„Endlich wieder eine volle Jugendtrainingswoche.“ Bernd Heinle, Vorsitzender des Yachtclub Sipplingen (YCSi), zeigte sich erleichtert und froh, dass der Verein nach zweijähriger Corona-Pause wieder die fünftägige Veranstaltung hat ausrichten können. In den vergangenen beiden Jahren gab es bei einem abgespeckten Programm nur ein Sommersegeln, bei dem man an den Standorten Ludwigshafen und Sipplingen coronagerecht Teilnehmer und Boote getrennt hatte ohne Mittagessen sowie Nachmittags- und Abendprogramm. Heinle: „Jetzt hatten wir wieder das klassische Format über fünf Tage.“

Kooperation mit befreundeten Clubs

Segeltechnik gelernt oder verbessert haben 37 Jungen und Mädchen im Alter von sieben bis 14 Jahren nicht nur aus Sipplingen und Umgebung, sondern aus ganz Baden-Württemberg. Eingeteilt wurden die mit Schwimmwesten ausgerüsteten Kinder nach Kenntnissen und Alter in eine von fünf Trainingsgruppen und Bootsklassen. Dieses Jahr waren Heinle zufolge sehr viele Anfänger zwischen sieben und neun Jahren dabei. „Zwei Beginnergruppen mit einmal acht und sieben Teilnehmern“, freute er sich. „Es kommen wieder sehr viele Jugendliche nach, die jetzt ihre ersten Segelerfahrungen machten.“

Carolina (9), Bodman
Carolina (9), Bodman | Bild: Kleinstück, Holger

Sie lernten die Grundlagen des Segelns auf einem Optimist (Opti), eine leichte Jolle für Kinder und Jugendliche bis etwa 15 Jahre. Fortgeschrittene durften auf einen Laser, eine technisch einfach gehaltene, aber nicht anspruchslose Einhand-Jolle oder auf einen 420er, eine Zweimannjolle mit Trapez und Spinnaker. Mit dabei war auch ein Teeny, auch als „Opti für Zwei“ bekannt. Die Boote hatten teilweise benachbarte Clubs in Überlingen und Bodman-Ludwigshafen zur Verfügung gestellt.

Auch Kentern will gelernt sein

Je nach Wetterlage wechselten sich Theorieunterricht und Praxis ab. Die Nachwuchssegler lernten unter anderem verschiedenen Knoten kennen, die Vorfahrtsregeln auf dem See und wichtige Funktionen der Schiffe. Zum praktischen Teil gehörten Startübungen, Segelmanöver wie Wende, Halse oder Aufschießer, der Auf- und Abbau der Boote, das Einfädeln der Schoten und das Stellen der Masten.

Wie man ein Boot nach dem Kentern aufrichtet, gehörte auch zum Lehrprogramm.
Wie man ein Boot nach dem Kentern aufrichtet, gehörte auch zum Lehrprogramm. | Bild: Kleinstück, Holger

Geübt wurde auch, wie ein Boot nach dem Kentern wieder aufzurichten ist. Die DLRG-Ortsgruppe war zur Unterstützung und zur Sicherheit dabei. Ein „Jüngstenschein“, der es den jungen Seglern erlaubt, in ausgesuchten, begrenzten Revieren unter Aufsicht zu segeln, wurde dieses Mal nicht vergeben. Allerdings können einige der Teilnehmer im Winterhalbjahr in Kooperation mit den „Wassersport-Seeendvereinen“ am Überlinger See nach intensiver Theorie im Frühjahr kommenden Jahres die praktische Prüfung ablegen. Heinle hofft, dass einige der Nachwuchssegler dem YCSi erhalten bleiben.

Gemeinsames Segeln gehörte zum täglichen Programm bei der Jugendsegelwoche. Bild: Holger Kleinstück
Gemeinsames Segeln gehörte zum täglichen Programm bei der Jugendsegelwoche. Bild: Holger Kleinstück | Bild: Kleinstück, Holger

Jeden Tag kam etwas anderes auf den Tisch. Die ehrenamtlichen Helfer des Vereins achteten laut Heinle darauf, eine abwechslungsreiche Küche zu zelebrieren. „Einen Tag haben wir am Grill Opti-Burger zubereitet.“ Auf dem Programm stand auch ein Grillen im Löchle des Yachtclubs Stockach sowie ein gemeinsamer Grillabend mit den Eltern. Heinles Dank galt den Trainern, Betreuern und dem Küchenpersonal für die ehrenamtliche Arbeit während der Trainingstage sowie dem Yachtclub Stockach für die Gastfreundschaft beim Grillnachmittag. „Es wird nicht einfacher, genügend Helfer für eine solche Veranstaltung zu finden“, bedauerte der Vorsitzende. „Das ist aber kein Phänomen des Yachtclubs Sipplingen, sondern ein typisches Thema unserer Nachcorona-Gesellschaft.“

Ruben (11), Ulm
Ruben (11), Ulm | Bild: Kleinstück, Holger

Für die Nachwuchssegler haben sich die Tage gelohnt, denn neben T-Shirt, Kappe und Medaille gab‘s nach einer Abschlussregatta auch noch eine Urkunde, aus der hervorgeht, dass jeder Teilnehmer ein Sieger ist. Und dass sie viel Spaß dabei hatten, das wurde deutlich, als der SÜDKURIER die jungen Segler besuchte. Carolina aus Bodman sagte, es mache immer Spaß, bei einem solchen Camp dabei zu sein. „Ich habe hier viel gelernt. Opti segle ich seit zwei Jahren“, so die Neunjährige. Der zwei Jahre ältere Ruben aus Ulm hob hervor, es sei ihm wichtig gewesen, etwas dazulernen, „um noch besser segeln zu können“ und an Regatten teilzunehmen. „Schon seit ich auf der Welt bin, segle ich“, teilte er mit einem Grinsen mit.

Charlie (11), Augsburg
Charlie (11), Augsburg | Bild: Kleinstück, Holger

Auch Charlie aus Augsburg, der das dritte Mal dabei war, wollte noch etwas dazulernen. „Ich bin mit Sicherheit nächstes Jahr wieder dabei“, hob er hervor, die Zustimmung von Ruben erhaltend. Und der 16-jährige Betreuer Philipp aus Bermatingen ergänzte, er habe viel Wert darauf gelegt, dass der Nachwuchs gut unterhalten werde. „Für mich war es wichtig, dass die Kinder wissen, was sind Knoten, was sind Wenden, eben alles Mögliche, was zu einem Grundkurs gehört“, sagte Philip, der seit rund zehn Jahren im Verein segelt.

Philliip (16), Bermatingen
Philliip (16), Bermatingen | Bild: Kleinstück, Holger
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