Das denkmalgeschützte Sipplinger Haus stammt aus dem Jahr 1662, erbaut wurde es 14 Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. Eine Zeit, in dem die Gemeinde überwiegend vom Weinbau lebte. 2007 wies die Untere Denkmalschutzbehörde Überlingen auf den desolaten Zustand des Gebäudes hin und erklärte, es sei einsturzgefährdet.

Regierungspräsidium lehnte Antrag auf Abriss ab

Ein Abbruchantrag wurde jedoch 2010 vom Regierungspräsidium wegen wirtschaftlicher Zumutbarkeit des Erhalts des Kulturdenkmals abgelehnt. 2013 trat die Meersburger Familie Möhrle-Schmäh mit den damaligen Eigentümern in Kontakt und konnte das Haus ein Jahr später kaufen. Zu diesem Zeitpunkt war die Konstruktion des Hauses so stark angegriffen, dass ein Betreten nicht mehr ratsam war.

Das Rebmannshaus im Jahr 2014.
Das Rebmannshaus im Jahr 2014. | Bild: Holzbau Schmäh

Regen lief ins Haus, Deckenteile waren eingestürzt

„Wir haben aber den früheren Stolz und Charme gesehen und ließen uns nicht beirren“, so Zimmermeister Sebastian Schmäh. Mehr als 15 Jahre stand das Haus zuvor leer, ein Sicherung der Substanz hatte nicht stattgefunden. Durch das kaputte Dach und das teils fehlende Fachwerk war zudem Regen ins Haus gelaufen. Deckenteile waren eingestürzt und Efeu wuchs bereits durch die Mauern ins Haus. Nach dem Kauf nahm die Firma von Sebastian Schmäh eine sofortige Notsicherung vor, um das Gebäude vor dem Einsturz zu retten.

So sah das Dachgeschoss aus, als Schmäh das Haus kaufte.
So sah das Dachgeschoss aus, als Schmäh das Haus kaufte. | Bild: Holzbau Schmäh
Die heutige Giebelansicht im Dachgeschoss.
Die heutige Giebelansicht im Dachgeschoss. | Bild: Martin Maier

Man sei in den zurückliegenden Jahren dann weit in die Substanz des Hauses vorgedrungen und habe sich immer tiefer in seine Historie hineinbegeben, sagt Sebastian Schmäh: „Wenn wir heute durch seine Räume gehen, freuen wir uns daran, dass wir einem historischen Element unserer Region die Chance geben dürfen, seine Geschichte auch den nächsten Generationen zu erzählen.“

Die blaue Stube im Jahr 2014.
Die blaue Stube im Jahr 2014. | Bild: Holzbau Schmäh

Es sei ihm wichtig gewesen, die jahrhundertalte Nutzungsgeschichte im Inneren unter Modernisierung und Anpassung des Energiekonzeptes zu erhalten, so Schmäh. Und er habe auch mit vielen älteren Bürgerinnen und Bürgern gesprochen, die sich noch an das Haus und seinen Garten Mitte des letzten Jahrhunderts erinnerten. Daher habe er auch die historische Bepflanzung aufgreifen können.

Die sanierte blaue Stube im Obergeschoss.
Die sanierte blaue Stube im Obergeschoss. | Bild: Martin Maier

Diese Bemühungen wurden jetzt gleich doppelt mit Preisen gewürdigt. Das Unternehmen Holzbau Schmäh aus Meersburg erhielt für die Sanierung des Rebmannshauses den Denkmalschutzpreis 2020 Baden-Württemberg.

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Dieser wird vom Schwäbischen Heimatbund und dem Landesverein Badische Heimat alle zwei Jahre vergeben. Mit dem Preis werden Eigentümer geehrt, die bei der Sanierung und Umnutzung ihres historisch bedeutsamen Hauses besonders vorbildlich vorgegangen sind und damit einen wichtigen Beitrag zur Weitertradierung der vielfältigen Baukultur im Land geleistet haben.

„Wir freuen uns, dass wir einem historischen Element unserer Region die Chance geben dürfen, seine Geschichte auch den nächsten Generationen zu erzählen“, sagt Sebastian Schmäh.
„Wir freuen uns, dass wir einem historischen Element unserer Region die Chance geben dürfen, seine Geschichte auch den nächsten Generationen zu erzählen“, sagt Sebastian Schmäh. | Bild: Archiv

Zudem zeichnete das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Schmäh mit dem „Effizienzpreis Bauen und Modernisieren“ in der Prämierungsstufe Gold, Kategorie „Modernisierung im Denkmalschutz“ aus. Bereits in den zurückliegenden drei Jahren hatte das Unternehmen Preise für die Sanierung des Kirchturms in Sipplingen, für die Sanierung eines barocken Wohnhauses von 1724 in Meersburg und für die Sanierung des früheren Torkels in Salem-Mittelstenweiler erhalten.

Die Rückseite des Sipplinger Rebmannshauses zeigt anschaulich, wie sich bei der aufwändigen Sanierung Altes und Neues zusammenfügen. Unten im Bild Mitbesitzer, Restaurator und Bauleiter Sebastian Schmäh.
Die Rückseite des Sipplinger Rebmannshauses zeigt anschaulich, wie sich bei der aufwändigen Sanierung Altes und Neues zusammenfügen. Unten im Bild Mitbesitzer, Restaurator und Bauleiter Sebastian Schmäh. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Sipplingens Bürgermeister Gortat ist begeistert

„Dieses Objekt kann vielen anderen denkmalgeschützten Gebäuden dieser Art als Vorbild für eine gelungene energetische Sanierung dienen“, urteilte das Umweltministerium. Auch Sipplingens Bürgermeister Oliver Gortat freut sich über die Sanierung: „Sie ist mehr als gelungen und kann sich sehen lassen.“

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Die Zusammenarbeit mit der Firma Schmäh könne nicht besser sein, die Ergebnisse seien durchaus preiswürdig, da Schmäh das Potenzial der alten Gebäude erkenne und die Historie mit der Moderne denkmalkonform umzusetzen wisse. Mit dieser „exzellenten Arbeit“ werde ein weiteres Stück Geschichte in Sipplingen erhalten „und unsere Perle am See somit weiter zum Strahlen gebracht“, so Gortat.