Hannelore Beirer gibt nach mehr als 20 Jahren das Postlädle in Sipplingen auf. Wie ihr Mann, der CDU-Gemeinderat Clemens Beirer, auf Nachfrage des SÜDKURIER bestätigte, wird sich seine Frau am 31. Mai dieses Jahres aus dem Geschäft zurückziehen.

Der Grund: „Das Geschäft ist nicht mehr kostendeckend zu führen“, so Beirer. Zum einen würden immer mehr postalische Geschäfte über das Internet oder andere Anbieter abgewickelt, zum anderen habe sich die ohnehin schon schmale Ertragslage noch einmal verschlechtert, seit sich die Postbank AG aus der Filialen in Sipplingen zurückgezogen habe.

Clemens Beirer: „Das Geschäft ist nicht mehr kostendeckend zu führen.“
Clemens Beirer: „Das Geschäft ist nicht mehr kostendeckend zu führen.“ | Bild: Südkurier-Archiv

Dazu war es Ende Oktober 2020 gekommen. Gegenüber dem SÜDKURIER erklärte ein Pressesprecher der Postbank, die zur Deutschen Bank gehört, dass das Institut regelmäßig die Wirtschaftlichkeit seiner Filialen überprüfe. Wenn dort „Bankdienstleistungen nicht mehr wirtschaftlich nachhaltig angeboten werden“ könnten, verständigten „sich die Postbank und die Deutsche Post, diese Services aus der Partnerfiliale herauszunehmen“. Dies sei auch bei der Partnerfiliale in Sipplingen der Fall gewesen.

Sipplingen profitiert von alter Regelung

Dennoch werden die Sipplinger auch zukünftig nicht auf eine Filiale der Post verzichten müssen. Noch aus der Zeit, als die Post einen Monopolstatus in Deutschland besaß, stammt eine Regelung, von der Sipplingen jetzt profitiert. Danach muss die Post in selbstständigen Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern eine stationäre Poststelle betreiben, also auch in Sipplingen. Das bestätigte ein Pressesprecher der Post gegenüber dem SÜDKURIER.

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Er gab Entwarnung: „Es wird auf jeden Fall weiterhin eine Filiale in Sipplingen geben.“ Allerdings gebe es keine Vorschriften, wann und wie oft eine solche Filiale geöffnet sein müsse. Der Pressesprecher weiter: „In Orten, in denen wir von den Vorgaben her vertreten sein müssen, in denen aber kein geeigneter Betreiber für eine Filiale gefunden werden kann, betreiben wir Filialen vorübergehend mit eigenem Personal.“

Ehrung für die Postagentur im Postlädele im Sommer 2019: (vorn, von links) Clemens und Hannelore Beirer, Bürgermeister Oliver Gortat, (hinten, von links) Mitarbeiterin Cordula Kurz, Tobias Schowalter von der Post und Christian Beirer.
Ehrung für die Postagentur im Postlädele im Sommer 2019: (vorn, von links) Clemens und Hannelore Beirer, Bürgermeister Oliver Gortat, (hinten, von links) Mitarbeiterin Cordula Kurz, Tobias Schowalter von der Post und Christian Beirer. | Bild: Kleinstück, Holger

Solche Interimsfilialen seien weder für die Kunden noch für die Post eine ideale Lösung, denn sie könnten meist nicht wirtschaftlich betrieben werden und nicht die Öffnungszeiten bieten, wie ein Einzelhändler.

Post bleibt an der Seestraße 52

Die entsprechenden Räumlichkeiten seien schon gefunden: Die Seestraße 52, also exakt die selben Räumlichkeiten, in denen Hannelore Beirer ihr Postlädle bislang betrieben hat und die sie nun an die Post vermieten wird. Wann die Filiale wiedereröffnet wird, steht noch nicht fest. Aktuell laufe die Personalsuche mit Hochdruck, hieß es von der Post.

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