Vom Künstler hat Axel Heizmann diese fokussierte Sensibilität für Inhalt und Form, für Komposition, Wahrhaftigkeit im Material und eine überzeugende, emotionale "Wohlfühlsequenz", wie er es nennt. Der Designer in ihm strebt nach Perfektion in der handwerklichen Umsetzung, nach einer stimmigen Verbindung unterschiedlicher Werkmaterialien, nach origineller, äußerer Form und einer gelungenen Präsenz im alltäglichen Umgang mit dem Möbelstück. Mit einem Schreibsekretär aus Wengeholz, das ist dunkles Tropenholz, hatte er sich beim diesjährigen Staatspreis für das Kunsthandwerk beworben und erhielt die attraktive Auszeichnung auch – am Sonntag im Meersburger Schloss, wo die Ausstellung aller eingereichten Arbeiten aus unterschiedlichen Handwerksbereichen zu sehen ist.

Der zur Preisvergabe eingereichte Schreibsekretär. Schubladen und Ablageflächen fallen weg. Denn archiviert wird heute eher auf Festplatten und Clouds. Traditionell bleibt das Schreiben.
Der zur Preisvergabe eingereichte Schreibsekretär. Schubladen und Ablageflächen fallen weg. Denn archiviert wird heute eher auf Festplatten und Clouds. Traditionell bleibt das Schreiben. | Bild: Axel Heizmann

Betritt man seine Werkstatt in Sipplingen, fallen zuerst zwei große, modern geformte Kachelöfen auf, deren Kacheln ebenfalls aus der Hand von Axel Heizmann stammen, daneben ein Parkour professioneller Holzbearbeitungsmaschinen und einige halb fertige Werkstücke aus edlen Hölzern von mächtigen Schraubzwingen zusammengehalten. In einem Nebenraum stehen fertige Möbelstücke, ein raumgreifender Schreibtisch, Stühle und Bänke, ein Bett. Axel Heizmann ist gebürtiger Überlinger und in einer traditionellen Handwerksfamilie aufgewachsen. Der Vater war Keramiker und Schreiner zugleich, ein kreatives Umfeld, das seinen weiteren beruflichen Werdegang maßgeblich geprägt hat. Nach Lehrjahren in Mainz eröffnete er im Jahre 2002 in Sipplingen seine Werkstatt für handgefertigte und originell gestaltete Ofenkacheln und die Schreinerei für hochwertige, künstlerisch designte Möbelstücke, alles Einzelanfertigungen aus ausgesuchten Hölzern. Moderne, innovative Heizsysteme haben in den zurückliegenden Jahren zunehmend die Nachfrage nach Kachelöfen einbrechen lassen, sagt Heizmann, seine Möbelproduktion decke inzwischen fast 95 Prozent seines Umsatzes ab. Und hier setzt er exklusive Akzente mit ausgefallenem Design, spannenden Materialverbindungen in aufwendiger, makelloser, handwerklicher Ausführung.

Der mit dem Staatspreis ausgezeichnete Schreibsekretär und dieser Stuhl sind aus Wengeholz gefertigt. Dabei handelt es sich um dunkles Tropenholz.
Der mit dem Staatspreis ausgezeichnete Schreibsekretär und dieser Stuhl sind aus Wengeholz gefertigt. Dabei handelt es sich um dunkles Tropenholz. | Bild: Axel Heizmann

"Man muss sich zuerst einfühlen in das Wesen eines Möbelstückes, muss den Punkt erwischen, wo eine Wohlfühlsequenz schließlich zu einer formalen Fassung führt", sagt Axel Heizmann und streicht behutsam über die samtig weiche Oberfläche eines Schreibtisches. Organische Formen wechseln sich ab mit klaren, geometrischen Elementen, Kanten aus Edelstahl vermitteln Strenge und Klarheit, Lederüberzüge unterstreichen die gewachsene Lebendigkeit der Materialien. Für die Aufträge fertigt er zuerst kleine Modelle aus Pappe, Hartschaum oder Holz an und tastet sich so nach und nach an die endgültige Form heran. Die fertigen Möbelstücke sind Unikate von hohem handwerklichem und künstlerischem Wert, zugleich aber auch selbstständige Skulpturen und Plastiken, die einen Raum neu definieren und in ihrer Benutzung den Menschen harmonisch miteinbeziehen. Der für den Staatspreis eingereichte Schreibsekretär besticht durch Schlichtheit und stilistische Konzentration auf seine Funktion als "modernes Homeoffice". Die traditionellen Stau- und Ordnungsbauteile, wie Schubladen und Ablagefächer, fallen weg, werden formal lediglich durch die hochgezogene Tischplatte angedeutet. Abgelegt und archiviert wird ja heute weitgehend auf Festplatten oder Clouds im Internet, wobei das Wohlgefühl beim Schreiben, auch am PC, durchaus noch in traditionellem Rahmen erhalten bleiben soll.

Preis für Gestaltung, Kunst und Handwerk

  • Der Staatspreis "Gestaltung Kunst Handwerk 2018" steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und wird im Zweijahresrhythmus vergeben, in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der Stadt Meersburg. Professionelle Kunsthandwerker aus Badenwürttemberg können stets Arbeiten aus den Bereichen Schmuck, Gerät, Keramik, Textil, Holz, Glas und Metall einreichen, bevorzugt ästhetische Innovationen, neue, zukunftsweisende Produkte und Formen.
  • In diesem Jahr bewarben sich 112 baden-württembergische Kunsthandwerker mit 262 Arbeiten um die Staatspreise und die Teilnahme an der Landesausstellung im Neuen Schloss. Eine Fachjury wählte davon 70 Arbeiten von 41 Bewerbern aus und stellte die Ausstellung aller Arbeiten zusammen. Zudem verlieh sie die Staatspreise, die Staatssekretärin Katrin Schütz am Sonntag mit Bürgermeister Robert Scherer in Meersburg an die Preisträger übergab.
  • Die Preisträger sind Möbeldesigner Axel Heizmann aus Sipplingen, Holzgestalterin Ulrike Scriba aus Gengenbach und Keramikerin Elisa Stützle-Siegsmund aus Müllheim. „Der Staatspreis zeigt, wie wichtig kunsthandwerkliche Ateliers und Werkstätten für unser Land sind – sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich“, sagte Katrin Schütz, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. Die Preisträger, aber auch alle weiteren Bewerber, stellten mit ihren Werken Jahr für Jahr ihr Können und ihren Ideenreichtum unter Beweis. "Wir können stolz sein, solch kreative Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker im Land zu haben“, so Schütz. Insgesamt standen Preisgelder in Höhe von 18 000 Euro zur Verfügung. Auch die weiteren Nominierten gingen nicht leer aus, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die Webmeisterin und Textildesignerin Brigitte Bilfinger aus Sindelfingen, der Restaurator Dirk Nowak aus Wangen im Allgäu und die Flechtwerkgestaltermeisterin Lore Wild aus Oberriexingen erhielten eine Urkunde und ein Preisgeld für ihre Nominierung.
  • Die Förderpreise für das junge Kunsthandwerk gingen an Frieda Dörfer, Schmuckgestalterin aus Pforzheim, und Hannah Zenger, Keramikerin aus Stuttgart. Die Förderpreise werden stets vom Wirtschaftsministerium und dem Förderverein des Kunsthandwerks Baden-Württemberg vergeben. Den Handwerkspreis der Handwerkskammer Ulm überreichte Kammerpräsident Joachim Krimmer an die Schuhmacherin Kathrin Hartmann aus Stuttgart. Der Hanns-Model-Gedächtnispreis für hervorragende Arbeiten und langjähriges Mitwirken im Bund der Kunsthandwerker Baden-Württemberg ging laut Pressemitteilung an die Karlsruher Goldschmiedemeisterin Susanne Goldbach.
  • Publikumspreis: Die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke stiften einen Publikumspreis, der zur Finissage der Ausstellung am Sonntag, 18. November, durch Landrat Lothar Wölfle verliehen wird. Preisträger wird der Kunsthandwerker sein, dessen Objekt in der Ausstellung die meisten Stimmen bekommt. Die Schau im Neuen Schloss läuft vom heutigen Montag, 8. Oktober, bis 18. November und ist geöffnet von Montag bis Sonntag, 9.30 bis 18 Uhr, ab dem 5. November von Donnerstag bis Sonntag, 12 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.