Sipplingen – Herr Bürgermeister, sind Sie eigentlich Sipplinger oder wo stammen Sie her? Braucht man für Ihren Beruf eine bestimmte Ausbildung? Mit diesen und vielen weiteren Fragen über sein Privat- und Berufsleben haben Maximilian Weckwerth, Mären Ehrle, Taban Amiri und Luis Freund, Viertklässler der Burkhard-von-Hohenfels-Schule, Bürgermeister Oliver Gortat im Rahmen des kommenden Kinderferienprogramms in dessen Amtszimmer gelöchert. Dabei lernten sie bei einem kleinen Rundgang auch die Verwaltung kennen. In einer gespielten Kinder-Gemeinderatssitzung unterhielten sich 14 Viertklässer mit dem Rathauschef über die Notwendigkeit einer neuen Computerausstattung, wofür die Burkhard-von-Hohenfelsschule ein Medienbildungskonzept entwickelt hat.

So wird man Bürgermeister

Der Verwaltungschef erzählte, dass er aus Rielasingen-Worblingen im Kreis Konstanz stammt und seit Dezember in Sipplingen wohnt. „Ich bin aber kein Sipplinger. Das ist man ja nur, wenn man tatsächlich in Sipplingen geboren bin. Ich bin ein Neigschmeckter.“ Um Bürgermeister zu sein, brauche man keine spezielle Ausbildung, antwortete Gortat. „Bürgermeister kann man werden, wenn man Deutscher oder EU-Bürger und mindestens 25 Jahre alt ist. Es empfiehlt sich aber schon, dass man eine Verwaltungsausbildung absolviert. Je kleiner eine Verwaltung ist, desto mehr muss man sich auch aktiv einbringen. Von daher ist eine Verwaltungsausbildung in einem Rathaus, Landratsamt oder in einer Stadtverwaltung sicherlich von Vorteil.“

In einer gestellten Kinder-Gemeinderatssitzung beschäftigten sich Viertklässler der Burkhard-von-Hohenfels-Schule mit der künftigen Medienausstattung an ihrer Grundschule.
In einer gestellten Kinder-Gemeinderatssitzung beschäftigten sich Viertklässler der Burkhard-von-Hohenfels-Schule mit der künftigen Medienausstattung an ihrer Grundschule.

Braucht die Schule überhaupt eine neue Medienausstattung? Was sind die Vorteile eines Whiteboards, Beamers oder Laptops? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Schüler in der Kinder-Gemeinderatssitzung. Sie wollten bei ihrem Treffen mit dem Bürgermeister verstehen, wozu diese Ausstattung gut ist und wie sie an der Grundschule verwendet werden kann.

Darum braucht die Schule neue Computer

Nachdem ihnen Gortat die Regeln einer echten Gemeinderatssitzung erklärt hatte, machte Dinora Entinger darauf aufmerksam, dass die Schule dringend neue Rechner benötige. „Wozu braucht ihr die überhaupt?“, wollte Stella Möbius wissen. „Da gibt es mehr Informationen als über Bücher“, antwortete Dinora. Elias Moser möchte demnächst Laptops mit in den Unterricht bringen, „damit ist man flexibler.“ „Und was, wenn die Eltern das nicht wollen?“, wollte Jolina Moser wissen.

So kommt die Digitalisierung in die Grundschule

Florian Müller sprach sich für eine Dokumentenkamera statt eines Tageslichtprojektors aus, Luis Freund für einen festen Beamer und eine Soundanlage. Siddiqullah Rathnmayar dagegen befand, dass ein Fernseher nicht in den Unterricht gehöre, und Christian Zander meinte, dass Grundschüler zu jung für einen Computer seien. „Wenn wir uns jetzt schon damit beschäftigen, haben wir es im späteren Leben einfacher“, entgegnete Maximilian Weckwerth. Gortat antwortete, dass die Digitalisierung auch in der Sipplinger Grundschule kommen werde. Er meinte zu den Kindern: „Wir werden sie nicht aufhalten können. Sie bietet eine unheimliche Chance.“

Mit dem Medienbildungskonzept der Schule wird sich der „echte“ Gemeinderat voraussichtlich in seiner Sitzung am 11. Juli beschäftigen.

Sechs Fragen und die Antworten von Bürgermeister Oliver Gortat

Warum wollten Sie gerade in Sipplingen Bürgermeister werden?

Mir war es wichtig, dass es eine kleine Gemeinde ist, dass man sich mit den Jahren auch kennt, dass man weiß, wer gehört zu wem. Hier ist es ein bisschen familiärer als in einer großen Stadt. Mir war es auch wichtig, dass noch viele Projekte anstehen und man sich nicht in das sogenannte gemachte Nest setzt. Und dass in Sipplingen noch Entwicklungspotenzial vorhanden ist.

Was ist für Sie das Wichtigste in Ihrem Amt?

Meine Mitarbeiter. Weil man einfach ganz klar sagen muss: Ein Bürgermeister ist nur so gut wie seine Mitarbeiter. Da bin ich sehr dankbar, dass ich da so eine tolle Rathausmannschaft angetroffen habe. Die Mitarbeiter machen ja eigentlich die ganze Arbeit. Ich kann ja nicht auch noch beispielsweise einen Ausweis ausstellen.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?

Ich treffe mich in der Regel am liebsten mit Freunden. Für einen Bürgermeister ist es schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen. Die Freizeit, die ich habe, versuche ich tatsächlich den Freunden oder der Familie zu widmen.

Werden Sie an unserer Schule etwas verändern?

Ich treffe mich einmal monatlich mit der Rektorin Frau Wintermeyer, um einen Austausch zu haben. Was wird tatsächlich benötigt an der Schule? Wie können wir das vonseiten der Verwaltung unterstützen? Mir ist es schon sehr wichtig, die Schule auf einen aktuellen Stand zu bringen. Meiner Meinung nach ist es unerlässlich, dass auch eine Grundschule schon mit den neuen Medien arbeitet, sei es Tablet oder Handy. Da ist es wichtig, dass wir diese Grundlage in unserer Schule schaffen.

Wie waren Ihre Noten als Kind in der Schule?

Unterschiedlich. Ich war sicherlich nicht der beste Schüler. Aber ich war definitiv mit meinen Noten zufrieden.

Wie fühlen Sie sich in Sipplingen?

In Sipplingen fühle ich mich sehr wohl. Und zwar schon, bevor ich Bürgermeister hier geworden bin. Als ich noch gependelt bin von Rielasingen-Worblingen, wo ich ursprünglich wohnte, war es tatsächlich nicht wirklich zu fühlen, wie es in Sipplingen ist. Seit Dezember wohne ich aber hier und ich fühle mich sehr wohl. Hier sind ganz tolle Menschen und die Arbeit macht mir sehr viel Freude.