Aus christlicher Überzeugung und Tradition hat die Gemeinde das gestrige „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, wie Fronleichnam offiziell bezeichnet wird, begangen. Infolge von Corona aber in stark abgespeckter Form: Es fehlte nicht nur der Zapfenstreich der Bürgermiliz am Abend zuvor, sondern auch Prozession, Parade und Platzkonzert, und vor allem: Kein 800 Meter langer Blütenteppich, den die Anwohner gewöhnlicherweise ab 5 Uhr legen und der in jedem Jahr Aberhunderte von Schaulustigen anlockt.

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Gewehrschützen mit „genügend Abstand“

Nach der gestrigen Heiligen Messe ließ sich die Bürgermiliz blicken, allerdings ohne Milizkapelle und Spielmannszug, sondern nur die Gewehrschützen, „sodass wir genügend Abstand haben“, sagte Kommandant Adrian Staiger gegenüber dem SÜDKURIER. Die ersten Salutschuss gaben sie zur Ehre Gottes ab, den zweiten für Frieden und Gerechtigkeit sowie gegen Rassismus und mit dem dritten Salutschuss gedachten sie den weltweit an Corona Verstorbenen. Zugleich wollten sie damit sämtliche Helferinnen und Helfer im Rahmen der Pandemie ehren.

Abfeuern der Salve „größte Ehrbezeugung“

Wie Staiger erläuterte, handelt es sich beim Salutschuss beziehungsweise Ehrensalve um eine militärische Tradition, die in vielen Ländern angewendet wird. „Auch bei der Bürgermiliz Sipplingen ist diese seit alters her tief verwurzelt“, so der Kommandant. Aus ihren historischen Vorderladergewehren geben die Soldaten der Mannschaft – die Abteilung der Bürgermiliz, die unter Waffen steht – bei unterschiedlichen Gegebenheiten eine Ehrensalve ab. Staiger: „Das Abfeuern einer Ehrensalve ist die größte Ehrbezeugung, welche die historischen Bürgerwehren und Milizen zu vergeben haben.“ In früheren Zeiten habe diese Ehrbezeugung nur Gott, der Majestät des Todes und den Regierenden zugestanden, so der Kommandant. „Heute schießt die Bürgermiliz bei Prozessionen, bei Paraden und bei besonderen Anlässen.“

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Mit kirchlichem Brauch verknüpft und „altes Friedenssymbol“

Staiger machte darauf aufmerksam, dass die Bürgermiliz eng mit dem kirchlichen Brauchtum verknüpft sei. So werde normalerweise bei der Fronleichnamsprozession an allen vier Altären jeweils eine Ehrensalve geschossen. „Auch die Böllerschüsse aus der Salutkanone sind Geste höchster Ehrerweisung an unseren Herrgott“, so Staiger. Die Ehrensalve bedeute auch einen Ehrengruß für Bürgermeister, Gemeinderäte, Kirchengemeinde, Zuschauer und das Dorf. Obwohl diese mit Waffen ausgeführt werde, sei sie ein altes Friedenssymbol. Bei den Tiroler Schützen heiße es: „Für dich ist niemals eine Kugel im Lauf. Ich komme zu dir und will dir als Freund begegnen.“ Staiger: „Auch die Bürgermiliz schießt für Freiheit, Gerechtigkeit und natürlich für Frieden.“