In Sipplingen ist alles größer, schöner, bunter und besser als in der Nachbarstadt, trotzdem herrscht in Überlingen eine Bombenstimmung (infolge der „Landesmuppesshow“): Davon überzeugt waren die Mitglieder des Heimatliedersängerbundes, die in brechend voller Turn- und Festhalle an zwei Abenden bei ihren Narrenkonzerten brillierten. Und wie! Ob lustiger Sketch, ob geschliffener Vortrag, ob mehrstimmiger Gesang – und das alles stets umrahmt von imposanten Bühnenbildern und einer hervoragend eingestellten Tonanlage – stets hatten die Mitglieder des vor zwei Jahren aus der Tauf gehobenen und seitdem nicht mehr zur Fastnachtsgesellschaft Sipplingen gehörenden Vereins ihr Publikum fest im Griff. Und dieses honorierte die schauspielerischen Leistungen und gesanglichen Darbietungen der 15 Akteurinnen und Akteuren immer wieder unüberhörbar. Zwei von ihnen, Frank Beurer und Michael Märte, standen zum wiederholten Mal, nämlich seit drei Jahrzehnten, auf der Bühne. Abgerundet wurde das Konzert mit Fasnetsmusik ohne Ende mit der Badstuben-Combo unter Leitung von Karl-Heinz Biller.

Viele Begebenheiten aus dem Dorf, in Versform auf bekannte und aktuelle Melodien vortragen: Das ist das Motto der Narrenkonzerte. Jede Neuauflage ist ein Erlebnis und wird nicht nur von den Sipplingern, sondern auch von vielen Narren aus den Nachbargemeinden mit großer Spannung erwartet. Das war auch am Wochenende nicht anders. Schon gleich zu Beginn, als die Narreneltern einmarschierten, herrschte prächtige Stimmung. Das sollte auch so bleiben, obwohl es zunächst (im Berg) rumorte „die Sach kunnt langsam is rolle“. Wichtel schlugen zu Pink Floyds „The wall“ auf Steine ein. „Immer weiter grabe, fer des wengele Geld, weil des dert im Rothus doch am netigschte fehlt!“ Probleme gäbe es seit Wochen, sei die Struktur doch nicht stabil, „paar Felse sind schon abgebrochen, der alte Berg macht, waner will!“ Der Bezug zum Felssturz und seinen Folgen: „Alles gschperrt, de Zugang isch vuwehrt, ganz Sipplingen war zmol isoliert.“

Dann waren es Rainer Beirer und Stefan Reischer, die „in’d Nochborschaft glueget“ Evakuierprobleme haben und sich über den auf dem Programm (fälschlichereise) ausgedruckten 30. Februar feixen: „Wir sind halt kreativer wie andere.“ Kein Auge blieb trocken, als Frank Beurer von der Bühne thronte („Fer d’Gmond mol onn Rat“) – immer ein Höhepunkt der Narrenkonzerte des Heimatliedersängerbundes. Diesmal bewarb er sich als Zwölferat, um das Gemeindeleben voranzubringen, werde doch im Gemeinderat ständig nur abgestimmt, statt Projekte wirklich in Angriff zu nehmen. „Ob Schulhusmiete, Stroßebau, als erschtes streitet me wie d’Sau . . . Damit die Farce e Ende hot, bewirb i mi als Zwölferrot. Die andre Gmondrät giehtes numme, i ka elong zur Sitzung kumme, die Diskussione sind vum Disch, well me meischtens mit sich einig issch . . . De Burgermoschter, jo so scheint`s, verliert denn immer zwölf zu eins“. Und sicher war es sich, seine Pläne fürs Dorf alleine umsetzen zu können, freilich ein bisschen mithilfe des Bürgermeisters: „De Anselm derf mir assisitiere, des rechtliche organisiere. . . . Regiere isch doch gar it schwer, wenn i elonig Gmondrot wär.“

Dann verwandelt sich die Bühne in eine Kinderstube mit Puppen, Teddys und Spielzeugautos, wobei sich herausstellte, dass es in Sipplingen genug Doktoren gibt, es aber an Ärzten fehle. Und dass eine Gesamtschule in Sipplingen im Plan sei, mit zwei Kassenzimmern – eines fürs Gymnasium, eines für die Hauptschule. Die aber Dr. Möbius gerne zu einer Arztpraxuis umbauen möchte, während Anselm (Neher) allen das Gleiche verspricht. Und nach einer weiteren Umbaupause öffnete sich der Vorhang für „Zwölf Elfe – tief im Wald vuborge“: Ein grüner Wald mit Fliegenpilzen, Blumen und Fichten sowie bunte Kostüme, musikalisch umrahmt vom „Karl der Käfer“, was in Sipplingen so viel heißt wie: „Leider hat der Otti nix gesagt, drum wird er jetzt vom Leid geplagt“. Tosender Applaus, vier Stunden Narretei waren wie im Fluge vorbei. Jetzt heißt’s (leider) zwei Jahre warten, bevor der Heimatliedersängerbund wieder von der Bühne grüßen wird.


Mitwirkende und Verein

Der VereinDer Heimatliedersängerbund ist seit der Fastnacht 1961 ein fester Bestandteil der Sipplinger Fasnet. Vor zwei Jahren hat er sich selbstständig gemacht: Seit der Gründung am 6. Juni 2014 im „Seehof“ handelt es sich um einen eigenständigen eingetragenen Verein mit dem Namen „Heimatliedersängerbund Sipplingen 2014 e.V.“. Sein Zweck ist die Förderung von Kunst und Kultur, die insbesondere durch die Erhaltung des allgemeinen Lied- und Kulturgutes verwirklicht wird. Der Verein inszeniert im Zwei-Jahres-Rhythmus das Narrenkonzert, das seit vielen Jahren von imposanten Bühnenbildern und geschliffenen Vorträgen und zahlreichen eigenen Liedern charakterisiert ist.

MitwirkendeAkteure: Fabian Beirer, Rainer Beirer, Frank Beurer, Carolin Bellgardt, Felix Bellgardt, Otto Biller, Oliver Huber, Timo Kessler, Michael Märte, Patrick Märte, Thomas Müller, Melissa Nkabou, Stefan Reischer, Sarah Sedlatscheck und Patricia Sinner.Kulisse: Eberhard Beirer, Helmut Beurer, Jochen Klein, Walter Klein und Thomas Seiberle.Kostüme: Corina Bellgardt.Maske: Evi Kasan und Sandra Raff.Ton, Technik, Beleuchtung: Heiko Grebing, René Schirmeister, Arne Schuldt und Marco Wendt. (hk)