Die Übernachtungszahlen sind in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie auch in der Gemeinde Sipplingen gesunken – doch nicht so stark, wie ursprünglich erwartet. „Ich dachte, es seien weniger“, sagte Bürgermeister Oliver Gortat, als Silvia Fritz, Fachbereichsleiterin Tourismus und Kultur, im Gemeinderat über touristische Zahlen und Fakten informierte. Als positiv stellte die Tourismuschefin die Resonanz auf die Bodenseecard West (BCW) und die Echt Bodensee Card (EBC) heraus.

Spätsommer und Frühherbst positiv

Bis Ende Oktober dieses Jahres hat die Tourist-Information in den 129 Ferienunterkünften der Gemeinde 53 882 Übernachtungen gegenüber 61 842 im gleichen Vorjahreszeitraum registriert. Das sind rund 13 Prozent weniger. Einiges sei im Spätsommer beziehungsweise Frühherbst aufgefangen worden, sagte Gortat.

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Arbeit der Tourist-Information stark betroffen

„Sehr stark“ hat sich Corona nach Aussage von Fritz indes auf die Arbeit der Sipplinger Touristikerinnen ausgewirkt. So habe man die Tourist-Information für den Publikumsverkehr vom 17. März bis 4. Mai schließen müssen, sei jedoch telefonisch erreichbar und personell durch eine Person besetzt gewesen. Alle Landesverordnungen habe man für Gäste und Gastgeber aufbereiten müssen. „Jede weitere Änderung war mit einer Welle von schriftlichen und telefonischen Anfragen verbunden, mitunter Fragen zu Stornierung und Umbuchung von touristischen Aufenthalten“, so Fritz, die deswegen auch von einer „großen Verunsicherung“ bei den Gastgebern berichtete.

Die meisten Veranstaltungen abgesagt

Die meisten diesjährigen Veranstaltungen, die in allen Online-Vertriebskanälen bereits eingepflegt gewesen seien, habe man absagen und verschieben müssen. Stattgefunden haben die Hörspielkirche, Ortsführungen und geführte Radtouren. In Bezug auf die Hörspielkirche, die vom 19. Juli bis 6. September sieben Wochen von montags bis freitags zwei Hörspiele pro Tag in der Jakobskirche bot, sagte Fitz, sie habe das Gefühl, dass deren Angebote stärker angenommen worden seien als im Vorjahr. „Vermutlich aufgrund fehlender anderer Veranstaltungen“, nahm sie an. Größere Veranstaltungen wie Gästebegrüßungsfahrten oder das Genusswandern auf dem Premiumwanderweg „Seegang“ hätten erst nach dem 1. September stattfinden können, so Fritz.

Bodenseecard West gut aufgenommen

Die Tourismuschefin berichtete aber auch Positives. So sei die im April eingeführte BCW von den Gästen mit Wohlwollen aufgenommen worden. Mit dieser und der EBC können die Gäste seitdem öffentliche Verkehrsmittel von Lindau bis Konstanz gratis benutzen und erhalten zahlreiche Vorteile und Vergünstigungen bei vielen Ausflugsziele und Freizeitangeboten am Bodensee. In Bezug auf die um 50 Cent gestiegene Kurtaxe von 2,50 Euro auf 3 Euro in der Hauptsaison beziehungsweise von 1,50 auf 2 Euro in der Nebensaison sagte Fitz, dass man keinerlei diesbezügliche Beschwerden erhalten habe. „Es gab nur positive Rückmeldungen“, betonte sie. Ins gleiche Horn blies auch Gemeinderat und Zimmervermieter Arne Schuldt (FW). „Alle meine Gäste waren durchaus begeistert“, sagte er. Was er „überaus positiv“ empfindet: Dass die Stadt Überlingen jetzt bei der EBC dabei ist. „Das stärkt die ganze Sache um einiges.“

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Mehr Qualität und längerer Aufenthalt als Ziel

In Kürze wird nach Darstellung von Silvia Fritz das Ferienjournal 2021/22 erscheinen. Nächstes Jahr „stark beschäftigen“ werde man sich laut der Touristikerin mit der Toubiz-Datenbank der Agentur Land in Sicht aus Freiburg, der zentralen Wissensdatenbank in Baden-Württemberg zur Verfassung von touristischen Informationen, Tipps und Insiderwissen. „Von besonderer Bedeutung für uns ist die Verknüpfung der Daten mit der Echt Bodensee App“, sagte Fritz. Lob gab es von Gemeinderätin Elisabeth Lohrer (CDU). „Man merkt, es wird mit Herzblut gearbeitet“, betonte sie. Trotzdem gelte es, im Tourismus nach neuen Lösungen zu suchen: Nicht „immer mehr“ müsse das Motto sein, sondern „mehr Qualität und eine längere Aufenthaltsdauer“.