Die Bürger Sipplingens beklagen seit vielen Jahren den Ansturm von Touristen auf ihr Dorf. Vor allem an den Wochenenden im Juli und August durchstreifen Autofahrer Sipplingen auf der Suche nach einem geeigneten Stellplatz für ihr Gefährt. Mit einem Parkraumkonzept wollte Bürgermeister Oliver Gortat in diesem Sommer gegensteuern.

Kein ungewöhnliches Bild in Sipplingen. Autofahrer missbrauchen Fußgängerwege als Parkplatz. Hier im Breitenweingarten. Passanten müssen deshalb in einer engen Kurve auf die Straße ausweichen.
Kein ungewöhnliches Bild in Sipplingen. Autofahrer missbrauchen Fußgängerwege als Parkplatz. Hier im Breitenweingarten. Passanten müssen deshalb in einer engen Kurve auf die Straße ausweichen. | Bild: Schnurr, Michael

Doch weil die Corona-Pandemie eine geplante Bürgerinformation im Frühjahr unmöglich werden ließ, setzte er auf die Medien. Er stellte den Plan unter anderem umfassend im SÜDKURIER vor und lud Gemeinderäte und Bürger zur schriftlichen Stellungnahme ein.

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Deren Meinungen sollten dann eingearbeitet und anschließend in einer Gemeinderatssitzung debattiert und beschlossen werden, so sein Vorschlag. Doch aus dem Vorhaben wurde nichts.

Thema verschwindet wieder – ohne Information der Öffentlichkeit

Wie der SÜDKURIER jetzt erfuhr, musste Oliver Gortat sein Parkraumkonzept zurückziehen, denn sowohl die Räte der Freien Wähler als auch die der CDU legten Widerspruch ein. Das zumindest sagt Willy Schirrmeister von den Freien Wählern im SÜDKURIER-Gespräch. Und Clemens Beirer von der CDU erinnert sich: „Der Bürgermeister hat uns gefragt, was wir wollen: jetzt das Thema behandeln ohne Bürgerinformation oder nächstes Jahr mit Bürgerinformation.“ Das Thema verschwand wieder in der Versenkung – allerdings ohne Information der Öffentlichkeit.

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So kam es in einer der zurückliegenden Gemeinderatssitzungen zu vielen Fragen von Bürgern, die ihrem Unmut Luft machten. Sie wollten angesichts des durch die Corona-Pandemie noch verstärkten Ansturms von Tagestouristen wissen, was denn nun aus dem Parkkonzept geworden sei.

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In einer Stellungnahme gegenüber dem SÜDKURIER erklärt der Bürgermeister: „In der nächsten Klausurtagung (am 6. November 2020, Anmerkung der Redaktion) werden wir unter anderem auch das weitere Vorgehen bezüglich des Parkkonzeptes besprechen.“

Er stellt eine Bürgerinformation noch im November und im Dezember oder Januar die Beratung und Beschlussfassung im Gemeinderat in Aussicht. Inhaltliche Fragen, zum Beispiel, ob es Anregungen und Kritiken zum Konzept gegeben habe oder ob der Gemeinderat schon einmal darüber gesprochen habe, überging der Bürgermeister.

Gemeinderat Clemens Beirer (CDU): Erfahrungen des Corona-Sommers sollen in Parkraumkonzept einfließen

Anders die Gemeinderäte. Für die CDU erklärte Clemens Beirer auf Nachfrage des SÜDKURIER, man habe darauf gedrungen, dass „die Corona-Situation und die Erfahrungen dieses Sommers in die Beratungen über ein Parkraumkonzept einfließen“ müssten. Es gehe nicht nur um den Hafenbereich und Teile des Kernortes: „Auch in Süßenmühle stehen die Autos“, betonte Beirer. Ein Konzept müsse so sein, dass „auch eine effektive Kontrolle möglich ist“.

Willy Schirrmeister (Freie Wähler): „Das Konzept war nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben.“

Willy Schirrmeister erklärte für die Freien Wähler: „Wir wollen, dass alle gleich behandelt werden. Das Konzept war nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Man müsse die Einhaltung der Vorschriften eines solchen Konzeptes „konsequent überwachen“ können. Schirrmeister sprach von mehr Ordnungskräften auch unter der Woche. „So, wie wir das jetzt machen, den Ort nur für Anlieger öffnen, vielleicht geht das ja auch dauerhaft.“ Gegenwärtig suche man das Gespräch mit Beratern der Polizei, um zu erfahren, welche Möglichkeiten es aus deren Sicht gebe.

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