Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat ihre Ermittlungen im Fall des unerklärlich hohen Wasserverlustes in der Gemeinde Sipplingen eingestellt. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Johannes-Georg Roth auf Anfrage des SÜDKURIER schreibt, sei es „aufgrund der Ausstattung und Struktur des historisch gewachsenen Netzes, bei dem auch Leitungsverläufe teilweise nicht exakt nachvollzogen werden können, nicht möglich, Bereiche exzessiver Wasserentnahme einzugrenzen“. Auch hätte sich während des Zeitraumes, in dem der zuständige Kriminalbeamte aus Ravensburg ermittelt habe, „keine Hinweise auf eine solche (exzessive, Ergänzung Redaktion) Wasserentnahme durch eine einzelne Person/einen einzelnen Betrieb ergeben.“ Aus diesem Grund bestehen nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft keine „weiteren Ermittlungsansätze“.

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Bodensee-Wasserversorgung meldet Wasserverlust seit vier Jahren

Viele Jahre lang hatte die Bodensee-Wasserversorgung (BWV) immer erneut feststellen müssen, dass sehr viel mehr Wasser in das Gemeindenetz floss, als von Sipplingen an den Wasseruhren erfasst und bezahlt wurde. Im Jahr 2019 allein lieferte die BWV an den Hochbehälter der Gemeinde 178 411 Kubikmeter Wasser, an den Wasseruhren des Dorfes wurden aber nur 112 573 Kubikmeter registriert. Verlust: 65 838 Kubikmeter. Bürgermeister Oliver Gortat hatte daraufhin eine Generalinspektion des Netzes beauftragt und dabei zahlreiche, teils großflächige Schadstellen ausbessern lassen. Dennoch flossen weiterhin rund 10 000 Kubikmeter Wasser mehr in den Hochbehälter, als an den Wasseruhren der Haushalte erfasst werden konnten. Und weiterhin ging, wenn der SÜDKURIER über das Thema Wasserverlust berichtete, der Wasserverbrauch sofort schlagartig zurück.

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Im neuen Hochbehälter auch neue Messtechnik

Sipplingen plant gegenwärtig, den alten durch einen neuen Hochbehälter zu ersetzen. In diesem Zusammenhang schreibt Roth in seiner Mail an den SÜDKURIER der „Erwartung (des ermittelnden Beamten und der Einschätzung der fachlich Beteiligten) eine gewisse Plausibilität“ zu, dass „die Einrichtung des neuen Hochbehälters weitere Klarheit bringen könnte, zumal im Zuge des Austausches, so der Wassermeister der BWV, auch die Messtechnik ersetzt werde.“

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Anbindung an das Wassernetz wird besser gelöst

Bürgermeister Oliver Gortat kommentierte auf Rückfrage des SÜDKURIER: „Der Umkehrschluss, dass die bestehende Messtechnik fehlerhaft ist, kann nicht gemacht werden... Die im neuen Hochbehälter geplanten Wasserzähler entsprechen der Messgenauigkeit der jetzigen Zähler.“ Allerdings werde die Anbindung in das Wassernetz bei dem neuen Behälter leitungstechnisch besser gelöst. Es gäbe fortan „keine Verbindung der Behälterkammern über das Ortsnetz nach dem Zähler, wie beim jetzigen Behälter Stich. Daraus ergebe sich eine bessere Auswertbarkeit der Messwerte über die Zeit ohne Störgrößen wie Behälterstände.“ Auf die entscheidende Messung des Gesamtverbrauchs habe dies aber keinen Einfluss.

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Den Wasserverlusten auf der Spur: Im Sommer 2019 untersuchen Mitarbeiter der Bodensee-Wasserversorgung das gesamte Rohrnetz Sipplingens auf Lecks. | Bild: Schnurr, Michael

Wasserlieferung der BWV von Januar bis Mai von 2018 bis 2020

Die Verlust an dem von der Bodensee Wasserversorgung (BWV) an die Gemeinde Sipplingen gelieferten Trinkwassers hat sich nach umfangreichen Reparaturarbeiten am Wassernetz der Gemeinde drastisch verringert. Die Ausbesserungen des Netzes hatte die Gemeinde beauftragt, nachdem der SÜDKURIER mehrfach über die mehr als zehn Jahre anhaltenden unerklärlichen hohen Verluste des Wassers berichtet hatte. Auf Anfrage des SÜDKURIER nannte die Gemeinde Sipplingen jetzt die Vergleichszahlen für die ersten fünf Monate der Jahre 2018, 2019 und 2020.

73 306 Kubikmeter Wasser bezog die Gemeinde Sipplingen von Januar bis Mai 2018 von der BWV. 2020 waren es im gleichen Zeitraum 53 013 Kubikmeter Wasser und damit 20 293 Kubikmeter weniger als 2018. Im Vergleich zum Jahr 2019, in dem im gleichen Zeitraum 78 376 Kubikmeter von der BWV an Sipplingen geliefert worden waren, fiel die Differenz noch größer aus: Die Gemeinde hatte im Vorjahr 25 363 Kubikmeter Wasser mehr als 2020 bezogen.

Noch eines wird an den jetzt genannten Zahlen deutlich: Sowohl im Jahr 2018 als auch in den Folgejahren 2019 und 2020 stiegen die Verbrauchszahlen von Februar bis Mai kontinuierlich an: von 12 376 Kubikmeter im Februar 2018 auf 17 715 Kubikmeter im Mai des Jahres (5339 Kubikmeter), von 11 689 im Februar 2019 auf 17 933 Kubikmeter im Mai 2019 (6244 Kubikmeter) und in diesem Jahr von 9417 im Februar auf 12 285 Kubikmeter im Mai (2868 Kubikmeter).