die Kirschen auch frisch.“
Michael Baader, Auhof in Frickingen

Sipplingen ist eigentlich als Kirschendorf bekannt

Schlechter als bei Michael Baader sieht die Ernte übrigens in der Gemeinde Sipplingen aus, überregional bekannt als das Kirschendorf. Die Südhanglage und das günstige Klima begünstigen hier normalerweise den Anbau von Kirschen, die enge Verbundenheit der Sipplinger mit ihren „Kriese“ wird in den Fastnachtsfiguren der „Trube-Kriese-Rätscher“ und der „Store“ dokumentiert. „Leider habe ich in diesem Jahr gar keine Kirschen, die ich ernten kann“, bedauert Clemens Beirer. „Es war während der Blüte einfach zu kalt.“ Das bestätigt auch Berthold Biller, der im Jahre 1960 mit dem Anbau von Kirschen begonnen hat: „Die Ernte ist sehr schlecht in diesem Jahr.“

Berthold Biller aus Sipplingen: „Die Ernte ist sehr schlecht in diesem Jahr.“
Berthold Biller aus Sipplingen: „Die Ernte ist sehr schlecht in diesem Jahr.“ | Bild: Kleinstück, Holger
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