Die Gemeinde Sipplingen will wissen, wie ihre Bürger zukünftig leben wollen. Deshalb flatterte allen 1100 Haushalten des Dorfes jetzt ein mit dem Gemeindewappen versehener rosafarbener Fragebogen ins Haus. Darin geht es laut Überschrift um die Gemeindeentwicklung von Sipplingen. Im Auftrag von Gemeinderat und Verwaltung stellt die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung den Bürgern dabei auf vier Seiten sechs Fragen.

Oliver Gortat, Bürgermeister: „Der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung wollen gemeinsam die Lebensqualität in Sipplingen ...
Oliver Gortat, Bürgermeister: „Der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung wollen gemeinsam die Lebensqualität in Sipplingen erhalten und weiterentwickeln und haben sich aus diesem Grund unter anderem dafür entschieden, zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern eine gemeinsame Grundlage zu schaffen.“ | Bild: Stefan Hilser

Bürgermeister Oliver Gortat erklärt gegenüber dem SÜDKURIER, was die Gemeinde mit der Fragebogenaktion bezweckt: „Der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung wollen gemeinsam die Lebensqualität in Sipplingen erhalten und weiterentwickeln und haben sich aus diesem Grund unter anderem dafür entschieden, zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern eine gemeinsame Grundlage zu schaffen. Hierbei ist es unser gemeinsames Ziel, im Idealfall darauf aufbauend unsere Gremienarbeit im Rahmen der Möglichkeiten auf die Bedürfnisse unserer Bürgerinnen und Bürger ausrichten zu können.“

Ohne Bürgerbefragung und -beteiligung keine zusätzlichen Fördermittel

Der Impuls zur Befragung ist nicht allein von dem Willen getragen, mit den Sipplingern über die Lebensqualität im Dorf ins Gespräch zukommen. Vielmehr wurde die Aktion auch aus handfesten materiellen Gründen gestartet. In einer Erklärung der Pressestelle heißt es: „Das zuständige Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen erwartet für die Programme der städtebaulichen Erneuerung unter anderem ein gesamtörtliches Entwicklungskonzept (GEK) für das Sanierungsgebiet.“ Dies bezieht sich auf die städtebauliche Erneuerungsmaßnahme „Ortskern“ in Sipplingen. „Mit Blick auf die Bereitstellung von zusätzlichen Fördermitteln soll dieses gesamtörtliche Entwicklungskonzept nun ausgearbeitet und dem Fördergeber zur Verfügung gestellt werden.“ Mit anderen Worten: Ohne die Bürgerbefragung und -beteiligung wird es keine zusätzlichen Fördermittel geben.

Aktion der Bürgerselbsthilfe 2016 als Vorbild für die Gemeinde

Als Vorbild nennt die Gemeinde den 2016 von der Bürgerselbsthilfe initiierten Bürgerdialog Zukunftswerkstatt. Dieser liegt offensichtlich zu lange zurück. Joachim Scholz, seinerzeit Initiator des Bürgerdialogs und heute Vorsitzender der Bürgerselbsthilfe Sipplingen, kann in dem nun angestrebten Bürgerdialog allerdings keine Fortsetzung seiner damaligen Initiative erkennen.

Joachim Scholz, Bürgerselbsthilfe Sipplingen: „Der Zukunftswerkstatt 2016 gingen vielfältige Gespräche voraus, die sich in sieben ...
Joachim Scholz, Bürgerselbsthilfe Sipplingen: „Der Zukunftswerkstatt 2016 gingen vielfältige Gespräche voraus, die sich in sieben Themenkreisen konkretisierten.“ | Bild: Archiv

Ergebnisse von 2016 schafften es nie auf die Tagesordnung der Gemeinde

Scholz erklärt: „Der Zukunftswerkstatt 2016 gingen vielfältige Gespräche voraus, die sich in sieben Themenkreisen konkretisierten.“ Dieses Ergebnis sei allerdings nie auf die Tagesordnung der Gemeinde gesetzt worden. Der neuerliche Bürgerdialog sei aber genau andersherum angelegt. Scholz sagt: „Der Schwerpunkt 2016 lag im Austausch davor.“ Die aktuelle Fragebogenaktion sei von der Gemeinde gesetzt worden und lege „im Detail (…) die Vermutung nahe, dass eine Reflexion im Vorfeld (Testlauf und sachkritische Textdurchsicht) nicht vorgesehen war“.

Dreistündiger Bürgerdialog in der Turn- und Festhalle geplant

Bis zum 8. Mai können die Sipplinger den Fragebogen ausfüllen. Am 14. Mai um 10.30 Uhr lädt die Gemeinde dann in der Turn- und Festhalle zu einer dreistündigen Veranstaltung unter dem Titel Bürgerdialog ein. Dort sollen unter anderem die Ergebnisse der Befragung vorgestellt werden.

Die sechs Fragen aus dem Fragebogen

  • Die Sipplinger sollen die allgemeine Lebensqualität im Dorf beurteilen.
  • Am Beispiel von elf Begriffspaare, wie modern oder altmodisch, aufgeschlossen oder engstirnig, zentral oder abgelegen, sollen die Bürger auf einer Zahlenskala bewerten, was eher auf das Dorf zutrifft.
  • Die Dorfbewohner sollen ankreuzen, für welche soziale Gruppen die Lebensqualität gut oder schlecht ist, angefangen bei Senioren bis zu Kindern, aber auch bei Einzelhaushalten.
  • In einer Liste, die von Wohnen und Arbeiten über Soziales und Kultur bis zu Mobilität und Verkehr reicht, wird gefragt, wie die Angebote sind: von sehr schlecht bis eher gut.
  • In einer weiteren Liste wollen die Frager wissen, was sich die Sipplinger für die Zukunft erwarten: vom Gebäudebestand des Dorfes, vom Wohnen, im Sozialen, bei Einzelhandel und Dienstleistungen, von der technischen Infrastruktur und von Natur, Klima und Landschaft.
  • Zuletzt können die Sipplinger bis zu drei Themen benennen, bei denen ihnen ein konkreter Verbesserungsbedarf besonders am Herzen liegt.