Es gibt viele Möglichkeiten, von Begebenheiten zu erzählen. Damit kennt Michael Schnurr sich aus. Als Journalist berichtet er unter anderem im SÜDKURIER über diverse Themen. Er hat Berichte filmisch umgesetzt und Bücher geschrieben. Seit Neuestem gehört auch ein Drehbuch für einen Spielfilm zu seinem Repertoire.

Wie es dazu kam, dass der Journalist aus Sipplingen über eine fantastisch anmutende und doch wahre Liebes- und Lebensgeschichte in Namibia schreibt, ist eine eigene Geschichte. „Die Basis ist ein Buch von mir, das ich über das Paar geschrieben habe“, erläutert Michael Schnurr. Seit Ende der 1990er Jahre war er mehrfach beruflich in Namibia, wo er Filme produzierte – und auf den Stoff für sein erstes Buch stieß. Danach meldete sich bei ihm ein fremder Mann und sagte am Telefon: „Sie müssen noch ein Buch schreiben!“

Geschichte von Reiner Stommel und Gillian Steel

So erfuhr Schnurr von Reiner Stommel, 1967 als deutscher Missionar in Namibia tätig, und der damals 21 Jahre alten Gillian Steel, Tochter britischer Aristokraten. Er ist Ordensbruder in Zivil und sie auf der Suche nach einer sinnvollen Aufgabe. Beide verlieben sich ineinander, ohne zu wissen, wie unterschiedlich die Welten ihrer Herkunft sind. Trotzdem entscheiden sie sich füreinander, kappen die familiären und religiösen Bindungen und leben als Ehepaar auf einer Farm in Namibia.

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Die Geschichte hat Michael Schnurr direkt gepackt. Er fuhr nach Afrika und lernte Reiner Stommel und Gillian Steel kennen. „Ich war eine Woche bei ihnen auf der Farm und sie haben mir jeden Abend nach der Arbeit ihr Leben erzählt“, berichtet er. So entstand die Erzählung über eine Engländerin und einen Deutschen, die Ende der 1960er Jahre anfangen, sich eine gemeinsame Zukunft auf einer Farm in Namibia in Zeiten der Apartheit aufzubauen. Sie bekommen vier Kinder. Während des Bürgerkriegs geraten sie zwischen die Fronten der weißen Siedler und der afrikanischen Befreiungskämpfer. Da erinnert sich Reiner an ihren gemeinsamen Traum, eine Schule für afrikanische Kinder zu gründen. Im Interview sagte er den für Michael Schnurr elementarsten Satz der Geschichte: „Es ist besser, Menschen zu unterrichten, als sie zu töten!“

Zusammenarbeit mit Jeffrey van Davis

Schnurrs Buch „Aufbruch nach Namibia“ erschien 2011 im Eigenverlag. Bis daraus ein Drehbuch wurde, brauchte es Zeit und eine weitere Begegnung. Der Journalist traf den Filmautor Jeffrey van Davis, um über dessen in Überlingen entstandene Produktion für den SÜDKURIER zu schreiben. Van Davis hatte Erfahrung als Drehbuchautor und als gebürtiger Amerikaner die richtige Muttersprache für eine internationale Filmproduktion. Die Geschichte von Reiner und Gillian begeisterte ihn direkt: „Das ist ein toller Stoff.“ Die beiden Autoren taten sich zusammen und arbeiteten an dem Drehbuch zu „Born for Africa“.

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Da das Drehbuch auf Englisch verfasst wurde, übernahm Jeffrey van Davis die meiste Schreibarbeit. Die Szenen arbeiteten sie gemeinsam, diskutierten viel über ergänzende fiktionale Elemente. „Wenn man für einen Film schreibt, muss man in Bildern denken“, weiß Michael Schnurr. „Die konkrete Ausarbeitung, vor allem der Dialoge, ist ein kreativer Prozess.“ Sie zogen die Meinung von Experten hinzu und feilten so lange an dem Stoff, bis sie zufrieden waren. Dann schickten sie das Buch an eine Agentur in Hollywood, die darauf spezialisiert ist, Drehbücher zu rezensieren. „Wir haben dort ein sehr gutes Feedback bekommen“, freut sich Schnurr.

Jetzt geht es an die Vermarktung. Dabei hat Schnurr sein eigentliches Ziel bereits erreicht: „Mir ging es darum, ein fertiges Drehbuch für einen Spielfilm zu schreiben, alles weitere wäre das Sahnehäubchen obendrauf.“ Die beiden Autoren haben bereits eine Webseite erstellt und werden nun Filmfestivals besuchen und Kontakte zu potenziellen Investoren knüpfen. „Wenn ich nicht daran glauben würde, würde ich es auch nicht anbieten“, so Schnurr.

Ihm ist klar, dass sie Geduld brauchen und selbst, wenn das Drehbuch einen Käufer findet, Jahre vergehen können, bis daraus ein Film wird. Aber das sieht Schnurr gelassen. Schließlich schreibt er schon am nächsten Drehbuch. Es basiert auf einer ergreifenden Liebesgeschichte zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs in Südafrika, die sich tatsächlich so ereignet hat.