Sipplingen hat ein Parkplatzproblem. Vor allem in den Sommermonaten, wenn Tagestouristen das Dorf stürmen. Deshalb hat die Gemeinde ein Parkraumkonzept ersonnen. Es soll den Ansturm Parkplatzsuchender auf die Wohnstraßen regeln und minimieren. Als eine Art Kollateralschaden fielen durch die Neuordnung allerdings auch die seit 2014 existierenden 30 Parkplätze für die Liegeplatzinhaber des Westhafens auf dem Parkplatz P1 fort. Es sei rechtlich nicht zulässig gewesen, so Bürgermeister Oliver Gortat, auf den öffentlichen Parkplätzen der Gemeinde eine Interessengruppe zu bevorzugen.

Links neben dem Hafenmeistergebäude liegt der Hafenparkplatz, auf dem die Stellplätze vermietet wurden. Noch wird er teilweise von ...
Links neben dem Hafenmeistergebäude liegt der Hafenparkplatz, auf dem die Stellplätze vermietet wurden. Noch wird er teilweise von Booten als Winterliegeplatz genutzt. | Bild: Schnurr, Michael

Kostenpunkt: 600 Euro für vier Monate

Guter Rat ist manchmal teuer. Wie in diesem Fall. Im November 2021 beschloss der Gemeinderat, vom 15. Mai bis zum 15. September auf dem Trockenliegeplatz im Bereich zwischen Volleyballplatz und Hafenmeistergebäude 21 Parkplätze anzubieten. Adressaten sind ausschließlich Inhaber von Bootsliegeplätzen im Westhafen. Kostenpunkt: 600 Euro Miete für vier Monate. Zum Vergleich: Für einen der 30 zur Verfügung stehenden Hafenparkplätze auf dem Parkplatz P1 mussten Mieter in den Jahren 2014 bis 2018 pro Jahr 35 Euro zahlen. Mit dieser Jahreskarte konnten sie gleichzeitig aber auch außerhalb der reservierten Flächen auf den Parkplätzen P1 und P2 sowie in der „Blauen Zone“ im Dorf parken. 2018 wurde der Jahresparkschein auf 55 Euro erhöht. Seit 2021 gilt nun ein Jahrespreis von 100 Euro auf den beiden Parkplätzen P1 und P2.

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Die Kostensteigerung mag eine Erklärung dafür sein, dass sich von den 227 Inhabern eines Liegeplatzes im Westhafen (220 Wasser- und sieben Trockenliegeplätze) im Rahmen einer Frist lediglich 30 um einen der 21 neuen Parkplätze im Hafen bewarben. Diese Plätze besitzen einen in den Sommermonaten nicht zu vernachlässigenden Vorteil: Sie sind garantiert im Gegensatz zu den Abstellmöglichkeiten auf den Parkplätzen P1 und P2, die zwischen Mai und September bei gutem Wetter schnell von Tagestouristen besetzt sind. Wer an diesen Tagen als Jahresticket-Inhaber zu spät kommt, geht leer aus.

Lostrommel entscheidet über Vergabe

Da es mit 30 Bewerbungen für die 21 Plätze mehr Interessenten gab als Plätze zur Verfügung stehen, musste das Los entscheiden. Glücksfee Janina Beurer, eine junge Sipplinger Schülerin, griff am Donnerstagabend im Ratssaal des Rathauses immer wieder beherzt in eine zur Lostrommel umfunktionierte Badetasche. Dort hinein hatte zuvor Praktikantin Anja Bischoff 29 Tischtennisbälle gelegt, die sie mit Liegeplatznummern der Bewerber beschriftet hatte. Sie hatte den Korb gut durchgeschüttelt und dann Janina gebeten, durch den Schlitz eines abdeckenden Stoffes hindurch einzeln die Tischtennisbälle ans Tageslicht zu befördern.

Unterstützt von Praktikantin Anja Bischoff zieht die Sipplinger Glücksfee Janina Beurer aus der zur Lostrommel umfunktionierten ...
Unterstützt von Praktikantin Anja Bischoff zieht die Sipplinger Glücksfee Janina Beurer aus der zur Lostrommel umfunktionierten Badetasche mit Liegeplatznummern versehene Tischtennisbälle. Den ersten 20 Nummern ist ein Parkplatz im Sipplinger Westhafen sicher, die restlichen neun gezogenen Losbälle belegen in der gezogenen Reihenfolge die Nachrückerplätze. | Bild: Schnurr, Michael

Die Schülerin angelte die Bälle einen nach dem anderen aus dem Korb und überreichte sie Anja Bischoff. Diese legte die Bälle auf eine bereitstehende Eierpappe, während Sabrina Girrbach, Fachbereichsleiterin Finanzen der Gemeinde, die Nummern der gezogenen Bälle der Reihenfolge nach notierte. Ein Platz war zuvor von Sabrina Girrbach händisch vergeben worden, da es sich in diesem Fall um einen Liegeplatzinhaber handelte, der über einen Schwerbehindertenausweis verfügt. Als so alle 21 Plätze vergeben waren, zog Glücksfee Janina auch die restlichen neun Bälle einen nach dem anderen aus der Lostrommel. Auch sie wurden der Reihenfolge nach notiert, so dass, sollte ein Interessent doch noch abspringen, die Gemeinde automatisch über eine Nachrückerliste verfügt.

Stolz präsentiert Janina Beurer einen Tischtennisball mit Liegeplatznummer.
Stolz präsentiert Janina Beurer einen Tischtennisball mit Liegeplatznummer. | Bild: Schnurr, Michael

Die Plätze wurden für zwei Jahre vergeben, danach soll neu gelost werden. Bürgermeister Oliver Gortat war zur Verlosung lediglich online zugeschaltet, da er coronabedingt – wie er sagte – nicht persönlich anwesend sein konnte. Gortat hatte eingangs die Sipplinger freudig zur Verlosung begrüßt und sich ganz besonders bei Janina Beurer und bei der sie begleitenden Oma Beate Kuhn für ihr Engagement bedankt. Die Schülerin erhielt zum Dank ein dickes Überraschungsei, die Oma eine Flasche Wein.

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