Offiziell verabschiedet wurde der 60-Jährige Ulrich Sulger bereits in der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause. Seinen letzten Arbeitstag hat er am kommenden Freitag, 3. September. Nach 45 Jahren im öffentlichen Dienst und 32 Jahren als Sipplinger Hauptamtsleiter geht der Diplom-Finanzwirt in den Vorruhestand. Sein tatsächlicher Ruhestand beginnt im November 2025.

Vier Bürgermeister erlebte er seit 1989. Anlässlich seines langen Wirkens im Ort erzählt er bei einem Rundgang durch die Gemeinde, wie vielfältig seine Aufgaben waren, was ihn besonders bewegte und was sich verändert hat.

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Worüber er zunächst ein bisschen schmunzeln muss, wenn er auf seine vielen Jahre in der Verwaltung zurückblickt, sind die technischen Neuerungen. Als er 1976 im öffentlichen Dienst angefangen habe, habe ein Fax noch Fernkopierer geheißen. „Das war das neueste Highlight in den Büros“, erinnert sich Sulger. „Heute generieren wir unsere Strafzettel mit einem Smartphone und schicken sie via Internet zum Rechenzentrum. Das ist schon ein Wahnsinnswandel“, sagt der Gemeindeoberamtsrat.

Gemeinde mit der ersten kommunalen Homepage

Anfangs habe es in der Verwaltung nur zwei einfache monochrome Bildschirme mit einer Datenleitung gegeben, „HighTech“ sei ein einfaches CB-Funksystem (“Citizen Band“, Jedermannfunk) zum Bauhof und eine Standleitung zum Wasserhochbehälter „Stich“ gewesen. „Da war dann die Einführung einer EDV schon ein Quantensprung, ebenso nur kurze Zeit später die Einrichtung einer der ersten kommunalen Homepage in der Region – damals noch eine Seltenheit“, so Sulger. „Das war die Zeit, wo Textverarbeitung noch mit AmiPro und Tabellenkalkulation mit Multiplan gemacht wurden.“

Ulrich Sulger, hier vor dem Server der Gemeinde, erlebte große technische Veränderungen mit, zu Beginn seiner Amtszeit wurde die Datenverarbeitung gerade eingeführt.
Ulrich Sulger, hier vor dem Server der Gemeinde, erlebte große technische Veränderungen mit, zu Beginn seiner Amtszeit wurde die Datenverarbeitung gerade eingeführt. | Bild: Holger Kleinstück

Die schwierige Entstehung eines Gewerbegebietes

Der erste Halt des Gemeinderundgangs: Das Gewerbegebiet Längerach. Hier haben sich vorwiegend einheimische Handwerker und Gewerbetreibende niedergelassen. Der Erweiterung des Gewerbegebietes im Jahre 1990 durch eine freiwillige Umlegung der kreuz und quer liegenden Grundstücke seien schwierige Verhandlungen vorausgegangen. Aus ursprünglich rund 25 privaten Grundstücken seien rund ein Dutzend praktisch geschnittener Gewerbegrundstücke entstanden; auf einer Gesamtfläche von knapp zwei Hektar. „Wir mussten für jedes einzelne Grundstück individuelle privatschriftliche Verträge abschließen, um sie in einen Topf zu bringen und danach wieder sinnvoll ein- und zuteilen zu können“, erinnert sich Ulrich Sulger.

Aus ursprünglich rund 25 privaten Grundstücken sind im Längerach rund ein Dutzend Gewerbegrundstücke mit knapp zwei Hektar entstanden.
Aus ursprünglich rund 25 privaten Grundstücken sind im Längerach rund ein Dutzend Gewerbegrundstücke mit knapp zwei Hektar entstanden. | Bild: Holger Kleinstück

Er lernte die angenehmen und die schwierigen Sipplinger kennen

Weiter geht es zur Gemeindeverbindungsstraße, die sich von der Morgengasse bis zur Bodenseewasserversorgung erstreckt. Deren Herstellung war eine der ersten Aufgaben, mit denen sich Sulger beschäftigen musste. „Da hat man wirklich viel Grundstücksverträge mit Straßenanliegern machen müssen“, beschreibt der scheidende Hauptamtsleiter. Von Vorteil gewesen sei, dass er während dieser Arbeit viele Sipplinger habe kennenlernen können. „Die angenehmeren und die schwierigeren.“ Sulger erinnert sich noch daran, dass die Straße früher sogar noch durch das Gelände der Bodenseewasserversorung (BWV) hindurchging, heute diene dieser ehemalige Straßenabschnitt nur noch als innerbetriebliche Zufahrt.

Ulrich Sulger am Ende der Gemeindeverbindungsstraße.
Ulrich Sulger am Ende der Gemeindeverbindungsstraße. | Bild: Holger Kleinstück

Erwerb des Landungsplatzes für einen symbolischen Kaufpreis

Im Ort angelangt, geht es zunächst um den Erwerb des Landungsplatzes mit knapp 1000 Quadratmetern im Jahr 2003. „Das war ein Highlight. Für einen symbolischen Kaufpreis konnten wir den Bereich, wo heute im Wesentlichen das Ristorante Riva steht, erwerben“, berichtet Sulger. „Wenn man sich überlegt, wie teuer heute bebaubare Seegrundstücke sind . . .“ Der Erwerb des Grundstücks sei nicht nur Grundlage für das Riva, sondern auch für das öffentliche WC und den dortigen Parkplatz gewesen.

Der Erwerb des Landungsplatzes im Jahr 2003 war für Sulger ein Glanzpunkt. „Für einen symbolischen Kaufpreis konnten wir den Bereich, wo heute unter anderem das Ristorante Riva steht, erwerben.“
Der Erwerb des Landungsplatzes im Jahr 2003 war für Sulger ein Glanzpunkt. „Für einen symbolischen Kaufpreis konnten wir den Bereich, wo heute unter anderem das Ristorante Riva steht, erwerben.“ | Bild: Holger Kleinstück

Ein paar Meter weiter in westlicher Richtung liegt der Parkplatz hinter dem Bahnhof, der 2005 seiner Bestimmung übergeben wurde. Es handelt sich dabei um ein Gelände von rund 3500 Quadratmetern Fläche mit ehemaligen Grundstücken der Bahn AG, der Gemeinde Sipplingen und der Bundesstraßenverwaltung. Die Parkplatzerweiterung hatte rund 240 000Euro gekostet und ist mit Zuschüssen in Höhe von fast 50 Prozent (103 500 Euro) aus Mitteln der kommunalen Touristikförderung finanziert worden.

Parkplatzerweiterung dort, wo früher lediglich Gestrüpp stand

Auch durch persönliche Bekanntschaften und durch geschickte Verhandlungen mit der Bahn sei die Erweiterung dieses Parkplatzes möglich geworden, dort, wo früher eigentlich nur Gestrüpp vorhanden gewesen sei. „Auch diesen Grund konnten wir sehr günstig erwerben“, sagt Sulger. Mittlerweile seien dort 85 Parkplätze entstanden, „immer noch zu wenig“, womit der 60-Jährige insbesondere die im Sommer herrschende Parkplatzmisere anspricht.

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Letzte Station ist der Westhafen. An die im Sommer 2010 in Betrieb genommene Erweiterung um 28 lukrative Liegeplätze erinnert sich Sulger noch genau: „Es war sehr hektisch im Jahr zuvor, die ausgebaggerten Sedimente mussten wir mit Sandschiffen in den Konstanzer Trichter bringen, das war eine Auflage.“ Aufgrund der damaligen Herbststürme habe man die Schiffe nicht vollladen können. „Uns lief die Zeit davon, und dann kam auch noch die Schonzeit der Felchen.“

Dem Sohn eines Fischers half seine persönliche Verbindung

Sulger konnte dann aber aufgrund einer persönlichen Verbindung mit dem Verband der badischen Berufsfischer 14 Tage Verlängerung für die Arbeiten erreichen können. „Wir haben einfach nur Glück gehabt. Da war wohl meine Herkunft als Sohn eines Fischers wichtig“, schmunzelt Sulger. „Wir konnten vom Fischerverband die Ausnahme von der Ausnahme bekommen. Sonst hätte es einen Baustopp gegeben und die ganze Maßnahme wäre eventuell schiefgelaufen.“ Die Kosten beliefen sich auf mehr als 1,7 Millionen Euro netto, die auf die Liegeplatzinhaber umgelegt wurden.

Die im Sommer in Betrieb genommene Erweiterung des Westhafens um 28 Liegeplätze war das zentrale, allerdings nicht ganz unumstrittene Thema in der Gemeinde Sipplingen 2010.
Die im Sommer in Betrieb genommene Erweiterung des Westhafens um 28 Liegeplätze war das zentrale, allerdings nicht ganz unumstrittene Thema in der Gemeinde Sipplingen 2010. | Bild: Holger Kleinstück

„Nicht Gelungenes gab‘s natürlich auch“

Und gab es auch Versäumnisse? „Natürlich, nicht Gelungenes gab‘s natürlich auch, ich denke da beispielsweise an die Entwicklung im Gewann Hohfelser“, sagt Sulger mit Hinblick auf ein nicht umgesetztes Baugebiet. „Und sicher gab es in der langen Zeit auch noch einige weitere Dinge, die ich nicht oder nicht zufriedenstellend erledigen konnte und das bedauere ich sehr.“

Natürlich könne man nicht allen alles Recht machen – diese alte Weisheit helfe jedoch nur bedingt und treffe auch bei einem weiteren seiner Steckenpferd zu, den Personalangelegenheiten. „Manchmal hätte ich mir einfach mehr Zeit nehmen sollen für einen Krankenbesuch“, so Sulger. „Das hätte einfach besser sein können, obwohl es natürlich ein beträchtlicher Spagat ist, wenn man auf der einen Seite die Interessen des Arbeitgebers und gleichzeitig die schutzwürdigen Belange der Bediensteten sprich Arbeitskollegen gerecht werden will, wenn keine Personalvertretung da ist.“

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45 Jahre im Berufsleben, „das langt jetzt auch“

Seine fast 32 Jahre in Sipplingen beschreibt Uli Sulger dankbar als sehr lange und gute Zeit. „Insgesamt bin ich heute 45 Jahre im Berufsleben – das langt dann jetzt auch.“ Und dann zitiert er Giovanni Trapattonis legendären Schlusssatz: „Ein berühmter Fußballtrainer hat einmal gesagt: Habe fertig.“

Reisen ist ein Hobby: Im Vorjahr war er mit seiner Lebenspartnerin Constanze Merkle in Sri Lanka.
Reisen ist ein Hobby: Im Vorjahr war er mit seiner Lebenspartnerin Constanze Merkle in Sri Lanka. | Bild: privat

Den Beginn des neuen Lebensabschnitts sieht Sulger mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Einerseits wird mir die Tätigkeit in Sipplingen in all seinen Facetten fehlen“, sagt Sulger. „Andererseits freue ich mich auf mehr Zeit auf dem See und in den Bergen und vielleicht als Student zum Erhalt einer restlichen geistigen Frische.“