Am Anfang stand die Begegnung mit dem Unbekannten, konkret mit einer Eis-Rollmaschine. Diese entdeckten Ralph Regenscheit und Holger Kuhn in einem Film über thailändische Streetfood-Märkte. Die beiden Sipplinger waren spontan begeistert. Sie fanden, eine Eis-Rollmaschine hätte das Potenzial, in Sipplingen neue Impulse zu setzen.

Bei einer Eis-Rollmaschine handelt es sich im Kern um eine Eispfanne, deren Oberfläche durch ein Kühlaggregat auf rund 27 Grad unter Null gebracht wird. Die Eismasse wird auf der etwa 40 mal 60 Zentimeter großen Fläche dünn aufgetragen und danach mit einem etwa acht Zentimeter breiten Spachtel abgelöst. Es bilden sich durch das Schieben des Spachtels Eisrollen. Sie werden in einem Becher drapiert und mit Sahne, Schokoladensoße oder Ähnlichem garniert.

Einer frisch aus Pulver und Milch zubereiteten Vanille-Eismasse werden auf Wunsch Zutaten, wie Himbeeren, Mangostücke, Kekse oder ...
Einer frisch aus Pulver und Milch zubereiteten Vanille-Eismasse werden auf Wunsch Zutaten, wie Himbeeren, Mangostücke, Kekse oder anderes hinzugefügt. Alles wir klein gehackt, verrührt, in einer dünnen Schicht auf einer der beiden Eispfannen ausgerollt, dann mit einem Spachtel zu kleinen Eisrollen zusammen geschoben und im Becher garniert angeboten. | Bild: Schnurr, Michael

Holger Kuhn und Ralph Regenscheit, beide schon als Jugendliche Mitglieder der DLRG, wollten für die Jüngeren im Dorf ein Zeichen setzen: „In Sipplingen macht langsam alles zu. Wir wollen etwas dagegen tun, vor allem für die Sipplinger Jugend“, sagt Holger Kuhn, der als Freier Wähler auch Mitglied des Gemeinderates ist. Der 37-jährige Gymnasiallehrer und der 31-jährige IT-Systemingenieur Ralf Regenscheit machten sich deshalb auf die Suche nach einer Eis-Rollmaschine. In Freiburg wurden sie fündig. Als sie ihre Maschine erstmals zuhause testeten, kam ihr Freund Nils Schirmeister vorbei. Der 39-jährige Realschullehrer und Sohn von Ratsmitglied Willy Schirmeister war gerade aus Thailand zurückgekehrt und sofort von der Idee begeistert, denn: „Da stand genau die Maschine, deren Eis ich in Thailand lieben gelernt hatte“, erzählt er.

Erster Auftritt bei einer Bootsweihe der DLRG

Heute geht das Projekt in sein viertes Jahr und hat Gestalt in Form eines mobilen Eiswagens angenommen. „SEEmeROLLin“ nennen die drei Sipplinger ihr Angebot, mit dem sie das erste Mal 2019 bei einer Bootsweihe an der DLRG-Wachstation auftraten. Damals rollten sie ihre Eis-Rollmaschine allerdings noch auf einem Anhänger zum Seeufer. Schnell wurde den drei Initiatoren klar, dass es mehr brauchte als eine Eis-Rollmaschine. Sie mussten einen Gewerbeschein beantragen, hatten eine Hygieneausbildung zu absolvieren und wussten schnell, dass sie mit ihrer Eis-Rollmaschine auf einem Anhänger mit Zelt darüber nicht weit kommen würden. So begann die Suche nach einem geeigneten Verkaufswagen, respektive Anhänger. Und wieder kam ihnen ein glücklicher Zufall zu Hilfe. Nils Schirmeister. „Ich kam zufällig in der Schweiz an einem Anhänger vorbei, der an der Straße angeboten wurde“ und man sei sich schnell handelseinig geworden.

Das könnte Sie auch interessieren

Wunsch, Jugendlichen etwas Besonderes zu bieten

Die Sipplinger bauten den Wagen für ihre Ansprüche um. Doch dann begannen erst die richtigen Schwierigkeiten. Seither steh das gute Stück, dass nun noch gesprayt werden soll, nämlich in Sipplingen und kann nicht eingesetzt werden. „Wir hatten uns vorgestellt, vielleicht zehn Mal im Jahr am Seeufer in der Nähe des Volleyballfeldes an die Jugendlichen dort Eis zu verkaufen und ihnen dadurch etwas Besonderes zu bieten“, erzählt Holger Kuhn. Denn seit die Gastwirtschaft Linde nicht mehr existiere, fehlte den Jugendlichen ein guter Treffpunkt. „Wenn wir in den Wirtschaften in Sipplingen nur was trinken wollen, sind wir nicht gerne gesehen“, erzählt Ralph Regenscheit von seinen Erfahrungen. Anderes beschreibt er als zu teuer für viele Jugendliche. Mit der Eis-Rollmaschine als Treffpunkt wollten die drei Sipplinger Abhilfe schaffen.

Gastronom am Seeufer hat das Vorrecht

Doch da hatten sie die Rechnung buchstäblich ohne den Wirt gemacht. „Wir waren wohl etwas blauäugig“, sagt Holger Kuhn, denn der Inhaber des Restaurants in der Nähe des Volleyballfeldes am Seeufer bestand demnach auf sein vertraglich von der Gemeinde zugesichertes Recht, alleine dort gastronomische Angebote machen zu dürfen. Daraufhin versagte die Gemeinde, mehrheitlich vom Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen, den Initiatoren von „SEEmeROLLin“ eine Verkaufsgenehmigung im Uferbereich. Lediglich bei den Lake-unplugged-Veranstaltungen des Touristik-Fördervereins Sipplingen dürfen Ralph Regenscheit, Nils Schirmeister und Holger Kuhn ihr Eis als Mitglieder des Vereins für die Gäste am Ufer Eis rollen.

Gemeindeverwaltung will kein mobiles Gewerbe

Die Pressestelle der Gemeinde Sipplingen bestätigt auf Nachfrage, dass von einem sogenannten Reisegewerbe „ein Antrag bei der Gemeindeverwaltung eingereicht wurde und dieser innerhalb des Gemeinderates behandelt wurde“. Weiter heißt es: „Mehrheitlich hat man sich innerhalb des Gemeinderates dafür ausgesprochen, dass man außerhalb von Veranstaltungen grundsätzlich keine zusätzlichen mobilen Gewerbe im Bereich der Uferanlage möchte.“ Ob ein Vertrag mit einem Gastronom über ein Vorverkaufsrecht Grundlage der Entscheidung war, die Verkaufserlaubnis nicht zu erteilen? Zu dieser Frage gibt die Pressestelle keine Antwort: „Die Gemeinde Sipplingen äußert sich grundsätzlich nicht über Inhalte von Verträgen.“ Es wird betont, dass sich die Entscheidung des Gemeinderates nicht gegen die Antragsteller richte: „Es handelt sich hierbei um eine Grundsatzentscheidung, da es immer mal wieder solche Anträge gibt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Für Wanderer gab es letztlich dennoch die Möglichkeit, das Eis aus der Eis-Rollmaschine zu kosten. Die drei Sipplinger öffneten am Anfang des Blütenwegs vor dem Haus der Schwiegereltern von Holger Kuhn ihren Verkaufswagen. Das Angebot wurde begeistert angenommen, doch: „Unsere Idee war es, hier in Sipplingen etwas zu bewegen, für die Dorfjugend einen Treffpunkt zu schaffen“, sagt Holger Kuhn. „In Kürze muss der Wagen hier oben fort, weil hier gebaut wird“, fährt er fort, „dann ist auch der Treffpunkt verschwunden.“ Er fügt resigniert hinzu: „Deshalb schauen wir uns jetzt in den Nachbargemeinden nach Möglichkeiten um.“

Der Stand von „SEEmeRollin“ am Anfang des Blütenweges. Drei Minuten benötigt Holger Kuhn zur Zubereitung der Eisrollen.
Der Stand von „SEEmeRollin“ am Anfang des Blütenweges. Drei Minuten benötigt Holger Kuhn zur Zubereitung der Eisrollen. | Bild: Schnurr, Michael